Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-26 · Heft 22 (26.5.1885) · p. Seite 355

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 22 (26.5.1885)
Date
1885-05-26
Page
Seite 355 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227578--42657-3311232
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

355 wie sie BrimannuS ihm in den Mund gelegt, habe er (Roh-! ling) nie gemacht, sei aber jederzeit bereit, die oft ausge-! Nusiland. sprochene Ueberzeugung von dem auf die Vernichtung der! Kowno, 11. Mai. In dem Prozesse wegen Ausschrei- Christen, de^ Christenthums und der christlichen Interessen tungen gegen Juden in Dombrowitzy wurden einer der Angerichteten Bestreben des Judenthums eidlich nicht blos zu betheuern, sondern aubmit Gut und Blut als wahr zu vertheidigen. Rohling ruft sodann aus: „Die Erde möge sich öffnen und mich verschlingen oder Feuer vom Himmel fallen und mich tödten für Zeit und Ewigkeit, wenn es anders ist mit dem Judenthum, als ich sage." (Rohling hat schon so viel beiheuert, was ihm als falsch und gefälscht nachgewiesen worden, daß es auf eine Betheuerung nicht mehr ankommt. Es ist bei ihm eine Monomanie, oder eine fortgesetzte Lüge! Redakt.) Rohling erklärt, die Regierung habe ihn mit Hinweis auf die aufgeregten Zeiten zur Einstellung der literarischen Fehde verpflichtet, er werde daher die neuesten aus Leipzig kommenden Angriffe ignoriren." (Es ist Schade darum, denn Rohling hätte sich noch weiter blamirt. Redakt.) Pest, im Mai. Man berichtet von hier: „In der Antisemiten-Partei herrschte seit einigen Tagen große Aufregung; Ursache derselben war die Drohung Jstoczy's, daß er aus dem Antisemiten-Club ausscheide. Wie „Egenlüseg" meldet, hat Jstoczy dieser Drohung nun auch die That folgen lassen, indem er heute seinen Austritt aus der Partei auch formell ankündigte. Mit Jstoczy scheiden auch dessen intimere Freunde aus dem Club. Differenzen, die in Folge des Eingehens der „Magyar Lapok" auftauchten, haben den Führer zum geklagten zu Zwangsarbeit, einer zu 1—2' jährigem Zuchthaus und 10 zu Gefängnißstrafen von verschiedener Dauer verurtheilt. Turek, 8. Mai. (Privatmitth.) Mittheilungen einiger rusiischer Blätter zufolge hat der Senat jüngst den Gouverneuren der acht Gouvernements Finnlands einen Befehl zukommen laffen, um sofort anzugeben, wie viel Juden ohne Berücksichtigung des Geschlechts und Alters in ihren Gouvernements ansäffig sind und deren Beschäftigung. Ferner soll bemerkt werden, wie lange und mit welchem Rechte die betreffenden Juden in Finnland wohnen. Wie verlautet, soll in allen Orten Finnlands eine Zählung unserer Glaubensgenossen von der Polizeibehörde vorgenommen worden sein: über das Ergebniß haben wir bisher nichts erfahren können. Es hat den Anschein, daß die ganze Maßregel mit der von der Regierung geplanten Regelung der Verhältnisse über das Ausiedelungsrecht und die Privilegien der Juden Finnlands im Zusammenhänge steht, welche den soeben versammelten Landtag demnächst beschäftigen soll. Allerdings verlautet über den Zeitpunkt, wo diese tiefeinschneidenden Maßregeln berathen werden sollen, bisher nichts. — Unter anderen Petitionen, welche diesem genannten Landtage vorgelegt worden, befindet sich auch eine Petition des schon lange bekannten antisemitischen Landtagsabgeordneten A. Meurmann, mit der Verlassen seiner Getreuen veranlaßt. Der Entschluß Jstoczy's > lleberschrift: „Ein Vorschlag in der Judenfrage". — In dürfte unzweifelhaft die Auflösung der ganzen Partei als j Kurzem wird die Petition vor dem Landtage zur öffentlichen solcher zur Folge haben. Die Individuen dürften uns er- > Besprechung kommen. — Infolge der verschiedenen Judenhalten bleiben."! Verfolgungen und Ausnahmegesetze in Rußland, schreibt das Pest, 13. Mai. (Ist es möglich?) Man telcgraphirt ft industrielle polnische Blatt in Warschau „Gazeta Handlowa", „Der Abgeordnete Berhovay und sein Bruder wurden gestern - sinkt der Handel und die Industrie des Landes immer tiefer, in zweiter Instanz von der Anklage der Veruntreuung der auch die Armuth der jüdischen Bevölkerung nimmt größere Csangogelder freigesprochen."; Dimensionen an. Den Beweis giebt: die immer mehr ver- Pest, 18. Mai. Tie Antisemiten wollen das Volk und : minderte Auslösung der Gildenscheine der jüdischen Geschäftsdie Juden nicht zur Ruhe kommen lassen. In der gestrigen 1 firmen, welche schon bereits mehr als zwei Deccnnien der Sitzung des Unterhauses wurde wieder eine Interpellation Gilde angehörten. Allein in Kijew haben dieses Jahr über gegen die Einwanderung russischer Juden eingebracht. Tisza 73 jüdische Kaufleute der „ersten Gilde" ihre Geschäfte einerklärte, von einer Masseneinwandernng von Juden sei ihm! gestellt. — Zwei extrem antisemitische Blätter, das eine das nichts bekannt, es seien daher auch keine außerordentlichen i „Echo" in Rußland, das zweite die „Zukunft" in Berlin, Maßnahmen nöthig, er werde gegen diejenigen, die nach! haben zu erscheinen aufgehört. Es ist allerdings ein kleiner Ungarn kommen wollten, nur deshalb, weil dieselben einer Beweis, daß gegenwärtig die Wogen des Antisemitismus im gewissen Confession oder. Race angchörten, keinerlei aorbon (3>olfe nicht wie vorher so hoch fluthen. — Hinsichtlich der ziehen lassen. Am Schlüsse der Sitzung bemerkte der Minister- Angelegenheiten der seit 1881 bei dem Ministerium der Präsident noch, die Regierung beabsichtige, in dieser Session Finanzen und der Aufklärung angeregten „Chedarim-Frage", keine neuen Vorlagen mehr zu machen, sondern werde die i welche ohne weitere Entscheidung der sog. „Inden-Commission" Schließung der Session beantragen, sobald das Oberhaus die! zur Berathuug übergeben worden, ist bereits von der Comvorliegenden Gesetzentwürfe erledigt habe. Mission dazu reiches Material angesammelt worden, und sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.