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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-26 · Heft 22 (26.5.1885) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 22 (26.5.1885)
Date
1885-05-26
Page
Seite 347 (sequence 3)
Language
German
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347 Wir aber schließen diesen Bericht mit der Hinweisung auf I vorangehenden Einleitung S. 50 heißt es: .. hat Maria den Congreß der europäischen Mächte, der im Juni und Juli | Theresia doch auf Verwendung der holländischen Staaten, 1878 unter dem Vorsitz des Fürsten Bismarck in Berlin ver- > Englands und anderer Potentaten ihre Ausweisung zurücksammelt war. Da es sich vorzugsweise um eine neue Ord-j genommen." In gleicher Weise berichtet Schloffer: Geschichte nung in den, der Türkei ehemals unterworfenen Ländern! des 18. u. des 19. Jahrhunderts II. S. 75: „Es bedurfte handelte, nahm die Alliance isr. univ. die Gelegenheit wahr, j der holländischen und englischen Verwendung, bis das harte durch eine Denkschrift und die Absendung von Delegirten Gesetz der Verbannung (Schlosser giebt an, es sei im Frühnach Berlin, die Vertreter der Mächte zur Berücksichtigung jahr 1743 erlassen worden, tatsächlich erfloß es jedoch Deder dort hart bedrückten, oft schwer verfolgten Juden zu bewegen. Der Erfolg entsprach diesen Bemühungen. Der Congreß proklamirte den Grundsatz der Gleichberechtigung! und der Religionsfreiheit als das Princip der europäischen > Staaten, indem er nicht blos der Türkei, sondern auch! den neuen Staaten an der. Donau, Rumänien, Serbien, j Montenegro und Bulgarien diese Gleichberechtigung aller! Staatsangehörigen zur Existenz- und Anerkennungsbedingung stellte. (S. die betr. Stellen der Protokolle im Original,; Jahrg. 1878 S. 533 ff.) Diese feierliche Erklärung ist einI denkwürdiger geschichtlicher Moment, wenn auch die prakti-' scheu Erfolge durch die rumänische Jntrigue wenigstens ini Rumänien verhindert wurden. Mit der Erklärung dieses Congresses schloß die Periode der Emanzipationsbestrebungen ab; wohl noch nie hatte ein Princip nach einem, ein Jahrhundert langen Kampfe in so feierlicher und friedlicher Weise seine Anerkennung gefunden. Denn seit 1783 war dieses Prinzip in der Nordamerikanischen Union im staatlichen Leben zuerst verwirklicht worden. Seine Waffen waren die des Geistes. Aeußere Mittel standen ihm nicht zu Gebote. Aber die Macht der Verhältnisse ist stärker als der Mensch und sein Widerstand. Jedesmal wenn ein Schritt vorwärts gethan war, erhoben sich die reaktionären Mächte, um die Wirkung zu annulliren. Aber gerade die ihm Widerstrebenden waren oft genöthigt, die Sache der Gleichberechtigung zu fördern und zu befestigen. Beispiele aus 1848 und 1869 liegen nahe. Darum ist es nicht zu verwundern, daß dennoch jener Congreß auch eine Art von Wendepunkt bildete. Denn jetzt begann die seit 30 Jahren von der pietistisch reaktionären und ultramontanen Presse vorbereitete antisemitische Agitation. Es war, als ob der erlangte Sieg zur Kräftigung und Befestigung noch viele Opfer kosten sollte. Jesaias 57, 20. Wien, Anfangs Mai 1885. Zur Vertreibung der Juden aus Löhmen 1744. Herr Professor Grätz veröffentlichte in der von ihm und Herrn Dr. Frankl redigirten „Monatsschrift" u. s. w. (Febr. 1885): „Sendschreiben über die Austreibung der Prager und böhmischen Juden unter Maria Theresia". In der cember 1744) der Judenschaft zurückgezogen ward." Adam Wolf in „Oesterreich unter Maria Theresia" verlegt die Ausweisung der Juden auf das Jahr 1746 und berichtet, daß auch der Gemahl der Kaiserin, Herzog Karl; ferner der Churfürst von Polen, sogar der heilige Vater Fürsprecher der Juden waren. Nun ist es allerdings richtig, daß sowohl die englische wie die holländische Regierung zu Anfang des Jahres 174.5 zu Gunsten der Juden intervenirten; auch der dänische Gesandte verwendete sich in gleicher Richtung (von Seite Polens oder der Curie zu Rom geschah nichts, mindestens liegt nichts vor). Die Kaiserin aber wollte durchaus keine fremd-! ländische Intervention in rein interne Angelegenheiten dul-! den. Der venetianische Gesandte rn Wien Nicolo Erizzo berichtet über diese Angelegenheit an den Senat am 5. Juni 1745. Am Schluffe seiner ausführlichen Depesche sagt er: j „Diese Fürstin (Maria Theresia) fühlt ihre Größe und ist! außerordentlich auf ihre Hoheitsrechte eifersüchtig." Wir haben dieses Moment auf Grund archivalischer Quellenforschung eingehend in unserer Schrift: „Die Vertreibung der Juden aus Böhmen :e." im Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums IV. Band erörtert und die eigentlichen Gründe angegeben, die die Kaiserin 1748 veranlaßten, die Ausweisung zurückzunehmen. Diese waren, weil schon durch die partielle Auswanderung der Juden, die inzwischen Platz gegriffen hatte, die Stadt, das Land und das Aerar empfindlich zu Schaden kamen. Bitter klagten sogar die Handwerker über die schwere Schädigung, die sie durch die Abwesenheit der Juden erlitten, und die Stände erklärten, daß sie sich unter diesen Verhältnissen außer Stande sehen, die Steuern zu bezahlen. Es zeigte sich da klar und deutlich, daß man im Begriffe war, den Ast abzusägen, auf welchem man saß. Nun rescribirte die Kaiserin eigenhändig am 14. Juli 1748: „Nur allein weillen so inständigst die länder es Verlangen u. s. w." (S. 213). Alfred Ritter v. Arneth, der als Director des geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchives am besten in der Lage war mich zu contrvliren, schloß sich in seiner „Geschichte Maria Theresias" meinen Ausführungen an, indem er auf die bczeichnete Schrift hinweisl. Ich glaubte annehmen zu dürfen, daß Herrn Professor Grätz die genannte Schrift entweder unbekannt oder daß sie

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