Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 28 (7.7.1885)
- Date
- 1885-07-07
- Page
- Seite 443 (sequence 3)
- Language
- German
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443 „die antisemitische Bewegung hat sich aus dem Lärm der öffentlichen Debatte, der Volsversammlung immer mehr zurückgezogen, aber" — meint er, „was sie an Heftigkeit verloren, hat sie an Tiefe und Gehalt gewonnen"! Herr Lehn- Hauche beseelt". Das ethische Fundament bildet: „Du sollst dich heiligen, wie Gott heilig ist", d. h. wie Gott unendlich vollkommen ist, so sollst du nach sittlicher Vervollkommnung ringen und dadurch Gott ähnlicher werden. Immer wiederholt Hardt meint dies vielleicht, weil er jetzt die Feder in das! wird empfohlen: „auf den Wegen Gottes zu wandeln", und Dintenfaß getaucht. Denn er must anerkennen, daß „nur! schon an Abraham ergeht der Aufruf: „fei vollkommen mit wenig erklärteAntisemiten in denReichstag gewählt worden" — nämlich nur zwei — und worin findet er demungeachtet seinen Beweis? Die Deutsch-Freisinnigen seien die einzigen dem Ewigen, deinem Gotte". So ist denn die höchste Vorschrift in demBerhältniß desMenschenzuGott: „Liebe den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit Philosemiten, alle anderen Parteien seien antisemitisch, selbst! deinem ganzen Vermögen." Die Unmittelbarkeit Gottes zum die Socialdemokraten, und da die crstcren an Stimmen ver-! Menschen ist es ferner, die dem Begriffe der Offenbarung loren, bedeute dies nichts Anderes, als die Ausbreitung des j einwohnt. Gott spricht zu Adam, zu Noah, zu Abraham, Antisemitismus. Welch' ein armseliges Zeugniß für die u. s. f., er spricht zum Volke vom Gipfel des Horeb; er deutsche Nation, bei welcher das einzige politische Motiv der spricht von der Sühnplatte herab, er erweckt Propheten aus Antisemitismus sein soll! All' die großen Motive zu den! und in der Mitte des Volkes, und noch vom letzten der gegenwärtig herrschenden politischen Ansichten verschwinden Propheten heißt es: „Das Wort des Ewigen ward" ff. jenem Skribenten aus den Augen; die außergewöhnlich ge-! Eine unmittelbarere Einwirkung des Gottgeistes auf den wachsene Uebereinfiimmung des Volkes mit den jetzigen Anj Menschengeist wird somit aus jeder Seite der Schrift Vorsichten des leitenden Staatsmannes, der mächtige Interessen-! ausgesetzr und sogar auch thcorcsirt (4. Mos. 12, 6). Teskampf auf dem agrarischen, industriellen und allgemein : gleichen begründet das Judenthum die unmittelbare Einwirsocialen Gebiete ist seinen blöden Augen nicht sichtbar; er^kung Gottes aus die Menschen durch die göttliche Vorsehung, bemerkt nur den einen schwarzen Punkt, eine antisemitische! die Weltordnung, in welcher Gott die Geschicke der Völker Tendenz. Auch die Socialdemokraten rechnet er hinzu, ob-, und der Menschen leitet, ohne die Willensfreiheit, die freie schon diese unter ihren 24 Vertretern drei Juden in den! Wahl des Menschen zwischen Gutem und Bösem, zwischen Reichstag gesandt! Auch daß Berlin zwei Juden, und zwar! „Leben und Tod", und damit auch die Verantwortlichkeit im ersten Wahlgang, gewählt und alle antisemitischen Candi-; des Menschen für sein sittliches Thun und Lasten zu entziehen daten durchfallen ließ, erklärt er für nichts bedeutend. Es! oder nur zu begrenzen. Diese göttliche Weltordnung bethätigt fehlt also dem Manne an Unverfrorenheit nicht. Doch kommen | sich folgerichtig in der Vergeltung, das ist in der Ausgleichung wir zur Hauptsache. Er beginnt: „Die ursprüngliche jüdische! des sittlichen Lebens, in der Gesammtheit wie im Einzelnen. Weltaufsaffung gipfelt darin, daß sie einen allmächtigen Gott! Dies ist die wahre Lehre des Judenthums, und wie man außer und über der Welt annimmt, dem gegenüber die ganze dieser eine so gehaltlose Lehre von einem „allmächtigen Gotte Welt ein machtloses Nichts ist. Seine Weltrcgierung ist daher außer und über der Welt, dem gegenüber die ganze Welt durchaus willkürlich, und er bestimmt sie nur freiwillig durch; ein machtloses Nichts ist" insinuireu kann, ist nur von völliger seine Gerechtigkeit; diese Gerechtigkeit ist aber durchaus menschlich! Unwissenheit denkbar. Auch ist cs durchaus unwahr, daß nach gedacht. Wie im Leben des Juden „Auge um Auge", „Zahn! jüdischer Auffassung Gott „außer und über der Welt" sei: um Zahn" als Grundsatz galt, so vergilt auch Gott aus! Er ist auch in der Welt, in allen Höhen und Tiefen derganz egoistischen Motiven, indem er Lohn und Strafe von selben, allgegenwärtig, eine Vorstellung, welcher ein Psalm des Menschen Verhalten zu ihm abhängig macht. Dadurch, den höchsten dichterischen Ausdruck giebt, und welche die daß Gott ganz außerhalb der Welt gedacht ist, ist jedes Talmudisten (Berachot 10, 1. vgl. Jerem. 23, 24.) durch unmittelbare Wirken Gottes in der Welt und somit auch einen Vergleich zwischen Gott, der die ganze Welt, und der jede innere Entwickelung auf den Menschen ausgeschlossen".. menschlichen Seele, welche den Körper ansfüllt und beherrscht. Alles dies ist grundfalsch, dabei unlogisch und voller Wider-! aussprechen. Wer einen vollkommenen Gott anerkennt, zu sprüche. Was doch alles gegenwärtig ein Mensch auf dem dessen Wesen die Allweishcit, die Allliebe und Allgerechtig- Boden der deutschen Wissenschaft zu behaupten wagt! Es feit gehören, kann das Wort des Verfassers „seine Weltrcgierung ist durchaus willkürlich und er bestimmt sie nur freiwillig durch seine Gerechtigkeit" nur als eine Gotteslästerung, eine Blasphemie ansehen, die wir dem Herrn Lehngicbt keine Religion, welche die Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen so prägnant und so entschieden ausspricht, und aus diesem Boden ihre ganze Lehre so consequcnt aufbaut, wie das Judenthum. Auf der ersten Seite der ^christ schon wird der Mensch «im Ebenbild Gottes, in der Aehnlichkeit Gotte Hardt überlassen. Was den Grundsatz „Auge um Auge" „Zahn um Zahn" betrifft, so befindet er sich als ins talionis geschaffen und unmittelbar von „seinem auch in den Zwölftaseln der Römer. Herr Lehnhardt weiß 28*