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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-06-23 · Heft 26 (23.6.1885) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 26 (23.6.1885)
Date
1885-06-23
Page
Seite 421 (sequence 13)
Language
German
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421 und wohlthätiger Wirksamkeit gelangen kann und wird. Es war ein mühevolles Werk; aber es hatten sich thalkräftige Männer gefunden, welche unermüdlich dasselbe vollbrachten. Bonn, 14. Juni. (Notizen.) Aus Köln erhalten wir die Trauerkunde von dem Hinscheiden des Herrn Wilhelm Hertz, der in treuester Anhänglichkeit an seinen väterlichen Glauben eine vielseitig gemeinnützige Thatkraft bewährt hat. Seit 1879 war er auch Mitglied des Curatoriums der Marx- Heindorffschen Stiftung und bewährte als solches sein Jntereffe für diese Anstalt. — Man schreibt uns aus München vom 7. Juni: Eine Zierde unserer Gemeinde, eine Zierde des Judenthums ist am 4. d. M. aus dem Leben geschieden: der Numismatiker Abraham Merzbacher, ein Mann, der mit streng conservativer Gesinnung, Milde und Toleranz, mit inniger Frömmigkeit, weltmännische Gewandtheit und jene herzgewinnende Freundlichkeit verband, die ihm die Liebe und Verehrung aller Parteien gewann. Reich mit Glücksgütern gesegnet, theilte er, seit er vor ungefähr 10 Jahren sich aus dem Geschäfte zurückgezogen, seine ganze Zeit zwischen dem Studium im Gotteswort und der Beschäftigung mit gemeinnützigen Angelegenheiten und mildthütigen Werken. Seit zwanzig Jahren war er ein hervorragendes Mitglied der Gemeindeverwaltung, er war Mitglied des Centralcomitös der Alliance israelite universelle, Vorstand des Holz und des Aussteuervereins, Kassirer des Studien- und Arbeitsbeförderungsvereins. Unermüdlich, geräuschlos, segensreich wirkte er in allen diesen Ehrenämtern. Ganz besonders aber sicherte er sich den Dank der ganzen Gemeinde durch seine seit Jahrzehnten unausgesetzt geübte Thätigkeit als Mohel. Bis an fein Lebensende (er erreichte ein Alter von 73 Jahren) scheute er kein Opfer, keine Mühe, schreckte er auch vor weiten Reisen nicht zurück, wenn es galt, dieser Mizwa zu genügen. Die heilige Literatur war ihm ans Herz gewachsen, die Förderung derselben ließ er sich über Alles angelegen sein, und so wäre z. B. das Erscheinen des bekannten vielbändigen Werkes Dikduke Soferim von Rabinowicz ohne seine große Liberalität gar nicht möglich geworden. Ein bleibendes Zeugniß für feinen idealen Sinn und seine Werthschätzung gelehrter Arbeit ist die von ihm hinterlasiene hebräische Bibliothek, die wohl mit zu den größten und werthvollsten hebräischen Büchersammlungen der Gegenwart gehört. Seine Beerdigung fand unter überaus zahlreicher Betheiligung am 5. d. M. statt. Die weiten Räume der Leichenhalle vermochten die Menge der Trauernden, unter denen sich auch zahlreiche Christen, Universitätsprofessoren und Beamte befanden, nicht zu fasten. Die ergreifende Grabrede des Rabbiners Dr. Perles lieh den Gefühlen der Versammlung den beredtesten Ausdrucks und der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Herrmann Müller, reihte hieran Worte des Dankes und der Verehrung. — Wir machen unsere Leser lauf einen unter den Anzeigen besindlichen Aufruf seitens > des Vereins zur Beschränkung des Wanderbettelns in Frankfurt a. M. aufmerksam. Auch wir wünschen diesem Vorhaben einen gedeihlichen Fortgang und hoffen, daß die ähnlichen Vereine und recht viele Gemeindevorstände sich an der beabsichtigten Versammlung betheiligen werden. — Man schreibt uns aus Seesen: Mit aufrichtigem Bedauern theile ich Ihnen mit, daß der Director der Jakvbson-Schule zu Seesen, Dr. Arnheim, aus Gesundheitsrücksichten mir dem 1. Oktober er. sein Amt niederlegt. Derselbe kann mit Genugthuung auf langjährige segensreiche Wirksamkeit zurückblicken; unter seiner Leitung hat die Jakobson-Schule zu hoher Blüthe sich emporgehoben. Ganz erfüllt von der Heiligkeit seines Berufes, hatte er auch für gewistenhafte Lehrer und für seine Schüler stets ein warmes Herz. — I e u i t Philippe Edouard. (Nach dem Arch. isr. Sonntag, den 31. Mai, fand in dem großen Amphitheater der Sorbonne die Generalversammlung der Gesellschaft der Retter aus dem Seinedepartement statt. Der Präsident stellte seinen Collegen den neuen Generalsecretair, unseren Glaubensgenossen Herrn Philippe Edouard vor. Man wird die hauptsächlichsten Stellen seiner Ansprache mit Interesse lesen, welche sowohl den ehrt, den sie bespricht, wie auch unseren Eultus: Philippe Edouard ist Pariser, aber seine ganze Familie leton. hängt am Elsaß und an Lothringen, er ist der Sohn eines Metzer. Wenn Philippe nicht eine gute Nummer gezogen hätte, so wäre er doch vom Militärdienst freigesprochen worden, da er bei Weitem nicht die erforderliche Größe besitzt. Der Krieg von 1870 bricht aus. Welch' schöne Gelegenheit bietet sich ihm, seinem Vaterlande zu dienen. Er equippirt sich auf seine Kosten, reist ab und tritt in die bretonnische Legion ein. Auch da ist er noch der Kleinste seiner Legion. Msgr. von Saint-Marc, Erzbischof von Rennes, vertraut ihm die Fahne, und indem er ihm den Bruderkuß giebt, sagt er zu ihm: Entweder fallen Sie oder bringen Sie sie mir zurück. - Im October 1870 ist Philippe in

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