Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-06-16 · Heft 25 (16.6.1885) · p. Seite 404

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 25 (16.6.1885)
Date
1885-06-16
Page
Seite 404 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227581--42709-3311287
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

404 drucken und vertheilen zu laßen. Abgesehen davon, daß hier-' ohne ein Urtheil hinzuzufügen. — Einen angenehmen Eindurch das Interesse der Gemeindemitglieder und Beförderer druck läßt der 11. Jahresbericht der „Jewish Infh-mary an<l der Anstalten angeregt wird, liegt auch die moralische Nöthi-! Hebrew Denevolent Association" in New - Orleans, welcher gung darin, an eine angemessene Fortentwickelung zu denken! einen sehr günstigen Fortgang dieser großartigen Wohlthätig- und sie angestrengt zu verfolgen. Wir wollen hier des Be-. keitsanstalt, die im verflossenen Jahre IS 1 Mitglieder mehr richts über die 16. Generalversammlung der Gemeinde Shaare- Emeth iu St. Louis für 1884 85 erwähnen. In der Ansprache des Präsidenten Hysinger wird gesagt, daß in der gewonnen hat, so daß sie jetzt 554 zählt. Hiermit wuchsen die Einnahmen, die auch durch Spenden von Bedeutung sich vermehrten. Die Wirksamkeit des Hospitals und des Asyls Gemeinde mehrfacher Wunsch nach angemessenen Berändehat sich sehr ausgedehnt, und betrugen die Ausgaben 33 720 rungen in Cultus und Schule vorhanden gewesen. „Glück- Dollars. — licherweise für uns durchdringt unsere Mitglieder der echt! New Port, im Mai. (Privatmitth.) Wer auch nur amerikanische Grundsatz, daß der Wille der Majorität leitend einigermaßen mit Amerika bekannt ist, wird wissen, wer sein solle und die Minorität sich bei den Entscheidungen der^ Henry Ward Beecher (evangelischer Prediger) ist. Als Mehrheit beruhigen müsse, so daß die Eintracht und Har- Redner überhaupt, und besonders als Kanzelredner, steht er monie nicht gestört werde." Dies habe sich denn auch in unerreicht da. Seit mehr als fünfzig Jahren hält sein Mund der Gemeinde bcthärigt. Wir müssen gestehen, daß dieser alle Herzen gefesselt. Er war einer der Hauptführer der Grundsatz, so allgemein gefaßt, aus religiösem Gebiete durch-! Antisklavereipartei und hat während des Bürgerkrieges die aus gleichgültig sein könne. Wir wißen sehr wohl, daß schon Bertheidigung des Nordens in England mit dem glänzendsten der Talmud diesen Grundsatz aufstellt! Erfolge durchgeführt. Obgleich jetzt über 70 Jahre alt, prcwenn auch mit Benutzung einer unrichtig abgeschnittenen! digt und spricht er mit ungeschwächter Kraft und jugendlichem Schriftstelle. Allein oft genug kommen in demselben Fälle vor, wo eine Persönlichkeit sich dem Beschlüsse der Majorität nicht fügte. Tenn in religiösen Dingen hat jedes Individuum das Recht seiner llcberzeugung. Steht doch das Judenthum überall in der Minorität ungeheuren Majoritäten Feuer, und seine große Kirche in Brooklyn bei New-2)ork ist allwöchentlich gedrängt voll. Bei der großen Geburtstagsfeier Montefiore's, die der Temple Emanuel im vorigen Herbste veranstaltete, war er einer der Redner und sprach auch damals seine hohe Achtung vor dem jüdischen Stamme aus. gegenüber. Allein in Amerika hat jener Präsident doch nicht j Zur Stunde zieht er die Aufmerksamkeit aller Theologen auf Unrecht. Denn hier steht es jedem Mitglicde frei, nach Ab-! sich, indem er in einem Eyclus von Predigten die Summe lauf des Jahres die Gemeinde zu verlassen und sich einer! seiner religiösen Ansichten zieht, und die er als sein theoloandern anzuschließen, mit der er mehr übereinstimme. In gisches Testament betrachtet wißen will. Am letzten Sonntag, anderen Ländern, wo der Parochialzwang vorhanden, wird den 24. Mai, an dem mehr Menschen von der Thür der die Majorität die Verpflichtung haben , die Ansichten | Kirche abgewiesen werden mußten, als in dem großen Geber Minorität wohl zu berücksichtigen. — Mit warmen bände Platz fanden, sprach er über die Evolution des Gottes- Worten macht der Hysinger es den Gemcindemitgliedern zur Pflicht, den Sabbathgottesdienst fleißiger zu besuchen, und hierdurch besonders dem aufwachsendem Geschlechte ein nachhaltiges Beispiel zu geben. — Wir übergehen die finanzielle Lage der Gemeinde und wollen nur darauf aufmerksam machen, daß namentlich im Religionsunterrichte, welchen Dr. Sonneschein leitet, Fortschritte angestrebt werden. Ob diese Fortschritte in richtiger Weise gefunden worden, ist eine andere Frage. Dr. Sonneschein klagt über die Unzweckmäßigkeit der Schulbücher, über den allzufrühen Anfang des Unterrichts im Hebräischen ohne Beihülfe der Grammatik und über den Conflikt zwischen Orthodoxie und modernem Judenthum, in welchem der Lehrer vergebens und mit eigenem Geisteszwange einen Compromiß suche. Er verlangt deshalb Herstellung neuer und einfacher Lehrbücher, Verweisung des hebräischen Unterrichts in die höheren Klaßen bcgriffes, und äußerte sich über die Juden in folgender Weise: Für die Begriße von Gott der uncultivirten Völker giebt es keinen Platz in unserer Civilisation; selbst den mythologischen Gottheiten der Griechen und Römer, so anmuthig auch einige derselben waren, entwuchs die Welt. Nur ein Volk trat endlich auf die Bühne, das den rechten Pfad wählte. Alles was zum Wesen der höheren Religion gehört, verdanken wir dem hebräischen Stamme. Dieser Zweig der Semiten hat der Welt die frühesten und einzig wahren Ideen von Gott überliefert. Merkwürdig, daß die gesammte Christenheit sich heutigen Tages feindlich gegen denjenigen Stamm benimmt und ihn mit ihrem Haß verfolgt, dem sie Alles verdankt, was sie in der Bibel glaubt, von Genesis bis zur Apocalypse. Es giebt auch nicht eine einzige Zeile, weder im alten noch im neuen Testamente, die nicht aus dem Bewußtsein des Volkes sich entfaltet hätte, an dem sie ihre und Beschränkung der Relizionslehre auf die höchsten Grund- Füße wischen, oder ihre Zungen, die noch viel säße des Judenthums. Wir geben dies nur als Thatsache, I sch mutziger sind. G. G.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.