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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-07-07 · Heft 28 (7.7.1885) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 28 (7.7.1885)
Date
1885-07-07
Page
Seite 442 (sequence 2)
Language
German
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442 gien und Vorrechte, und alle Minoritäten im Staate fühlen! geben, und dazu empfiehlt er den Christen wie den Juden — sehr wohl, daß durch eine solche Verletzung der Gleichberech-1 Geduld. Wir sind es allerdings von den Philosophen gctigung auch sie gefährdet und alle Verhältniffe ins Schwanken I wohnt, daß sie alle Ideen und Gefühle auf besondere Flaschen gerathen würden. Was man heute gegen eine große Clafle! ziehen, und diese mit Etiquetten versehen, indem sie zugleich der Bevölkerung zu thun wagt, wird mit der Zeit gegen! die Essenz jedes ihrer Fläschchen für unvereinbar mit der der andere nicht ausbleiben, sobald sie der herrschenden Classe! anderen erklären. Aber das Menschenherz und das Menschenunliebsam werden. Es erfolgte deshalb, daß selbst von den | leben strafen sie Lügen. Im Menschenherzen finden recht entschiedensten Antisemiten in keinem einzigen europäischen j viele Gefühle neben einander Raum, und gewähren einander Parlamente ein Antrag auf beschränkende Ausnahmegesetze Nahrung. Nur ein engherziger Geist beschränkt sich auf gegen die Juden eingebracht wurde, selbstverständlich, weil> ein Gefühl und klammert sich daran als seinen einzigen man sich von vornherein nur Erfolglosigkeit und Fiasko verj Anker. Das „Stammesgefühl" ist in dem Juden durchaus sprechen konnte. Das war der Bankerutt des praktischen! nicht mehr vorherrschend; ihre Zusammengehörigkeit beschränkt Antisemitismus. Hatte doch selbst der Aufruf: „kauft bei! sich auf ihre religiöse Ueberzcugung und wird nur durch die keinem Juden! brecht jede Verbindung mit Juden ab!" so harten Angriffe auf die Gesammtheit der Juden wieder gegut wie gar keine Wirkung. Diejenigen Intelligenzen, welche! weckt. Wirst man etwa den Katholiken, den Protestanten dem Antisemitismus mit höheren Gründen zu Hülfe kommen! und ihren Sekten einen Mangel an deutschem Nationalgefühl wollten, fanden sich schließlich, wie Treitschke, Dühring. Hart-! vor, wenn sie für ihren Katholizismus, Protestantismus oder ihre mann, auf das nationale Moment beschränkt. Sie behaupteten: | scktircrischc Tendenz ein lebhaftes Gefühl haben? Sind es nicht Die Juden seien Semiten, ein fremdes Bolkselement, ungegerade die orthodoxen Protestanten, welche ihre Orthodoxie, eignet, sich mit den Germanen zu amalgamiren. Das war j die Nltramontanen, welche ihre Anhänglichkeit an die römische Wasser auf viele Mühlen. Aber eben nur Wasser. Diese Semiten waren diesem Racenursprung seit so langen Zeiträumen entfremdet; sie waren durch die chaldäische, syrische, griechische, römische und arabische Cultur hindurchgegangen, und halten sich diesen in Geist und Wesen auf's Engste angeschlossen, so daß sie selbst eine chaldäische, griechische und Curie über alles setzen? Warum will man nun die Bekenner des Judenthums, wenn sie für diese ihre religiöse Ueberzeugung lebhaft empfinden, beschuldigen, daß sie damit ihr deutsches Nationalgefühl beeinträchtigen? Wenn die Katholiken und Protestanten für ihre wohlthätigen Anstalten wirksam sind und Opfer bringen, warum sollten dies die Juden arabische Literatur begründeten, letztere sogar lange Zeit vor für ihre Hilfsbedürftigen nicht thun, die sonst ganz ohne Mahomed; sie waren früher in den europäischen Ländern an-! Unterstützung und Beistand bleiben würden? Dies alles ist sässig als deren jetzige Völkerstämme; sie haben in diesen ihr! demnach nichts als Dunst und Sophismen, ohne wirklichen Vaterland seit fast zwei Jahrtausenden und theilten das Ge- Boden, ohne Wahrhaftigkeit. — schick der Völker auf's Unmittelbarste; die deutschen Juden In dem Gefühle, daß der Antisemitismus auch den haben nicht allein die deutsche Muttersprache, ihre Fugend intellektuellen Boden unter den Füßen verliert, versuchten die besucht die deutschen Lehranstalten in all' deren Stufen, wird! „Preußischen Jahrbücher", die jetzt Herr v. Treitschke redida von Kindheit an vom deutschen Geiste erzogen und erfüllt,! girt, einen letzten Ansturm. Ein gewisser Erich Lehnhardt lebt in der deutschen Literatur, Wissenschaft und Kunst seit! unternimmt im Junihestc dieser Zeitschrift unter dem Titel einem Jahrhundert; diese deutschen Juden haben sich der! „Judenthum und Antisemitismus" einen höheren Ausflug: er deutschen Sitte, abgesehen von ihrer religiösen Anschauung,! will Nachweisen, daß die Religionslchrcn des Jndenthums immer mehr angeschlossen, erfüllen nicht allein ihre bürgerj selbst den Inden völlig unfähig und zu dem mangelhaftesten lichen Pflichten in vollem Umfange, bringen in Zeiten der Menschen der Welt machen. Es ist nicht mehr der Scmitis- Noth Blut und Gut zum Opfer, sondern sind auch begeistert mus, nicht mehr die fremde Nationalität, sondern die Relisür das nationale Reich und den Aufschwung der deutschen gion in ihren höchsten Lehren und Principien. Solche Flucht Nation. Man stellte deshalb an diese Herren die Frage: , in das Abstrakte und Metaphysische ist stets die letzte Zuflucht was fordert Ihr denn eigentlich von den Juden in nationaler des deutschen gelehrten Streites. Wir bedauern nur, daß Bestehung? was sollen sic denn thun? Auch hier bekundet! wir das Prädicat „gelehrt" dem Herrn Lchnhardt auch nicht sich der Bankerutt des Antisemitismus, denn eine reelle Antim entferntesten zuschreiben können. Wenigstens verräth er wort wußten sie nicht zu geben. Hartmann schreibt zwar! in seinem Aufsatze auch nicht die geringste Spur wirklicher eine ziemlich dicke Schrift darüber; aber das Resultat seiner! Gelehrsamkeit. Auch hier nichts als Behauptungen, ohne Weisheit besteht nur darin: die Juden hätten ein sehr leb-! irgend einen Versuch eines Beweises, salsche Insinuationen, Haftes Stammesgefühl, dadurch schädigten sie ihr deutsches Nationalgefühl, sie müßten deshalb ihr Stammesgefühl aufohnc auch nur ein Citat aus dem älteren oder jüngeren jüdischen Schriftthnm. Er beginnt mit dem Zugestandmß,

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