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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-19 · Heft 21 (19.5.1885) · p. Seite 338

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 21 (19.5.1885)
Date
1885-05-19
Page
Seite 338 (sequence 10)
Language
German
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333 dem bestehenden jüdischen Confeffionsschulen geleistet. Nicht minder sucht die Allianz das Handwerk unter der jüdischen Jugend Galiziens zu fördern. So votirte fie der Bernsteinstiftung in Lemberg zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden 10,000 Fl., um die Zahl ihrer Zöglinge vermehren zu können, was ihr bereits mit 25 neuen Zöglingen gelungen. Auch hier muß man auf Nachfolge rechnen. In richtiger Einsicht sieht die Allianz als eine der nächsten Hauptaufgaben an, Lehrerbildungsanstalten in Galizien in's Leben zu rufen. Dem standen bis jetzt die traurigen Parteiverhält nisie entgegen. Die Bemühungen hatten den Erfolg, daß der Lemberger Cultusrath eine Eingabe, betr. einer dort zu errichtenden Lehrerbildungsanstalt von vier Jahrgängen, höheren Orts eingebracht hat. Die vorläufigen Erhaltungskosten sind auf 7410 Kl. jährlich veranschlagt und wird die Allianz hierzu einen beträchtlichen Beitrag geben. — Biele Mühe und Kosten verursachten der Allianz die rumänischen Fluchtlinge, welche durch die grausamen Beschränkungsgesetze der rumänischen Regierung und Kammern in die Ferne zu fliehen gezwungen waren. Sie Tauglichen unter ihnen wurden nach Amerika gefördert, die Untauglichen mit entsprechenden Beträgen in ihre Heimath zurückgeschickt; Kinder wurden mit Uebereinstimmung der Eltern diesen abgenommen, um dem Handwerke zugefuhrt zu werden. Dem Hilfscomitö in Amsterdam wurden 2500 Fr. Unterstützung votirt. — Alle diese Bestrebungen verhinderten die Allianz nicht, inländische Gemeinden zu Schul- und Erziehungszwecken zu unterstützen. ES wurden hierzu ca. 2o0oFl. verwendet. — Solche Leistungen lassen erwarten, daß die Zahl der Mitglieder sich immerfort vermehre. Diese Erwartung hat sich erfüllt; gegen 2256 im Vorjahre beläuft sich gegenwärtig die Zahl der Mitglieder aus 2720. Dies ist höchst erfreulich; noch ersreulicher wird es fein, wenn das Anwachsen des Vereins sich in der nächsten Zeit dem Umfange nähere, den die Allianz haben könnte und sollte. In dem Verzeichuiß der Mitglieder nimmt natürlich Wien die Hauptftelle ein und reicht von Nr. 1727 bis zu Nr. 230ll. Doch auch einige Städte der Provinzen geben eine stattliche Anzahl von Mitgliedern, namentlich ist Triest hervorzuheben (von Nr. 1478—1538). Eine klägliche Rolle spielt Ungarn hier, das nur wenige Städte im Berzeichniß erscheinen läßt und z. B. aus Pest mit seiner großen Gemeinde kein einziges Mitglied aufweist! Wir können nicht unterlassen, den Männern unsere Anerkennung auszusprechen, die diesem wohlthätigen Werke ihre Kräfte widmen, besonders dem verehrungswürdigen hochbetagten Präsidenten Joseph Ritter v. Wertheimer. Möge es demselben noch lange vergönnt sein, den Vorsitz und die Leitung der Allianz mit voller Kraft zu führen! Prag, im Mai. Tie israelitische Cultusgemeinde in Prag hat sich der diesbezüglichen Forderung des Vereins „£r Tomid" entgegenkommender erwiesen und gestattet, daß der Religionslehrer vr. Bondy in einem eigens hierzu bestimmten Gebethause für die Mittelschüler den Gottesdienst in czechischer Sprache verrichte. Die erste czechische Exhorte hat schon stattgefunden, wobei die erste czechische Predigt in einer Synagoge gehalten wurde. Krakau, 3. Mai. (N. Fr. Pr.) Die Mutter der Rachel Stieglitz begiebt sich demnächst nach Wien, um eine Audienz beim Kaiser zu erwirken, damit ihr eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter ermöglicht werde, deren bisherige Aussage vor Gericht unter geistlicher Presiion stattgefunden habe. Heinrich Morgenstern hat von seinen Verwandten in Deutschland Briefe erhalten, worin ihm dringend gerathen wurde, sich wegen seiner Tochter an den deutschen Kaiser zu wenden. AuS Ungarn, 10. Mai. (Privatmitth.) Mit Recht haben Sie die Angelegenheit des Ritters Popper bis jetzt unerwähnt gelaffen. Denn da dieser Herr bei seiner event. Verheirathung mit einer Katholikin die schriftliche Erklärung abgegeben, daß er seine Kinder in der katholischen Religion erziehen lassen wolle, besitzt er für uns kein specielles Inter - effe mehr. Da aber die Dinge eine tragikomische Wendung genommen und für unsere Zeit gewisse bezeichnende Züge bekunden, so möchte hier ein kurzer Bericht an der Stelle sein. Der Vater der katholischen Braut in Paris wandte sich an den Papst um Dispens zur kirchlichen Trauung. Fünf Monate beschäftigte sich die betr. Congregation mit der Sache, also gewiß mit reiflicher Prüfung, und empfahl dem Papste die Ertheilung des Dispenses. Dieser Unterzeichnete denselben und ließ ihn dem Vater übersenden, der ihn im erzbischöflichen Palaste zu Paris übergab. Plötzlich kamen zwei Telegramme des päpstlichen StaatSsecretärs Jacobini, welche meldeten, daß der Papst den Dispens widerrufe und zurücknehmc. (Io der Bericht des Vaters in französischen Blättern.) Unterdeß hatte der Primas der katholischen Kirche in Ungarn ein ausführliches Gutachten veröffentlicht, in welchem ec nachwies, daß, sobald der Papst Dispens ertheilt hat, auch nach dem ungarischen Staatsrechte die Mischehe gültig sei. Demungeachtet erklärte der ungarische Justizminister Pauler, daß trotz des Dispenses des Papstes die gedachte Ehe in Ungarn ungültig sein werde. Das ungarische Staatsrecht steht hierin noch auf dem Standpunkte des Kaisers Constanttus, der im Jahre 33l) die Ehe zwischen Juden und Christen bei Todesstrafe verbot. Natürlich den Tod erspart man selbst in Ungarn etwaigen Zuwiderhandelnden. Der Widerruf des Dispenses enthebt diese Herren weiteren Verlegenheiten; die Streitfrage bleibt natürlich bestehen. Nußland. Petersburg, 6. Mai. (Privatmith.) Sie haben wohl schon die Mittheilung erhalten, daß laut offizieller Berichte der Regierungsorgane, Josef Rabbinowitz, der Reformator und

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