Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Date
- 1885-05-19
- Page
- Seite 342 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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843 Dr. Elbogen mancherlei Mittheilungen über seine Wissenschaft-' deuteten sehr ähnlich sein muß, das geht aus dem folgenden, liche Thätigkeit, sowie über die Beziehungen, in denen er zu uns im Original vorliegenden Briefe des Professors Rohling den verschiedenen Autoritäten der antisemittschen Literatur an Brimannus hervor, der sich aus den noch schwebenden stand, insbesondere auch zu Professor Rohling in Prag, und Ehrenbeleidiguns'Prozeß zwischen Professor Rohling und dem in dem Besitze des Dr. Elbogen befinden sich zwei Briefe des ehemaligen Abgeordneten Dr. Bloch bezieht: Dr. Brimannus, welche namentlich über diese Seite seiner' Beziehungen lehrreiche Auskunft geben. Der eine dieser Briefe des Dr. Brimannus an Dr. Elbogen, in dessen Original uns von dem Letzteren freundlich Einsicht gestattet wurde, lautet: Geehrter Herr Doktor'. Um der Wahrheit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sehe ich mich zu folgender Mittheilung über die Person des Herrn Professors Rohling veranlaßt. Herr Professor Rohling nahm im Jahre 1884 mehrere Monate hindurch bei mir Unterricht in Talmudicis, wofür er mir meinen ganzen Unterhalt gab. Der Unterricht bestand anfangs darin, ihn im Lesen der rabbinischen Schriften zu unterweisen, dann aber begann ich mit ihm die leichtesten Stellen aus dem Traktate ,Aboda Zara“ zu übersetzen. Doch mußte ich das Unterrichten aus diesem Grunde aufgeben, weil das Lesen der rabbinischen Schriften dem Herrn Professor Rohling so schwer fiel, daß an eine Möglichkeit, ihm die Fähigkeit des Uebersetzens jemals beizubringen, nicht zu denken'war. Merkwürdigerweise veröffentlicht er, während ich ihn unterrichtete, zwei Broschüren, in denen viele hundert Citate aus solchen Büchern vorgeführt sind, deren Originalschrift er nicht einmal zu lesen im Stande ist, z.B. „Sohar", „Schepha Tal" u. dgl. Dies ist so sehr der Fall, daß Herr Professor Rohling sich genöthigt sah, mir die inliegende, ihm zugekommene Karte (dieses Wort ist durchstrichen und dafür „Zeitung" gesetzt) zur Uebersetzung einzusenden, weil er dieselbe nicht übersetzen konnte. Hochachtungsvoll 23. Januar 18^5. Dr. Brimannus. Ohne Datum. Mein Lieber'. Dr. Pattai (der bekannte Anttsemit) ist hier und sagt, daß gegen Bloch vor Gericht der Beweis der Wahrheit geführt werden muß, und wie ist das möglich, wenn Sie nun fvrtgehen? Sie müssen mit nach Wien. Der Prozeß wird im Jänner oder Feber sein. Wollen Sie also nicht bis Ostern ganz hier bleiben? Ich verpflichte mich, zu sorgen, daß Sie ein guter Dootor Medicinae werden sollen, auch wenn Sie dieses eine Semester verlieren. Ich bitte also nicht abzureisen, sondern hier zu bleiben oder aber, sich in Würzburg blos einschreiben zu lassen und dann gleich wieder hierher zu kommen. Ihr treuer Freund! Unterzeichnet mit hebräischen Buchstaben:!Noda. — Der Bekannte — Notns. Eine uns gleichfalls im Original vorliegende Postkarte des Professors Rohling an Dr. Brimannus hat folgenden Wortlaut: Correspondenzkarte Poststempel Prag, 11. März 1884. Sr. Hochwohlgeboren Herr Dr. Aug. Brimann, Kreuzstraße 4, in Münster, Westphalen. Carrissime! Ich habe die beiden letzten wetthen Schreiben erhalten, war aber leider kürzlich recht leidend und kam daher nicht zum Schreiben. Da Sie schon am 15. nach D. machen, was sehr gut ist, so will ich dorthin ausführlich schreiben, sobald Sie angelangt sein werden und Ihre Adresse in meinen Händen sein wird. Enthält Dr. E.'s „Beleuchtung des Lxseulum" auch die Stelle aus balguthim? (Es wäre das sehr gut, natürlich wenn er in sensu nostro spricht (was l wohl der Fall sein wird). Sie haben wohl zu dieser „Be- Dicsem Briefe lag ein Exemplar einer hebräischen Zei- ’ leuchtung" mitgewirkt! Gut, recht gut. Näheres später. Bon tung bei, welche eine (in hebräischer Sprache abgefaßtc Kritik, R. erwarte ich noch täglich die betreffende Nachricht; ich von Schriften des Professors Rohling enthielt. In einem! glaube daran, daß sie in meinem Sinne -ausfällt. zweiten Briefe des Dr. Brimannus an Dr. Elbogen mit Bezug auf Professor Rohling, äußert sich Brimannus über eine ihm in Aussicht stehende Eidesleistung „der guten Sache willen". Welche Glaubwürdigkeit diesen schriftlichen Mittheilungen des Dr. Brimannus über Professor Rohling zugekommen, ist schwer zu entscheiden. Daß aber Brimannus mit Rohling in Beziehung, und zwar in naher Beziehung, stand, daß diese von einem Verhältnisse herrührte, welches wenigstens dem in dem ersten Briefe des Brimannus ange-! Herzlichen Gruß. Prag, 12. März. A. Rsr.