Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1885)
- Date
- 1885-06-02
- Page
- Seite 362 (sequence 2)
- Language
- German
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862 reichem Erfolge seiner Arbeit bewohnte, beide als unmittelbare Thaten Gottes, bilden den Schluß. Es ist hiermit ein wesentlicher Charakterzug der mosaischen Lehre und des Judenthums überhaupt gegeben, nämlich der, daß die Religion und die religiöse Gesinnung und Ueberzeugung auf die Geschichte gegründet und diese als eine wesentliche Unterlage jener betrachtet wird. Die religiöse Anschauung sollte nicht das Werk des einzelnen, so flüchtig auf der Erde weilenden Menschen, seiner von so vielen Zufälligkeiten bestimmten Andie Bekenner zu Muckern zu machen. Galt es doch durch die Arbeit Früchte hervorzubringen, von diesen Fruchten ein bescheidenes Maß (einen Korb voll der Früchte des Bodens) zum Tempel zu bringen und dieses Bekenntniß darauf abzulegen, ein Bekenntniß, das den Gedanken ausspricht, daß Land und Boden nur durch Gott den Nachkommen des „umherirrenden Aramäers" gegeben, daß Er mit seiner Rettergewalt das Volk aus der Knechtschaft zur Freiheit, aus der Wüste zum Lande, wo Milch und Honig fließt, gebracht sichten, seiner so oft im Leben wechselnden Stimmung und j habe, und so alle diese Früchte eine Gabe Gottes seien. So in den verschiedenen Lebensaltern sich umwandelnden Michwurde im Bewußtsein des Volkes das Gefühl des Zusammentungen sein, sondern eine Ueberlieferung von Geschlecht zu Hanges seines ganzen Daseins und seines materiellen Er- Geschlecht, der „Erkenntniß und dem Herzen" jedes einzelnen werbes mit Gott und dessen Fügungen lebendig erhalten. — Bekenners übergeben und in der Fortentwickelung eine Geistes- So einfach also dieses Glaubensbekenntniß gehalten ist, verarbeit der Jahrhunderte, ja der Jahrtausende. Jedem Einkörpert es doch zwei Hauptgedanken des Mosaismus: den zelnen wird vorgeschrieben nach der Erkenntniß der Lehre Bestand der Religion durch die Ueberlieferung, auf welcher zu streben, sie zu Herzen zu nehmen, darin zu sinnen Tag Grundlage sich die Gesinnung und die Gefühlswelt des Ein- und Nacht, sie den Kindern einzuschärfen und davon zu zelnen aufbaue, und die Identität der Lehre und des Lebens, sprechen, wenn er aufsteht und wenn er sich niederlegt, in Diese Einheit der Lehre und des Lebens bekundet sich seinem Hause und auf der Reise. Diese Ueberlieferung an an obigem Glaubensbekenntniß noch durch einen dritten Zug. das folgende Geschlecht, die natürlich nur aus der eigenen Der Mosaismus hat sich niemals mit dem bloßen Gedanken Kenntniß und Begeisterung fließen kann, wird oft wiederholt, und dem diesen aussprechenden Worte begnügt, sondern setzte Hierbei sollte immer wieder auf die Geschichte der Vorzeit diese sofort in die That um. So mußte denn der Israelit, zurückgewiesen werden. Daß diese auch in der Volksseele um dieses Bekenntniß auszusprechen, nach dem Tempel walllebendig war, bezeugen uns die Psalmen, welche diese Ge-J jaljrlen und von den erstgereiften Früchten seines Bodens schichte feiern, und die spätere Gebetsliturgie. Dieser Zug! darbringen, die er schon vorher auf seinen Feldern als solche senkte sich so tief ein, daß jedes bedeutende geschichtliche Er-! bezeichnet haben mußte. Gerade hierdurch drückte er thateigniß, freudiger und trauriger Art, durch Feste oder Fasten! sächlich den Gedanken des Bekenntnisies aus, daß er Besitzverewigt wurde. Verwischte sich das Andenken eines Ereigthum und Frucht als die Gabe Gottes betrachte. Hiermit nisies, weil es nicht in das Geschick der Gesammtheit einmar der Zusammenhang des Materiellen mit der Gottesidee gegriffen, so verlor sich auch die Erinnerungsfeier, wovon berhätigt, ein Zusammenhang, den die später» Talmudisten wir mehrfache Beispiele haben. Selbst die Geschicke einer durch die Benedictionen vor und nach jedem Genusie im einzelnen Gemeinde späterer Zeit wurden auf diese Weise in Bewußtsein des Juden zu erhalten suchten, ihrem Schooße verewigt. — Dies ist es denn auch, was den Hauptinhalt des Glaubensbekenntnisies ausmacht, den wir - eben besprechen. Aber es ist noch ein zweites hochwichtiges! Moment, welches dasselbe zum Ausdruck bringt, nämlich die I innige Verbindung des Materiellen mit der Gottesidee. Der Erwerb und der Genuß des Materiellen sollten stets von der Die Akklimatisation und die Juden. Wir habe» bereits wiederholt über die eigenthümliche Gvttesidee, vom Zusammenhänge mit Gott, von dem Dank- Erscheinung gesprochen, daß die Inden in allen Zonen und gesühl und der Liebe zu Gott getragen und erfüllt sein. Klimaten sich zu akklimatisiren vermögen, d. h. sich nieder- Dadurch sollte das materielle Leben von der religiösen Idee zulasten, eine Familie zu gründen und daß diese in allen und Gesinnung niemals getrennt werden, jenes dem täglichen folgenden Generationen bestehen bleibe — während andere Treiben, diese einer Verweisung in eine höhere Sphäre über- Racen und Nationalitäten, namentlich die Europäer, diese antwortet sein. Nur auf diese Weise wurde das Leben im Eigenschaft nicht besitzen. Diese, wenn sie sich in heißen mosaischen Sinne „geheiligt" und die religiöse Idee in das Klimaten, also in den Tropenländern niederlasten, sterben Herz des Volkes, in sein ganzes geistiges Dasein cingcsenkt. im dritten Geschlcchte aus, und ihre Colonien, z. B. in Nur auf diese Weise konnte die Religion auf das wirkliche Indien und Egypten, können sich nur durch fortgesetzte Zu Leben ihren ganzen versittlichenden und vergeistigenden Einfluß Wanderung erhalten. In Indien, wie irr Egypten, aber beüben, und zwar ohne das materielle Leben zu hemmen und! stehen jüdische Colonien seit undenklicher Zeit und vergrößern