Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1885)
- Date
- 1885-06-30
- Page
- Seite 437 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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In Hütten und Palästen Erlöschen Heerd und Licht, Nur dort im kleinen Hause Des Judenviertels nicht. Der atte Rabbi fitzet Bei düfterm Lampenschein; In heil'ge Folianten Sieht brütend er hinein. Des Lebens Räthsel gleiten Bor seiner Seele hin Wie bunte Traumgestalten. Die kommen und entfliehn. Jehovah hat ihm gnädig Aus wcchselvoller Bahn Die Helle Silberquelle Der Weisheit aufgethan. Beglückt mit Erdengütern, Beschützt in Leid und Noth. Blieb er mit Wunderhänden Behütet vor dem Tod. Geschlechter sind gegangen. Dahin wie Spreu im Wind, Der Sohn ist ihm gestorben Und auch das Kindeskind; Nur er, der große Meister, War immerdar gefeit Und ward berühmt ob Alter Und großer Heiligkeit. Da war's an einem Abend, Als drohend vor ihm stand Der Tod mit seiner Sichel — Die war ihm wohlbekannt — „Einst warst Du mein Gebieter, Jetzt bist Du schwacher Knecht, So iolge mi>. von hinnen. Wie es Gesetz und Recht!" Mit gottgewcihten Zeichen Und manchem hehren Wort Trieb sieggewiß der Fromme Den Tod vom Hause fort. Und wenn er wiederkehrte. Bei Tag und in der Nacht, Ward er vom alten Rabbi Mit gleichem Gruß bedacht. 4-7 Der Jahre sanken viele In ihre Gruft hinein, Da kommt zu ihm ein Mädchen Bei düstern Lampenschein Es glüht, ihn zu umarmen. Der Weise aber spricht: „Was soll der Lenz dem Winter? Fürwahr! Dich frei' ich nicht!" Das Bild zerrinnt wie Nebel. -- Doch eine Rose stand Am andern Tag im Glase, Die steckt er an's Gewand. Da gehen ihm die Dornen Jn's Herz, so blutigroth: Das Mädchen war die Rose, Und diese war — der Tod. Vermischtes Die Judenstadt fällt - die Synagoge besteht. Man schreibt aus Frankfurt am Main vom 19. Juni: An der Nordseite der Gaffe ist in den letzten Wochen das alte israelitische Cafohaus neben der großen Synagoge — früher hieß es Cafe Sichel, zuletzt Cafv Start — vollkommen niedergelegt worden. Welche Werthe mögen in den alten verräucherten Raumen während der langen Zeit des Bestandes dieses Cafes, in welchem ein Theil der israelitischen Handelswelt, namentlich in früherer Zeit, verkehrte, umgesetzt worden sein! Bier Tragsteine, welche sich über den Eingängen des Cafö's befanden, und andere interessante Gegenstände wurden in das historische Museum gebracht. Die ganze Seitenfront der Synagoge ist jetzt durch die Niedcrlegung des Caf«'s sichtbar. Die schon früher vorhandene Ab sicht, die ganze Synagoge frei zu legen, war an den über mäßigen Forderungen der Anlieger gescheitert. Wie verlautet, sollen jetzt wieder Verhandlungen mit verschiedenen Anliegern an der Rückseite wegen Ankaufs ihrer Häuser seitens der israelitischen Gemeinde stattfinden. Die rechts und links vom Rothschild'schen Stammhaus befindlichen Häuser, welche diesem zur Stütze dienen, werden erst jetzt abgebrochen. Die beiden Seiten des Hauses sollen künftig durch besondere Brandmauern abgeschloffen sein, und deren Bauwerk ist jetzt so weit gediehen, daß mit dem Abbruch der daneben befindlichen Häuser begonnen werden konnte. DasRothschild'sche Stammhaus wird künftig allein noch den Typus der Häuser der ehemaligen Judengaffe repräsentiren. Von dieser wird aber auch der Name schwinden, da sie künftig ebenso wie die Bornheimer