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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-06-23 · Heft 26 (23.6.1885) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 26 (23.6.1885)
Date
1885-06-23
Page
Seite 418 (sequence 10)
Language
German
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418 24. v. Monats zu Saarbrücken eine nene Lehrerversammlung behufs Constituirung des Vereins und Berathung der früher entworfenen Statuten abgehalten, welche denn auch zu dem gewünschten Ziele führte. Eine größere Anzahl Lehrer aus den genannten Landestheilen ist dem Vereine bereits beigetreten. Den zeitigen Vorstand bilden die Lehrer Eppstein- Hoppstättcn, Nußbaum-Trier, Scheuer-Saarwellingen. „Der Zweck des Vereins ist die Hebung des israel. Lehrerstandes in materieller und geistiger Beziehung sowie Förderung des israel. Schulwesens. Einflusses dieser Partei möglichst viele Stimmen zuzusühren. Die Sache hatte in Geschäftskreisen viel von sich reden gemacht und wohl nirgends besonderen Anklang gefunden, denn ein Director gehört in seine Fabrik und nicht in den Agitationsfiaker. Vorgestern war es nun, daß zwei Vertreter des Verwaltungsrathes dieser Maschinenfabrik bei dem Repräsentanten einer Eisenbahn vorsprachen, welche im Begriffe ist, eine größere Bestellung von Fahrbetriebsmitteln zu vergeben. Letzterer beantwortete das Ansuchen der Maschinenfabrik mit den Worten: Meine Herren! Bei den zahlreichen antisemi- Mancher Lehrer, welcher Mitglied eines oder mehrerer j tischen Berufsgeschäften Ihres Herrn Direktors fürchte ich, der bereits bestehenden nnd so verdienstlich wirkenden Vereine daß derselbe der exakten Ausführung unserer Bestellung nicht ist, wird hier die alte Klage über „Zersplitterung der Kräfte" > die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken in der Lage sein erheben. Demgegenüber muß erklärt werden, daß der hier genannte „materielle Zweck" nicht, wie bei den anderen Vereinen, die Fürsorge für hilfsbedürftige Lehrer oder deren Hinterbliebene bedeuten soll. Erster und Hauptzweck des Vereins ist die Befferung der so traurigen Anstellüngsverhältnisfe namentlich der Lehrer des Regierungsbezirks Trier, wird, und ziehe es daher vor, Ihre Gesellschaft zur Conkurrenz um die Lieferung nicht einzuladen. Wien, 0. Juni. (Privatmitth.) Es trat also in Wien dieselbe Erscheinung ein wie in Berlin und Ungarn. Die Antisemiten benutzten die Wahlen, um die Bolksleidenschaft gegen die Juden zu entzünden und dadurch in den Reichsein Punkt, über den wir seiner Zeit eingehender berichten tag gewählt zu werden. Der Erfolg war derselbe, nämlich werden. Da es den Lehrern hiesiger Gegend aus verschiedenen Gründen unmöglich ist, der Rheinisch-Westfälischen Lehrer- Eonferenz beizuwohnen, so erscheint die Bereinigung derselben zum Zwecke „geistiger Förderung" gewiß ebenfalls gerechtfertigt. Oesterrelch-Ungarn. daß diese Vorgänge erwiesen, wie doch nur ein geringer Bruchtheil gewisser Schichten des Volkes diesen Hetzereien zugänglich ist, namentlich der Theil kleiner Gewerbtreibenden, welcher im Kampfe um das Dasein nach Jemandem sucht, den er für seine Nöthen verantwortlich machen könnte, da es ihm nicht zusagt, die Ursachen in sich selbst, in seinem Ungeschick, seiner Trägheit und Genußsucht zu finden. Bei Wien, 6. Juni. In einer Beschwerde des vom St.-Pölsolchen Leuten bringen Schlagwörter und Schmähungen auf tener Preisgerichte zu unbedeutender Geldstrafe verurtheilten Andere, die sie in besserer Situation sich befindend glauben, Colporteurs Alois Heller führte derselbe an, Richter, die keine soviel Anklang und Begeisterung zu Wege, daß sie an der Antisemiten sind, hätten ihn freigesprochen. Wegen dieser Wahlurne ihre Schwätzer Hochhalten, was natürlich hinter- Aeußerung wurde er vom Neulengbacher Bezirksgericht der j drein bald wieder verflogen ist. Aber das Resultat beweist Amtsehrenbeleidigung schuldig gesprochen und zu drei Wochen; hinlänglich, daß das Volk im ganzen von dergleichen Kneipen- Arrest verurtheilt. Bei der heute vor dem hiesigen Landesreduern nichts wissen will. Die Wahl von vier Antisemiten gerichte durchgeführten Appelloerhandlung berief sich Heller' und nicht mehr erhärtet oemnach erst recht, daß der Antisedarauf, daß die Bezeichnung „Antisemit" keine Ehrenbeleidimitismus keinen breiten Boden im Volke besitzt, gerade wie gung involviren könne in einer Zeit, wo Abgeordnete und die beiden Antisemiten im deutschen Reichstag und im preu- Dokloren sich öffentlich als Antisemiten bekennen. Der Geßischeu Abgeordnetenhause. Die Wahlen für den österreichirrchtshof setzte mit Rücksicht auf die traurigen Familienverfchen Reichsrath können daher nur für uns als von hältnisfe des Verurtheilten die Strafe auf eine Woche Arrest einem durchaus günstigen Resultate angesehen werden. Es herab. In dem Ausdrucke „Antisemitismus" — so heißt es war nun einmal unvermeidlich, daß bei diesen Wahlen die in der Urtheilsbegründung — liegt der schwerste Vorwurf, antisemitischen Agitatoren ihre äußersten Kräfte in Bewegung welcher einem Richter gemacht werden könne, weil darin der setzten; aber ihr geringer Erfolg ist nur als eine Niederlage Vorwurf der Ungerechtigkeit und Parteilichkeit aus Racenhaß zu betrachten, die für die Zukunft das völlige Erlöschen oorenthalten ist. — aussehen läßt. — Einen Beweis, zu welchen Eonfequenzen die Lehre Wien, 10. Juni. (Privatmitth.) Die Reichstagswahlen des Antisemitismus führt, liefert folgende Geschichte: sind nahezu beendet. Außer den früher Genannten wurde In den Tagen der Wahlagitation hatte der Direktor Auspitz in Nickolsburg, und I)r. mit 1072 gegen 1055 einer Wiener Maschinenfabrik sich in ganz besonderer Weise > Stimmen, welche Byk erhielt, in Koloman gewählt. Von um die antisemitische Propaganda verdient gemacht und keine der Handelskammer in Brody wurde Kalter und von der Mühe gescheut, um durch Aufgebot seines ganzen geschäftlichen in Krakau l)r. Rapaport in den Reichsrath gewählt.

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