Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Date
- 1885-05-19
- Page
- Seite 341 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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341 sich Nachweisen läßt, daß sie die talmudischen Aussprüche schlecht verstanden haben. So hat R. Abraham ben David eine große Zahl der von Maimonides ausgestellten Gesetze verworfen, weil Maimonides sich in der Interpretation des Talmuds geirrt habe; so hat R. Moses Jsserles fast in jedem Paragraphen dem Schulchan Aruch Caro's widersprochen, und ist selbst wieder von seinen Nachfolgern angegriffen worden. Es ist also nur der Talmud, der die wirkliche legislative Autorität besitzt. Hier erwägt der Verfasser nicht, daß im Talmud selbst sehr oft die verschiedenen Meinungen neben einander gestellt werden, ohne daß eine Entscheidung hinzugefügt wird. Hier bedürfen wir jedenfalls einer subsidiären Autorität. Alsdann erweist der Verfasser in gründlicher Untersuchung, daß die Gültigkeit der Testamente nicht von dem Gesundheitszustände des Testators abhängen kann, so daß sowohl ein Gesunder als ein Kranker zu testiren vermöge. Auf welche Weise der Talmud dem mosaischen Gesetze entgegen die Freiheit des Testirens eingesührt, verstanden und gesichert habe, beschäftigt den Verfasser im dritten Abschnitt, so wie im vierten der Unterschied zwischen Immobilien und Mobilien. Jetzt kommt er zu der Gültigkeit des holographischen Testaments, und von den erlangten Resultaten widerlegt er einen gewissen Castelli, der sich im entgegengesetzten Sinne ausgesprochen hatte. Man muß dem Verfasser zugestehen. daß cr seine Sätze mit ebenso vieler Sachkenntntß als unbefangener Kritik und in einfachster logischster Weise durchführt. Zu bedauern ist, daß viele Druckfehler die sonst gute typographische Ausstattung entstellen und sind wir dem Herrn Verfasser dafür verpflichtet, daß er in dem uns übersandten Exemplar diese oft sinnentstellenden Druckfehler eigenhändig verbessert hat. — „Haman, Bileam und der jüdische Nabi, von Prof. vr. Steinthal" (Beilage zum Bericht über die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, Berlin 1885). Der Verfasser stellt die im Buche Esther vorkommenden Persönlichkeiten, sowie die Bileam's von religiös-ästhetischem Standpunkt dar und charakterisirt dein gegenüber die Tendenz der Propheten. Sein Resultat ist: „Das Buch Esther berichtet einen Wandel der äußeren Geschicke; die Erzählung I von Bileam einen Wandel der inneren Ueberzeugung." Wir! begegnen in dieser Abhandlung vielen schönen und zutressenj den Bemerkungen, wenn wir auch mit den kritischen Voraus-! setzungen des Verfassers nicht übereinstimmen. — Für das Jahr56r>6 ist auch bereits der „Jllustrirte israelitische Volkskalender" von Jakob W. Pascheles (34. Jahrg. Prag 1886) erschienen und enthält neben dem üblichen Kalender und den üblichen Beilagen noch einige Aufsätze, Gedichte, Anekdoten und Originalgerichte der jüdischen Küche. Dem Kalender sind die Portraits der DDr. Zunz und Kayserling beigegeben. Aeuit Hinter Leu Loulissen des Antisemitismus. Der „Pesth. Lloyd" schreibt: Von einem unserer Wiener Correspondenten erhalten wir die folgenden Zeilen: In den letzten Tagen sind Enthüllungen gemacht worden, die auf die Art, wie die antisemitische Propaganda entstanden, ein eigenthüinliches Licht zu werfen geeignet sind. Hierbei spielt der gegenwärtig beim Wiener Landesgericht inhaftnte Convertite Dr. Brimannus oder eigentlich Brimann die Hauptrolle. Allgemein bekannt ist, daß der Professor an der Prager Universität vr. Rohling nicht blos selbst als antisemitischer Agitator wesentlich zur Vermehrung der antisemitischen Literatur beitrug, sondern daß er auch fast in allen Schriften dieser Art als Autorität figurirte, auf deren Forschungen man Eide leistete. Nun ist cs Thatsache, daß Brimann seine Kenntniß der talmudischcn Schriften vielfach dadurch verwerthete, daß er anderen Gelehrten, welche die genügende Borkenntniß nicht besaßen, mit den erforderlichen Uebersetzungen der Originale zu Hilfe kam. Unter dem Pseudonym „Justus" edirte er ein Buch, „Der Judenspiegel" betitelt, welches seither eine der Hauptquellen der antisemitischen Agitation wurde, und welches in einem leton. seiner Zeit in Deutschland verhandelten Prozesse eine bedeutsame Rolle spielte. Nach den weiter unten folgenden Briefen hat nun die Prager Autorität, Dr. Rohling, die von Brimanuus verfaßten Uebersetzungen des Talmud ganz einfach abgeschrieben oder unterschrieben. Im vorigen Jahre unternahm es die Buchhandlung Schuhmacher in Innsbruck, eine vollständige Uebersetzung des Talmud zu veranstalten. Es wurde ihr seitens der Regierung eine Subvention von 2000 fl. bewilligt, und zwar mit der Motivirung, das; cs der Regierung von Wichtigkeit sei, die religiösen Satzungen eines Volkes zu kennen, welches in bedeutender Zahl in Oesterreich angesiedelt ist. Mit der Abfassung dieser Uebersetzung wurde auf Anrathen des Professors der Theologie in Innsbruck, vr. Bickell, dessen Gutachten abverlangt wurde, vr. August Brimannus betraut. Brimannus hat auch die Uebersetzung begonnen, wurde aber an der Fortsetzung des Werkes verhindert. Zur Zeit, als Brimannus mit der Uebersetzung beschäftigt war, machte er die Bekanntschaft des aus politischen Prozessen be-; kannten Vertheidigers in Strafsachen, vr. Friedrich Elbogen, j der in seiner Eigenschaft als Vertheidiger mit ihm in Bej rührung kam. Brimannus machte bei dieser Gelegenheit