Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1885)
- Date
- 1885-06-30
- Page
- Seite 435 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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435 nahmen, dem „Petersb. Herold" zufolge, auch die jüdischen Aussteller einen ehrenvollen Platz ein, welche durch ihre Leistungen die Aufmerksamkeit der Kaiserlichen Majestäten, der Großfürsten und größten Würdenträger wie des Publikums auf sich lenkten; mehrere Juden waren so glücklich, von den Majestäten mit gnädigen Worten bedacht zu werden und höchstdenselben ihre Leistungen als Geschenk präsentiren zu dürfen. Es war nämlich nach dem „Nowosti" eine sehr sinnreiche und kunstvolle Uhr von Herrn Leiserowsky ausgestellt, die von ebenso ungewöhnlicher Erfindungsgabe und Combinationskraft als von eisernem Fleiß zeugte; eine geschmackvolle Kinderspielwaaren-Ausstellung von Schackewitsch; eine appetitliche Kiste Confecte von dem Conditor Holland, welche auf Wunsch Ihrer Majestät als Geschenk überreicht wurde; auch der Kunstdrechsler, Herr Leibmann, überreichte an Ihre Majestät die Kaiserin seinen ausgestellten geschmackvoll ausgearbeiteten Sonnenschirm u. s. w. — Trotz dieser vielen Begünstigungen haben die „Sachverständigen" der Ausstellung den jüdischen Ausstellern keine größere Auszeichnung als die filberne resp. broncene Medaille oder ehrenvolle Erwähnung zuerkannt. Im Ganzen erhielten 12 Juden solche Auszeichnungen. — Nach einer jüngsten Verfügung des Senats sollen nur solche „ausländische Handwerker", die sich in Rußland niederlasien wollen, in ruffische Zünfte ausgenommen werden, wenn sie bescheinigen können, daß sie und ihre ganze Familie zu irgend einer „christlichen Confeffion" gehören, wodurch von diesem Rechte „ausländische Juden" ganz ausgeschloffen sind. — Wie die „Sarja" aus Kijew •v.jtf» n“" :n) meldet, sind wieder strenge polnisch-russischen Glaubensgenossen, die in verschiedenen T.uarten tagtäglich gelesen werden, nicht eher ihre Heimath zu verlassen und nach Amerika u. s. m. zu übersiedeln, bis sie mit allem Röthigen versehen sind und sichere Auskunft haben, in ihrer neuen Heimath eine feste Existenz sich zu gründen, widrigenfalls sie ernsten Enttäuschungen und Gefahren entgegen geben, trotz dieser Warnungen nimmt die Emigration fast mit jedem Tage und besonders mit jedem Frühling immer größere Dimensionen an; von allen Enden des Reiches lausen täglich Nachrichten von Maffenauswauderuugen ein. — Die antisemitische Zeitung in lettischer Sprache „Pagalms" in Mitau, hat jetzt zu erscheinen ausgehört. — Für die „(Solo* nisationsbestrebung in Palästina" sind im russischen Reiche 51 Vereine „Chawe-Zijon" (Zijonsfreunde) konstituirt worden, welche eine Mitgliederzahl von ca. 100<>0 repräsentiren mit Jahresbeiträgen von ca. 4O0u0 Rubel. Selbstverständlich schweigen über dieses so schwärmerische Unternehmen unsere russischen Antisemiten nicht. — Nach einer Verfügung des Gouverneurs von Podolien soll jedes Gebethaus einen Vorstand haben, um Unordnungen zu verhüten. — Der gelehrte Kronrabbiner in Cherffon — wie man mir per Bri c °- mittheilt — hat für die Studenten einen besonderen Gottesdienst eingerichtet, der jeden Sabbathnachmittag stattfinde soll. Moses Feinkind. Marokko. Fez, im Mai. Der Maibericht der Alliance Israelit universelle enthält folgende Mittheilnng: Augenblicklich herrscht große Unruhe im Mellah (Judenviertcl) zu Fez. Vierhundert Maßregeln von Seiten der schon längst bekannten „humanen" , jüdische Familien sind obdachlos. Die Wohnungen sind in Polizei gegen die ansässigen Juden in Angriff genommen geringer Anzahl und die Miethen sehr hohe. Diese Familien, und unsere Glaubensgenossen werden mit großer Härte aus! nicht im Stande waren, ihre Miethe zu bezahlen, sind gewissen Stadttheilen ausgewiesen. — i aus ihren Wohnungen vertrieben tvorden und campiren jetzt Mittheilungen gemäß wird in manchen Orten Kurlands j unjer freiem Himmel. Man glaubt, daß Sr. Majestät einen das Austreibungsdecret des dortigen Domänenhoses resp. die I neuen Mellah erbauen lassen wird. Ausführung desselben in energischer Weise ohne jegliche I Die Unsicherheit, namentlich für die Israeliten, ist in Unterbrechung fortgesetzt. Die Entscheidung dieser Angelegenheit der höheren Instanz der Curländischen Landesregierung, dem marokkanischen Staate noch immer eine sehr große. Am 1r>. März wurden in der Nähe von Marokko zwei Juden daß in den sogenannten „temporären Maigesetzen" kein Grund > umgebracht, die sich freilich des Leichtsinns schuldig gemacht, vorliege, die von früher auf dem flachen Lande wohnenden j 30 000 Frcs. baar bei sich zu tragen. Wahrscheinlich haben Juden aus ihren Besitzungen auszuweiscn - wie wir in Nr.; Berittene, die sie zu ihrem Schutze bei sich hatten, bete 24 miltheilten — wurde dem Senat zum Votum vorgelegt, begangen. Wie gewöhnlich kümmern sich die marok- — Wir entnehmen aus Helsingsors folgende Nachricht. Ter 1 fanischen Behörden nicht oas Geringste um das Verbrechen, Landtag ist geschlossen und ein einstimmiger Beschluß über i bic Verdächtigen werden in keiner Weise belästig!, die gesetzliche Stellung der Juden in Finnland wurde nicht; erzielt; und infolge dessen bleibt zunächst der bisherige Zu- Tunesien, stand unverändert. Jetzt heißt es: Die finnischen Juden können im Augenblicke wohl im Lande bleiben. — Ungeachtet Tunis, im Juni. Wenn die Gegner der Juden zu einem der noch so ernsten und wohlgemeinten Warnungen von ihrer gewöhnlichsten Argumente, die Solidarität, die Zuamerikanischen und englischen Correspondenten gegen unsere sammengehörigkcit und Einheit der Juden machen, so wider- 27*