Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 27 (30.6.1885)
- Date
- 1885-06-30
- Page
- Seite 427 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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427 vertrieben, und kann in jenen, also ins Paradies, niemals wieder zurückkehren. Die Entwickelung des Menschen hat begonnen, und wehrt ihm für immer die Rückkehr in den früheren Zustand. Da heißt es V. 24: „Gott lagerte an> der Morgenseite des Gartens Eden die Cherubim und biej Flamme des sich umwälzenden Schwertes, zu bewachen den! Weg zum Baume des Lebens. - ]) Die Bedeutung der Che-; rubim an dieser Stelle ist sehr klar: sie find die Wächter, welche den Menschen vom ewigen Leben auf Erden zurück-1 halten, abscheiden, die Abscheider des Menschlichen vom Gott-; lichen, des Veränderlichen vom Unveränderlichen, des Endlichen! vom Unendlichen. Dies ihre Bedeutung, aber von ihrem Wesen und ihrer Gestalt wird uns nichts berichtet, sodaß eine bestimmte Vorstellung von ihnen aus den obigen Worten nicht zu ziehen ist. Was unter der „Flamme des fich umwälzenden Schwertes" zu verstehen ist, bleibt ebenfalls im Dunkeln. Es ist eine symbolische Vorstellung, der Phantasie überlassen, ohne daß wir mehr darunter verliehen können als ein Mittel der Abwehr zur Hülfe der Cherubim, denen dieses Amt obliegt. Anders bei den Vorschriften über die Anbringung der Cherubim in dem mosaischen Heligthum (2. Mos. 25 ff.). Die Bundeslade, in welcher die beiden steinernen Tafeln mit den Zehnworten lagen, sollte mit einer aus massivem Golde verfertigten Platte bedeckt werden; aus den beiden Enden dieser Platte sollte an jeder Seite ein Cherub herausgearbeitet werden, um zu bezeugen, daß die Cherubim und die Platte ein untrennbares Ganzes ausmachen; diese Cherubim breiten die Flügel darüber hin, daß sie mit ihnen die Platte überdecken, ohne sie zu berühren; das Antlitz der beiden Cherubim sei zueinander und auf die Platte herabgewandt. Hieraus ergiebt fich nothwendig, daß jeder der Cherubim nur ein Gesicht gehabt, denn nur von einem kann gesagt werden. Beider Gesicht soll einander zugewendet und auch zur Platte hinabgeneigt sein. Am einfachsten ist auch nur an zwei Flügel eines jeden zu denken, was das bloße3*2:2 und die eine Richtung über die Platte hin andeutet. Alles Andere, was später über die Cherubim ausgesagt wird, hat im Schriftwort keine Begründung. Was die in den inneren Teppich und in den Vorhang zwischen dem Allerheiligsten und Heiligen eingewebten Cherubim betrifft, so müssen sie wohl jenen auf der Bundeslade völlig gleich gewesen sein, da das Schriftwort nichts darüber bemerkt. Um die Bedeutung dieser Cherubim richttg zu fassen — und darin ist immer gefehlt worden — müssen wir von allen späteren Darstellungen ab- 1) Einige Erklärer wollten nx* durch „mit" übertragen, so daß also dre Cherubim dieses flammende Schwert getragen. Diesem widerspricht das ', der Ausdruck „die Flamme des sich umwälzenden Schwertes", die also ganz selbstständig erscheint, und daß die Cherubim nirgends als Schwertträger dargestellt werden. sehen und uns streng an das Schriftwort halten. Wir werden sehen, daß die späteren Beschreibungen selbst dies durchaus fordern. Die Bedeutung der Lade giebt sich von selbst: sie war der Behälter für das Zeugniß (r.'-y) der bereits gegebenen Offenbarung, und geschloffen, weil die gegebene Ofieilbarung als unveränderlich und abgeschlossen bezeichnet werden sollte. Die Hauptbedeutung der Platte (rr.£r, Sühnplatte) war, daß alle zukünftige Ossenbarung von da aus, wie die vergangene vom Sinai, geschehen soll (B.22), weßhalb sie auch der Ort der Zusammenkunft Gottes mit Moses genannt wird (30, 6). Bgl. 3. Mos. 16, 2, 4. Mos. 7, 89. Somit ist die Lade in Verbindung mit der Platte der Träger und Repräsentant, der Focus der ganzen; Ossenbarung Gottes an Israel, wie diese theils in ewigen l Fundamentalgesetzen bereits abgeschlossen ist, theils zu weiterer; Ausführung immerfort sich gestalten werde. Hier ist nun! wohl zu bemerken, daß da, wo von der zukünftigen, auf der Platte und von ihr aus stattfindenden Ossenbarung die Rede ist, immer gesagt wird, daß Gott reden werde von der Platte herab, von „zwischen den beiden Cherubim her" (*'2 "33 s-zrer: 2. Mos. 25, 22, 4. Mos. 7, 89). Es ist also der Gedanke, daß die göttliche Offenbarung theils gegeben sei, * theils noch zukünftig stattfinden werde. Es ist dies eine unmittelbare Verbindung der Gottheit mit dem Menschen. Aber diese muß eine gewisie Abgrenzung haben; sie soll nicht die ganze vollkommene Göttlichkeit dem Menschen bringen, nicht die göttliche Wahrheit in ihrer Unermeßlichkeit und Unbegrenztheit, sondern nur zu menschlicher Erkenntniß und menschlicher Heiligung. Darum, wie die Platte die gegebene Offenbarung abschließt, so treten die Cherubim um die zukünftige Offenbarung herum, bezeichnen ihre Abgrenzung, sind Abscheider und Wächter des Göttlichen, daß der Mensch auch im Besitz jener Mensch bleibt, daß auch in der Offenbarung die Göttlichkeit nur begrenzt zum Menschen tritt. Darum tönt die Stimme nur von „zwischen den beiden Cherubim her", durch diese begrenzt und abgeschlossen, darum breiten sie ihre Flügel in der Höhe über die Platte hin und neigen ihr Antlitz ihr zu. eine Begrenzung von oben; darum! erscheinen sie aus dem Teppich und dem Vorhang des Allcr- 1 heiligsten, um so das Heilige wiederum im Allgemeinen abj zugrenzen. Dies ist die Bedeutung der mosaischen Cherubim,! bei denen an ein „Thronen Gottes ans den Cherubim" gar! nicht gedacht werden kann. Wir sehen hieraus aber auch, i daß hier die Cherubim in keiner Weise mit der Gottheit ^selbst in irgend welche Verbindung gebracht sind; sie stehen j nur im Connex mit der göttlichen Ossenbarung, indem sie die Begrenzung derselben für den Menschen symbolisiren, und jeden geistlichen und prophetischen Hochmuth, sich mit der vollen und ganzen Wahrheit zu identifieiren, zurückweisen. Jedermann muß erkennen, daß hierdurch diese symbolische 27*