Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Date
- 1885-05-19
- Page
- Seite 339 (sequence 11)
- Language
- German
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sss Seetengründer zu Kisch inew, öffentlich zum Christenthum und! zwar in die Congregations-Kirche übergetreten ist, und so wird denn jetzt der ins Abenteuerliche ausgebauschte Schwindel der frommen Herren aus der Mission, und das Geschwätz von einer christlichen Bewegung unter den südrussischen Juden! wohl ein Ende nehmen. Wie die „Nowosto" versichert, fei Rabbinowitz mit großen Geldsummen aus dem Ausland zurückgekehrt, um wiederum seine Thätigkeit als christlicher Missionär im großen Stil zu eröffnen. (Wieder Schwindel — in welchem Auslande giebt man einem solchen Helden große Summen?.') In der kaukasischen Section der hiesigen kaiserlichen geographischen Gesellschaft hielt Herr Seljennicz einen Bortrag über Afghanistan und Transkaukasien, in welchem er unter Anderem zu beweisen suchte, daß die Afghanen jüdischer Herkunft wären. — In den noch erhaltenen 3 oberen Cursen der hiesigen medicinischen Hochschule für Frauen befinden sich Curs HI 17 Studentinnen, von denen 6 Jüdinnen, in „ IV yo „ „ „ 37 in „ V 106 „ „ ., 36 finb. Bulgarien. Sofia, im April. Es ist schmählich, daß im Itt. Jahrhundert noch jene scheußliche Fabel vom sogenannten rituellen Gebrauche des Blutes seitens der Juden in der christlichen Bolksmafse so weit verbreitet ist und immer von Neuem wieder Gefahren für die Juden und für die öffentliche Ordnung hervorbringt. Allerdings wäre es die Aufgabe aller christlichen Geistlichen und Lehrer, in der Jugend schon diese Fabel auszurotten. Aber nur selten zeigt es sich durch die Thal, daß jene diese Ausgabe zu lösen, diese Pflicht zu er-? füllen geneigt sind. In Sofia kam cs am 2. Ostertage vor, daß ein achtjähriges Mädchen italienischer Nationalität verschwunden war. Die Eltern drangen mit einem Gcnsdarm sofort in die Häuser der benachbarten Juden, fanden aber natürlich keine Spur. Dennoch stießen sie die heftigsten Drohungen gegen die Juden aus, wenn sie ihnen ihr Kind nicht wieder schafften und suchten das Volk aufzuwiegeln. Glücklicher Weise kam am anderen Morgen ein Grieche ins Zudenquartier und ließ sich dahin aus, daß das Kind sich in einem benachbarten Dorfe befinde. Die Juden arretirten den Griechen und führten ihn zur Polizei. Der italienische Generalconsul, von der Sachlage unterrichtet, begab sich sofort mit seinem Dragoman, seinen Kawassen und einem Polizisten nach dem Dorfe und brachte das Mädchen seinen Eltern zurück, indem er ihnen zugleich Vorwürfe machte, daß ste jenem unsinnigen Geschwätz Glauben geschenkt hätten. Bei der Untersuchung ergab sich, daß jener Grieche selbst das Kind nach dem Dorfe gebracht hatte, doch ist das Motiv, das er bei seinem Verfahren hatte, noch nicht aufgeklärt. So lautet der Bericht über diesen Vorfall, den das Central- Comite der Alliance erhielt und in seinem Aprilbulletin mittheilt. Afrika. Zanzibar, 25. März. Die Arch. isr. enthalten folgende interessante Correspvndenz von hier: Seit dem letzten Briefe, den ich Ihnen gesandt, hat unser Handelsplatz an Wichtigkeit gewonnnen. In Folge dessen hat sich auch die Zahl der Israeliten vermehrt: wir sind gegenwärtig hier sieben europäische Israeliten, mehr als? zehn Bein-Israel und zwei oder drei Glaubensgenossen aus j Aden. Diese Zahl ist noch nicht ausreichend, um eine Ge-; meinde zu bilden, und ist es um so weniger, als die Unterschiede zwischen den beiden Riten, Aschkenasim und Sephardim, noch sehr lebhaft hier sind, während in den großen j europäischen Städten sie fast ganz verschwunden sind. Nichts-! destoweniger wird der Augenblick früh oder spät, dessen bin! ich gewiß, ci»treten, wo wir in Zanzebar eine offizielle jü- 1 bische Gemeinde haben werden. — Nach der Abreise des I französischen Consuls, die jüngst stattgefunden, vertritt ihn! sein Kanzler bei seiner Hoheit den Sultan und als provi-; sorischen Kanzler hat man H. Fleury, einen hier wohnenden israelitischen Kaufmann, gewählt. Seit der Congo-Conserenz haben die Deutschen ein begehrliches Auge auf unsere Gegend geworfen: mit der Zähigkeit welche sie charakterisirt, haben sie schon einen Theil der Provinz, Ouzagara, aunectirt, das dem Sultan von Zanzebar gehört. Möge die Wunde des Antisemitismus nicht in unser Land herübergebracht werden. Denn bis jetzt haben wir immer friedlich gelebt, ohne den Racenhaß zu kennen. Der Sultan ist sehr tolerant, die Hindus, Anhänger von Zoroaster, Parsen, Muselmänner und Israeliten haben immer in Frieden zusammen gelebt. Sagen wir wie die Araber: Allah Kerim. I)r. Gregory d'Arbella Arzt Seiner Hoheit des Sultans von Zanzebar. Bonn, 10. Mai. (Notizen.) In Berlin verschied der Buch- und Antiquariatshändler Stargardt, der sich als Kunstkenner und Autographensammler eines großen Rufes erfreute. Am 3. d. M. wurde er unter zahlreicher Betheiligung beerdigt. Im Trauerhause, Markgrafenstraße 48, fand vorher eine Gedächtnißfcier statt, zu der sich neben den Angehörigen, Vertreter aus Gelehrten-, Kunst- und Buchhändlerkreisen und der Vorstand des Berliner Fröbelvereins, dem? die Gattin des Verstorbenen angehört, eingesunden hatten.! In der zahlreichen Trauerversammlung hielt Prediger Dr. 21*