Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1885)
- Date
- 1885-06-16
- Page
- Seite 405 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227581--42710-3311288- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Emden 1× ep/1044505
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
T j s i 405 (Wir sind dem Herrn Cvrrespondenten für obige Mittheilung sehr dankbar. Aber der Bemerkung können wir uns nicht entschlagen, daß es ein schlimmes Zeugniß für unsere Zeit ist, wenn solche einfache Wahrheit, wie sicBeecher hier ausspricht, noch als etwas Besonderes hervorgchobcn tverden muß. Redakt.) Bonn, 7. Mai. (Notizen.) Die „Fr. Ztg." vom 2. Juni schreibt aus Frankfurt a. M.: Unter ungewöhnlicher Bctheiligung von Leidtragenden wurde heute früh Herr Arthur May zur letzten Ruhestätte geleitet. Dem Sarge voran gingen Klassen aus der Arnsburgcr- und der Annaschule. Unter dem Leichengcsolge befanden sich u. A. die Herren Polizeipräsident v. Madai aus Berlin (der eigens zu dem Begräbniß hier eingetroffen war). Polizeipräsident v. Hergcnhahn, Oberbürgermeister Dr. Miguel, die Stadträthe Dr. Matti und Strauß, Stadtverordnete, Mitglieder des Borstandcs und Ausschußes der israelitischen Gemeinde, und der vielen gemeinnützigen und geschäftlichen Bereinsvorstände, denen der Verstorbene augehörte. Auf dem Friedhof sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Horovitz. Er schilderte die vorzüglichen Hcrzenseigcnschaftcn des Entschlafenen, seine opferbereite Hand für öffentliche und religiöse Zwecke und die Pietät gegen seine Eltern, die er durch zahlreiche Stiftungen geehrt. Herr Stadtverordneter Rosenthal widmete Namens des Vorstandes der israelitischen Gemeinde seinem Heimgegangenen Präsidenten einen Nachruf. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. Plaut, indem er mit Trostesworten für die Hinterbliebenen schloß. Herr Oberbürgermeister Dr. Miquel feierte den edlen Bürger, den das Gemeinwesen schmerzlich vermiffen werde; heimlich und still habe er seine reichen Spenden den Armen zukommen lassen. Noch einen Tag vor seinem Tode habe der Verstorbene zu ihm seine Freude ausgedrückt über die Thcilnahme, die ihm von allen Seiten kundgegeben werde, und gesagt: Das sei der schönste Lohn seiner Thaten, aber unverdient, weil sein Herz ihn dazu bewogen. Ueber das Grab hinaus werde ihm die Liebe der Menschen, werden die Früchte seiner Thaten folgen. Namens des Vereins für das historische Museum legte Herr Otto Donnerv. Richter als Zeichen unverlöschlicher Dankbarkeit einen Kranz aus den Sarg. May hat in seinem Haus der Kunst eine Stätte bereitet, wie in keinem Haus in Frankfurt, und auch der wissenschaftlichen Richtung, die der Verein verfolge, seine Unterstützung gewährt. Ihm seien die schönsten Bereicherungen des Museums, namentlich die Funde aus Heddernheim zu verdanken. Herr Rector Herber widmete Namens der Annaschule dem Wohlthäter der armen Kinder und stets bereiten treuen Helfer in der Noth einen Kranz. Herr Justizrath Dr. Hamburger dankte dem Verstorbenen für die treuen und bewährten Dienste, die er immer der neuen Theater-Actiengesellschaft geleistet, worauf Herr Intendant Claar einen weiteren Kran; auf den Sarg legte. — Ans Norden schreibt uns Herr Oberlehrer A. Levy über die Einweihung der neuen Synagoge zu Leer: Am 26. v. M. fand die Feier der Einweihung programmmäßig statt, und, sagt der „Leerer Anzeiger", bot dem zahlreich versammelten Publicum aus Nah und Fern und aus allen Confessionen das Schauspiel einer wahrhaft schönen und erhebenden religiösen Festlichkeit. Es wird sich wohl Keiner, dem cs vergönnt war, die ergreifende Weiherede des Herrn Landrabbiners Dr. Buchholz aus Emden anzuhören, des Eindrucks haben erwehren können, daß hier eine Feierlichkeit echt religiöser Erbauung ohne alle eonfcssionelle Engherzigkeit abgehalten wurde. Nicht als etwas an sich Geheiligtes und Gott Wohlgefälliges, sondern als ein schönes Sinnbild des Tempels im Herzen der Menschen stellte Redner das neue Gotteshaus hin, als ein Liebcsband zwischen Himmel nnd Erde, zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen; als einen Wegweiser in den Labyrinthen des Lebens, auf welchen der Mensch in allen seinen Thaten und Leiden sich beziehen, dessen Bild er stets vor seiner Seele halten soll, damit die Stimme des Wahren und Guten in ihm selbst lebendig bleibe und ihn anleite, den rechten Pfad zu wandeln; endlich als einen O.uell der Tröstung und der Freude in der öden, dürren Wüste des Daseins, einen Halt und eine Stütze in aller Anfechtung und Gefahr. So erhält das Gotteshaus in der durch und durch echt humanen nnd vorurtheilsfreien Anschauung des Redners seine wahre Weihe erst dadurch, daß es zu einer Freistätte wird, in welche sich der Mensch aus allen Sorgen und Armseligkeiten des täglichen Lebens flüchten, und wo er ungestört den Sabbath der Seele, das innige Versenken in die ewige Güte und Wahrheit, feiern kann. Auch die Gesangsvorträge wurden zu allgemeiner Befriedigung ausgeführt. Das Innere der Synagoge ist sehr würdig und geschmackvoll hergestellt. — Ileuitteton. Concfpcmkn?. Worten die Versammlung, worauf man in eine Berathung Breslau, 2. Juni. des im Vorjahre von Dr. Samuelsohn gestellten Antrages VII. Generalversammlung de- Vereins israelitischer Lehrer eintrat, welcher die Heranziehung der Kinder zum Gottesin Schlesien und Posen. dienst bezweckte. Dr. Cohn-Kattowitz referirte Namens der Sonntag, den 24. Mai, Abends um 8(2 Uhr, eröffnet Commisson, welche über die Mittel zur Beseitigung der herr- Dr. Samuelsohn als Vorsitzender mit freundlichen Begrüßnngsschenden Uebelstände berathen sollte, über die von jener ge-