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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-19 · Heft 21 (19.5.1885) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 21 (19.5.1885)
Date
1885-05-19
Page
Seite 334 (sequence 6)
Language
German
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334 dern bilden können. Jndeß steht Regierung und die große Majorität des Reichsrathes auf Seiten des Rechts und der wahren Landesverhältnisse, und da diese beiden Faktoren aus dem Willen der Nation hervorgehen, können wir auch in Ungarn der Zukunft ruhig entgegensehen. — Die ungarische Regierung machte auch den Versuch, die dortigen Bekenner des Judenthums in eine gewisse Organisation zu bringen. Es wurde ein jüdischer Congreß berufen, um einen desfallsigen Statutenentwurf zu Stande zu bringen. Bald aber zeigte sich die Spaltung zwischen den Orthodoxen und den Reformern in so nachdrücklicher Weise, daß, da die Orthodoxen die Minderzahl bildeten, diese aus dem Congresse ausschieden. Der hauptsächlichste Anstoß hierzu lag darin, daß der Congreß die Gründung eines Rabbinerseminars in Aussicht nahm, die Orthodoxie aber hierin eine große Gefahr für sich sah. Der Congreß brachte demungeachtet seine Arbeit zu Ende, und der ganze Organisationsplan wurde vom Könige (Kaiser) genehmigt. Doch die Orthodoxen ruheten nicht, sondern bestürmten durch Petitionen das Abgeordnetenhaus gegen die Organisation. Dieselben radikalen und liberalen Mitglieder des Abgeordnetenhauses, welche gegenwärtig am meisten die jüdische Orthodoxie schmähen und den Juden einen Vorwurf aus ihr machen, stimmten damals zu Gunsten der Orthodoxen. Durch das Votum des Abgeordnetenhauses wurde die Spaltung zwischen den Congreßgemeinden und den orthodoxen Gemeinden sanktionirt, und es ergab sich daraus bald eine dreifache Trennung, da eine nicht geringe Anzahl Gemeinden weder der einen noch der anderen Partei sich zugesellen, sondern im 8tstu quo verbleiben wollten. Das einzige Zugeständiß, welches den Congreßgemeinden gemacht wurde, bestand in der Errichtung des Landesrabbinerseminars in Pest, das aus den Zinsen des aus der Haynau'schen Strafcontribution herrührenden jüdischen Landesmasiafonds erhalten wird. — Wir hätten von Ungarn aus am nächsten nach den früheren Donaufürstenthümcrn, dem jetzigen Rumänien zu wandern. Aber es widersteht uns durch und durch, die unselige Geschichte der rumänischen Juden abermals ins Auge! zu fassen, und die unerhörten Vorgänge, die sich dort abi gespielt haben, auch nur zu skizziren. Auch sind sie in der! neuesten Zeit so oft in die Erinnerung gebracht worden, daß j wir dessen enthoben sein möchten. Im Jahre 1848 zwar! hatten auch die Rumänen — wie sie damals allerdings noch > nicht hießen, das Gelüste, die Liberalen zu spielen. Am! 24 Juni wurde die Gleichstellung der Juden von den Für-! sten derselben angenommen. Wer berücksichtigte dies aber im! Lande selbst? Rumänien hat stets eine Doppelmaske, eine | für Europa, eine im eigenen Lande — denn da wird auch! Alles maskirt. Im Laufe der Zeit traten blutige Verfol-! gungen der Juden auf, und zwar meist von Beamten in Scene gesetzt. Man wurde im übrigen Europa aufmerksam hierauf und erklärte sich mit großer Entrüstung gegen diese mittelalterlichen Scenen. Dies aber war es, was die Führer der Rumänen aufs Aeußerste erbitterte, so daß sie den Juden den Untergang schworen. Europa that mehr. Auf dem Berliner Congreß wurde feierlichst für die Anerkennung des rumänischen Staates als unumgängliche Bedingung festgestellt: die Gleichstellung aller Nationalitäten und Religionen. Die Rumänen beeilten sich, diese Bedingung durch Aufnahme in ihre Verfassung zu erfüllen, gleichzeitig aber alle Juden für „Fremde" zu erklären, die der Verfassung gegenüber rechtlos seien. Die europäischen Mächte durchschauten wohl das Spiet, das die Rumänen mit ihnen spielten. Aber Rußland und Oesterreich waren sofort bei der Hand — wie sie früher in ihren Handelsverträgen die Juden ihrer Länder ausschlossen — die Selbständigkeit Rumänieus trotzdem anzuerkenncn, und die übrigen Mächte sahen sich hierdurch in die Lage gebracht, die Anerkennung ebenfalls auszusprechen. Die Rumänen benutzen fort und fort diesen Zustand, um die drückendsten Ausnahmegesetze gegen die Juden zu schmieden. Das Charakteristikum für Rumänien wird noch lange Zeit bleiben: wie Crsmieux an dem einen Tage in Bukarest eine begeisternde Rede für Humanität und Recht hielt, und die Antwort darauf am folgenden Tage die Zerstörung der neuen Synagoge war! — I (Schluß folgt.) Deutschland. der früheren RabbinerVersammlungen und der Synoden, und j fanden deshalb die Verbreitung nicht, die sie verdienten. Der Berlin, 5. Mai. (Privatmitth.) „Spät kommt Ihr, 1 vorliegende Bericht giebt in sehr übersichtlicher Form Alles, doch Ihr kommt!" Soeben sind die „Verhandlungen und Bewas auf diese Versammlung Bezug hat. Erfahren wir desschlüsse der Rabbiner - Versammlung zu Berlin am 4. und halb nichts Neues aus ihm, so bringt er doch die trefflichen 5». Juni 1884" im Druck erschienen. (Berlin, Walther u. Apo- Reden, die bei dieser Gelegenheit gehalten wurden, und heben laut 188») Ob dies nicht etwas zu spät für das Interesse wir insonders die Joel's, Landau's, Maybaum's und Golddes Publikums ist? Dasselbe Schicksal hatten die Protokolle schmidt's hervor. Aus dem Anhänge ersehen wir, daß das

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