Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-06-30 · Heft 27 (30.6.1885) · p. Seite 433

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 27 (30.6.1885)
Date
1885-06-30
Page
Seite 433 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227583--42740-3311320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

433 Hamburg, 16. Juni. (Privatmitth.) Man schreibt uns I ertheilt. Die Sache ist also noch nicht zu Ende, Fortsetzung von hier. Laß sich daselbst ein Verein , gebildet j und Schluß dürften noch interessanter werden, als es der habe. Wir übergehen die Sätze, aus welchen der Verein! Anfang war. — Inzwischen hat der Stöcker-Proceß bereits seine Existenzberechtigung ziehen will, weil sie uns noch sehr I seine Folgen im Gerichtssaale gehabt. Von einem Berliner unklar erscheinen und unseren Ansichten theilweise sehr wider- > Schwurgericht wurde eine meineidige Ehebrecherin wegen sprechen. Die Zwecke und Mittel des Vereins sind in folgen-1 fahrlässigen Meineides nur zu drei Monaten Gefängniß verdem Programm ausgesprochen:!urtheilt, nachdem der Bertheidiger darauf hingewiesen, daß „1) Vorträge, resp. Vorlesungen, sowie sich daran anschlie-lder Staatsanwalt im Stöcker-Proceß einem hochgebildeten ßende Debatten, Manne gegenüber gesagt, er wolle den Richter sehen, der 2) Verbreitung dahinzielender Schriften, ,den Zeugen wegen der eidlichen Unwahrheit verurtheilen 3) Anschaffung einer den Tendenzen des Vereins entj werde.' sprechenden Bibliothek, Oesterreich-Ungarn. 4) Förderung der hebräischen Sprache (Anschaffung neuhebräischer Werke und Zeitschriften), 5) Unterstützung der Colonisation Palästinas, Wien, 17. Juni. (Privatmitth.) Wir wollen hier ein 6) Zusammenwirken mit Vereinen, die gleiche Tendenz Ereigniß des Tages nicht mit Stillschweigen übergehen, welches verfolgen." i in gewissen Beziehungen recht bezeichnend ist: Rumänien hat Zum Vorsitzenden ist provisorisch ein Herr F. Wolfs j Oesterreich den Handelsvertrag gekündigt. Man wird sich gewählt. | erinnern, daß dieser Handelsvertrag der erste war, der mit Posen, 16. Juni. Ueber die Behandlung „russischer! dem neuen Staate Rumänien ohne alle Berücksichtigung seines Ueberläufer" berichtet die „Pos. Ztg.": Verhaftet wurdedamaligen Suzerains, des Sultans, abgeschlossen wurde, gestern Abend ein israelitischer Mann aus Russisch - Polen,! aber auch mir der ausdrücklichen Bestimmung, daß die darin welcher nebst Frau und Tochter hier eingetroffen war, und > den österreichischen Unterthanen zugcstandeuen Rechte in Ruzwar eine Legitimation, aber keinen Reisepaß hatte, und sich mäuien nur dem christlicher Confession zukommen sollten, im Besitze von nur ca. 5 Mk. befand. Da er angab, er wolle > Diese Verletzung des österreichischen Staatsgrundgesetzes vervon hier nach Grätz fahren, dort die Hilfe von Anverwandten! langten die Rumänen als oouäitio sine qua non, und der beanspruchen und sammt Familie alsdann nach Holland ausj Großstaat O esterreich - Ungarn war klein genug, dem kleinen roandern, so wurde er nicht nach Russisch-Polen zurückgewiesen vielmehr mit Frau und Tochter auf den Bahnhof gebracht, wo für die drei Personen von ihrer Baarschaft Billets nach Grätz gekauft wurden. Auch sind dieselben bedeutet worden, alsdann baldigst die preußischen Lande zu verlassen. Rordhausen, 21. Juni. In Ihrer gestrigen Nummer sagt die „Nordhäuser Ztg.", da sie von dem Tode des Feldmarschalls v. Manteuffel spricht, unter Anderem Folgendes: „Ihm ist es ferner zuzuschreiben, daß „Zeuge Stöcker", den er in Metz kennen lernte, aus kleinen geistlichen Anfängen rasch in die Höhe kam. Wenn Stöcker ein Gefühl für Würde und Schicklichkeit hätte, so hatte er sich jetzt in das für ihn wohlthätige Dunkel der Verborgenheit zurückgezoger. Er will es nicht. Er erklärt, daß er seine „große Sache" bis zum letzten Ovemzuge verfechten werde. Und die Conservativen erklären ihre Sache mit der Stöcker's für identisch. „Kreuz Ztg." wie „Reichsbote" treten mit Eifer für den Hvfprediger ein, der nach Gerichtsspruch „leichtfertig mit der Wahrheit umgegangen ist" und der einen falschen Eid geschworen hat. und sowohl der Wahlverein der Conservativen des ersten und der Vorstand des Vereins „reichstreuer Wähler" des zweiten Berliner Wahlkreises haben Herrn Stöcker einstimmige Vertrauensvota Rumänen nachzugeben. Dem jüdischen Abgeordneten im Reichsrathe und im ungarischen Reichstage wurde es als eine patriotische Pflicht auferlegt, keinen Widerspruch zu erheben. Wenn Oesterreich-Ungarn hierdurch die übrigen Mächte ein Prävenire zu spielen hoffte, so gelang ihm dies insofern nicht, als jene diesem Beispiele folgten und sich dieselben Bortheile sicherten. Man greift gewiß nicht fehl, wenn man annimmt, daß dieser große, diplomatische Erfolg des kleinen, schlauen Rumäniens diesem später den Muth gegeben, den ausdrücklichen Bestimmungen des Berliner Congresses eine Nase zu drehen und die rumänischen Juden, statt mit allen bürgerlichen Rechten zu versehen, noch derjenigen wenigen Rechte zu berauben, die sie bis dahin besessen hatten. Jetzt ist nun dieser Handelsvertrag gekündigt. Ihn duldete der > gewaltige Zollkrieg nicht länger, der seitdem zwischen den europäischen Völkern ausgebrochen ist und dessen Ergebnisse und Ausgang noch nicht abzusehen sind. Fraglich ist nämlich, ob durch die hohen Zollschranken nicht die „nationale Arbeit" in ihrer Gesammtheit erschwert und geschädigt werden, wenn auch dieser oder jener Industriezweig augenblickliche Vortheile daraus zieht. Auch auf diesem Gebiete befindet sich unsere Zeit vor einem großen Problem, vor einem Widerstreite älterer und neuerer Ansichten, dessen Losung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.