Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1885)
- Date
- 1885-06-30
- Page
- Seite 431 (sequence 7)
- Language
- German
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4SI Einfall vom Herrn Staatsanwalt, unmittelbar unter dem j firdjli<$en Seljörben sich seiner durch Jgnorirung besten, was Eindruck, den die Verhandlung über den Stöcker'schen Eid! vor Gericht sich ereignet hat, schützend annehmen werden, in der Ewald'schen Sache bei dem Gericht wie bei den Zu-! Wir dürfen aber die Pflicht der Presie, die Bedeutung öffenthörern hervorgerufen hatte, zu versichern, es werde sich kein! licher Vorgänge festzustellen, nicht unerfüllt lasten. Es kann Staatsanwalt und kern Gericht sinden, das gegen den Herrn , ihr erfreulicherweise angesichts des gerichtlichen Urtheils sehr Stöcker wegen falschen Zeugniffes Vorgehen werde. Die; kurz genügt werden; das darin festgehaltene Bild, welches in Achtung vor der Unparteilichkeit der Rechtspflege und das der Gerichtsverhandlung von der politischen Methode des dringendste Jntereste für Herrn Stöcker selbst fordern dies j |)errit Stöcker entrollt worden, läßt keinerlei Zweifel über Borgehen gebieterisch, namentlich nachdem die Erkenntniß-! diese übrig. Auch dem Gewissenhaften kann ein einzelner gründe des Urtheils vorliegen."; Verstoß gegen die Wahrheit mit unterlaufen; das Charakte- Wir unsererseits glauben nicht, daß die Erwartungen ristische in der Thätigkeit des Herrn Stöcker sind die immer der „Köln. Ztg." in Erfüllung gehen. Gewisse Rücksichten wiederholten, die — man kann es nur so ausdrücken — und Zwecke sind noch zu mächtig. gewohnheitsmäßigen Abweichungen von der Wahrheit, die Eine andere Stimme ließ sich so vernehmen: „In seiner schließlich in der zum mindesten fahrlässigen, eidlichen Abam letzten Mittwoch gehaltenen Vorlesung über literarische! leugnung eines so prägnanten Erlebnisses, wie die Verhandlung und historische Kritik hat Professor Zeller u. A. folgende! mit dem socialdemokratischen Agitator Ewald, culminiren. Aeußerungen gethan, die lebhaft die Erinnerung an einen Auch an andere öffentlich thätige Männer drängt sich einmal in den letzten Tagen beendeten Prozeß wachrufen: „Ost liegen! eine compromittirende Persönlichkeit heran; das Charakteristische den Lügen Mißverständniste zu Grunde, in sehr vielen Fällen! an der Gesellschaft, in welcher Herr Stöcker vor Gericht er» aber auch bewußte Dichtung und reine Ersindung. Dieser be-! schien — eine Gesellschaft gleich der, mit welcher ihr Führer gegnen wir oft im täglichen Leben, namentlich wenn Jemand ein! sich schämte, „am Tage durch Coventry zu marschiren" — Jntereste hat, zu erfinden, wenn er etwa sich entschuldigen, > ist, daß alle Mitglieder derselben einander so vollkommen sich vor Gericht oder sonst herauslügen will, oder wenn er! würdig waren. „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich durch solche Erfindung einen Anderen betrügen oder für sich! werde dir sagen, wer du bist" — dieses Sprüchwort kam gewinnnn, zu irgend etwas bewegen will. Es giebt immer Menschen, die theils so wenig Disciplin in ihrem Denken besitzen, theils sich von ihrer Leidenschaft so Hinreißen einem nicht aus dem Sinne, wenn man die Verhandlungsberichte las. Und der Mann, welcher sich solcher Werkzeuge! regelmäßig bediente, mit der Wahrheit immer von Neuem lasten, daß sie sich nichts daraus machen, persönlichen oder! in solche Conflicte gerieth, wie sie vor dem Gerichtshof con- Parteigegnern alles mögliche Schlechte nachzusagen, und die, j statirt worden, dieser Mann wollte die aus dem öffentlichen wenn man ihre Lügen als Lügen nachweist, lächelnd ant-! Leben der Reichshauptstadt angeblich verschwundene Sittlichworten: „Ich habe es geglaubt — mir ist es erzählt — ich keit und Wahrhaftigkeit in dasselbe zurückführen! Das Verhabe mir die Sache so gedacht." Da stehen wir an der! halten des Präsidenten und des Staatsanwalts in der Ver- Grenze, wo man im einzelnen Falle schwer entscheiden kann, Handlung ist der Gegenstand so vielfacher Erörterung im inwieweit mit Bewußtsein oder ohne deutliches Bewußtsein! Publicum gewesen, daß wir auch darüber nicht schweigend gelogen wird. Gelogen ist es aber so wie so, und, moralisch j yinrveggehen können. Was die Leitung durch Herrn Landangesehen, macht es einen sehr kleinen Unterschied, ob Jei gerichtsdirektor Lüty betrifft, so wird kaum zu bestreiten sein, mand Anderen mit Willen etwas Falsches nachsagt oder zu! daß sie nicht so knapp, nicht so frei von subjectiver Färbung gewistenlos ist, um vor den Beschuldigungen sich zu erkun»!war, wie man dies sonst in unseren Gerichtssälen gewöhnt digen. Uebrigens dürsten solche Fälle in unserer Zeit im ist; man wird dies aber nur auf die Individualität des Großen und Ganzen eine Ausnahme bilden." — Die letztere Meinung können wir leiber! nicht theilen — wohl aber, daß in unserer Zeit die Drittel, die Lüge zu entlarven, zahlreicher und nachhaltiger geworden. Die stets sehr vorsichtige „Nat.-Ztg." schreibt: „Es ist nicht nach unserem Geschmack, auf eineil Gegner, der am Boden liegt, losznschlagen; und Herr Stöcker liegt, durch das erdrückende Gewicht seines eigenen Thuns, so schwer getroffen da, daß er sich aus eigener Kraft sicherlich nicht wieder erheben kann, vielmehr nun abzuwarten ist, ob etwa zur Signatur der Zeit die politischen Gesinnungsgenossen und die präsidirenden Richters, wie sie sich auch wohl in anderen Verhandlungen schon geltend gemacht hat, zurückzuführen haben; und da feine persönlichen Meinungsäußerungen während des Beweisverfahrens fast durchweg darauf gerichtet waren, dasselbe zum Schutze des Herrn Stöcker vor dem Hinansschweifen über die dem Präsidenten nothwendig erscheinenden Grenzen zu bewahren, so wird das nunmehr gefällte Urtheil dadurch nur um so mehr Gewicht erhalten: jeder Unterstellung, als ob Herrn. Stöcker irgendwie wäre zu nahe getreten worden, ist dadurch von vornherein der Boden entzogen." — —. Aber auch aus christlich-theologischen Kreisen lassen