Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1885)
- Date
- 1885-06-16
- Page
- Seite 398 (sequence 6)
- Language
- German
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398 stungen der Erde übergeben mußte. Ueber alles Nähere versei dadurch auch vernunftgemäß an das Ueberliefcrte geweisen wir auf die treffliche Schrift, und heben nur eine fesselt". uns besonders interessirende Stelle aus dem Schluffe des^ „Geiger verlachte (!!) daher alle Versuche, aus demJuden- Buches heror. Es heißt da: „Hier ist es wohl am Platze! thume ein Lehrgebäude des Glaubens zu machen, den Gotteszu fragen, welche Stellung Lazar Geiger dem Glauben | gedanken und das Sittengesctz auf eine Masse von Fragen seiner Väter gegenüber eingenommen hat. Man ist nicht gej und Antworten zuzurichten, diese dem kindlichen Gemüthc wohnt, derartige Forscher sich als Angehörige einer Glaubens-i cinzupsropfen , während die Lehre mehr die That als den genoffenschaft vorzustellen. Mit einem gewiffen Staunen wird l Glauben an die Spitze ihrer Forderungen stellte. Er sah man schon aus manchen Angaben ersehen haben, daß Geiger Männer, die ihm sehr nahestandcn, die hinsichtlich der Glauim Leben sich ohne Rückhalt für Aufrechterhaltung des über-! benssätze die vollste Uebereinstimmung mit dem behaupteten, lieferten Judenthums erklärt hat, was bei tieferm Einblicke was sie für den Hauptinhalt der Lehre ausgaben; nur an in das Wesen des Mannes uns begreiflich werden muß, > der Erscheinung, d. h. am Leben der Häuslichkeit und Gewenn wir nicht gerade hier vor einem Räthsel stehenbleibcn! meinde änderten sic. Bisher waren wohl über das Wesen wollen."! der Gottheit, über Freiheit und Unsterblichkeit die Ansichten „Wenn man geneigt wäre, darin eine bloße Rücksicht des ' der verschiedensten Denker im Umlaufe gewesen, wogegen Denkers gegen seine überaus geliebten Eltern und deren Anüber die thatsächlichsten Pflichten des Leben» stets vollste schaumigen zu sehen, so wird man durch die, welche ihm im Einheit geherrscht hatte. Kopfschüttelnd sah er den Bestre« Leben immer nahe gestanden haben, erfahren, daß es bei bungen derjenigen zu, die, trotzdem der jüdische Bolksgeist so wichtigen Fragen keinerlei schwächliche Empfindungen für bisher sich aus sich selbst geleitet hatte, nun im Gelehrteuihn gab, daß er einer Wahrheit zuliebe alle Gefühle vertalare durch willkürliche Eingriffe in die geschichtliche Gestalt achtet hätte ('.!!). Wir brauchen uns darin keineswegs auf des Judenthums dasselbe verjüngen zu können glaubten; er Bermuthungen zu stützen, sondern nur die Auffaffung heransagte diesen Versuchen entweder eine kurze Dauer oder einen zuziehen, welche Geiger selbst im Grundriffe seiner nicht vollenhöchst verderblichen Einfluß auf die Zukunft der Lehre bordeten Betrachtung über das Judenthum andeutet". aus. Er wollte strenge Erhaltung des Bestehenden, dem er „Er wies überhaupt die Auffassung weit von sich, daß freilich eine unbewußte Selbstentwicklung zusprach und er irgend welche Gründe oder Zwecke ihn am Judenthume selbst wirkte thätig für die Verbreitung jüdischen Geistes, festhalten sollten; denn wenn ihm das Recht zustände, aus Mit warmem Gemüthe stand er mitten unter seinen Glaubens» Gründen Jude zu sein, so würde ihm das Recht der begenossen. und aus seinen Werken findet man selbst, zumal denklichsten Art daraus erwachsen, wenn er die Gründe nicht wenn er die angefeindete Ueberlieferung zu sprachwiffenschaftkennen oder sic nicht finden würde, dem angestammten lichcn Beweisen heranzieht, das Bestreben heraus, auch hier Gesetze zu entsagen. Er fühlte sich durch das Ueberliefcrte seinen Zusammenhang mit dem strengen Herkommen zu zeigen, gebunden und hielt sich nicht für berechtigt, diese Verpflich-i So erhielt er sich die Frische seiner Jugendeindrücke, fern tungen eigenmächtig von sich abzuschütteln. Gerade im blieben ihm die schwächenden faustischen Zweifel und dennoch Judenthume fand Geiger das Recht, frei zu denken, die war er ein Denker mit rücksichtslos folgerndem Geiste. Wir Lehre legt es ihren Bekennern als höchste Pflicht auf, den geben dies als eine Thatsachc, woran nichts zu ändern ist, sinnlichen Anschauungen von der Gottheit entgegen zu treten; und welches sehr verschieden bcurtheilt werden kann. Wenn daß Gott in seinem unerforschlichen Wesen vom Menschen nur selbst seine strenggläubigen Glaubensgenossen in sehr vielen menschlich gedacht wird, gedacht werden kann, das ist eine Punkten sich von ihm trennten, ja, ihn nur sehr bedingt als Hauptlehrc des Judenthums, mit welcher der Denker nie den Ihren in Anspruch nehmen werden, so werden sie in in Widerspruch kommen kann. Tic Gedanken, die dem ihm doch den Beweis der Berechtigung ihrer Stellung sehen Menschen dabei kommen können, hat er sich nicht selbst ge- und cs anerkennen, das; er gern alle Dpfer brachte, um ihnen geben, aber die That ist sein, und zu Thaten einer ganz in der Ausführung des Gesetzes nur ganz zu gleichen. Und bestimmten Art verpflichtet das Judenthum. Geiger sicht wenn sie und die Strengen anderer Glaubcnsanschauungen darin weniger eine Glaubensals eine Lebenslehre, etwas, genau darüber denken, so werden sie finden, daß er, nach der was sich stets treu bleibt und sich in seiner Unwandelbarkeit Eigenthümlichkeit des Judenthums bcurtheilt, nicht weniger doch stets entwickelt. Gerade der Verkünder der Sprachzu ihnen gehörte, als Saadia und Maimonives, da die Richentwicklung wollte nun, daß man das Bestehende und dessen tungen des Judenthums sich nicht in der Lehre, sondern Einflüffe gläubig und ehrfurchtsvoll ansehe; gerade wer sich allein in der thatsächlichen Ausführung derselben unterweit darüber erhaben glaube, könne sich der Entwicklung, deren scheiden, und darin, wie in der Wahrung des Ueberlieferten, nothwendiges Gebilde er selbst sei, nicht entziehen, und er war Geiger, unbeschadet seiner Denkerfreiheit, völlig gesetz-