Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1885)
- Date
- 1885-05-19
- Page
- Seite 333 (sequence 5)
- Language
- German
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■I j I i 1 v: 333_ Nun giebt es jedoch im Ungarlande keine Körperschaft, befinden würde. Auf dem Pester Landtage von 1861 sprachen stehe sie als Nationalität oder als Religionsgenoffenschaft, > sich die bedeutendsten Politiker wie Franz Deal, Coloman welche sich seit mehr als vier Decennien fügsamer an btej$Sij3a und Andere energisch für die Gleichstellung aus; aber Magyaren angeschlosien hätte, als die Juden. In den! eine Folge wurde diesen schönen Reden nicht gegeben. Im Kämpfen von 1848 und 184$) strömten Juden mit solchem Jahre 1865 dieselbe Erscheinung: die Obergespane bei der Eifer zu der ungarischen Armee und strebten politisch so Eröffnung der Comitatssitzungen und viele Candidaten zum nachdrücklich mit den Magyaren, daß sich der österreichische Reichsrathe erklärten sich energisch zu Gunsten der Emanci- Felvherr nach der Niederwerfung der Ungarn berechtigt pativm Doch es zog sich immer wieder von Neuem hin. und glaubte, den Juden eine besondere Strafcontribution auszu-erst am 1. December 1867 konnte berichtet werden, daß der erlegen. Bon da ab griff gerade bei den Juden die Maungarische Ministerpräsident ^ndraffy einen Gesetzentwurf vorgyarisirung vermittelst der Sprache im stärksten Maße um i gelegt habe, welcher die Gleichstellung der Juden ausspricht, sich, so daß wir uns veranlaßt sahen, über diesen Gegenstand! Hier aber müssen wir zur Ehre der Ungarn hervorheben, drei Sendschreiben an die ungarischen Juden zu richtenj daß wohl selten ein wichtiges Gesetz mit solchem all- <Nr. 32, 33, 34 des Jahrg. 1850), ja daß sie hierdurch gemeinen Eljen-Rufe ausgenommen und so rasch und mit sogar eine feindselige Stimmung bei den Slaven und Serben; solcher Einmüthigkeit votirt worden ist. In der Sitzung vom hervorriefen. Diese Tendenz ist fortdauernd von ihnen 20. December wurde der Gesetzentwurf und das Referat der so gepflegt worden, daß die Ungarn selbst gestehen müssen, Centralcommission verlesen. Der erste Paragraph lautete nach in keinem anderen Volkselemente habe die magyarische Sprache! der von der Commission beantragten Abänderung: „Die israe» in Schule, Haus und Literatur so umfassende Fortschritte litischen Landesbewohner werden zur Ausübung aller bürgemacht wie bei den Juden. Demuugeachtet konnten sich die: gerlichcn und politischen Rechte für gleichmäßig berechtigt Magyaren erst spät entschließen, die politische Glcichberechmit den christlichen Bewohnern erkärt." Coloman Tißa las tigung der Juden auszusprechen. Selbst am 1. März 1848; als Referent den Bericht der Commission vor und befürverneinte das ungarische Parlament noch das Wahlrecht dcr^wortete denselben in kurzer schlagender Weise. Man ließ Juden. Am 23. März sprach dasselbe die Emaucipation der j eine fernere Debatte nicht zu, das Gesetz wurde auch in der Juden aus, verschob aber die praktische Durchführung auf die j Specialdebatte angenommen, wie auch in der dritten Lesung. Zukunft — also eine Redefarce. Am 5. August votirte es J Im Oberhause waren cs nur vier Mitglieder, die mit Nein in gleicher Weise. In der letzten Stunde des nach Destimmten. Von der Bischvfsbank her ertönten die lautesteu breczyn verjagten Parlaments entschloß sich dasselbe, die Rufe der Zustimmung und unter jenen vieren war kein ein- Gleichstellung der Juden wirklich zu votiren. Dies war aber ziger Bischof. Allerdings waren hiermit wohl die Juden, nur ein Schlag ins Wasser, denn eine Folge hatte dieser nicht aber das Judenthum selbst von den Fesseln befreit, die Beschluß nicht. Es glich darin den polnischen Aristokraten, ihnen eine dunkle Zeit anglegt hatte. Das Judenthum war die immer im letzten Augenblicke ihrer revolutionären Auf durch dieses Gesetz noch immer nicht zu den „recipirten", stände die Emancipation der Bauern und der Juden prokla. sondern zu den „geduldeten" Religionen oder Kirchen gemirten, als dies eben ohne alle Wirkung bleiben mußte, rechnet. Es darf noch heute in Ungarn kein Uebertritt zum Wenn nach dieser Zeit die ungarischen Jueen die Freizügig- Judenthum und ebenso wenig eine Mischehe stattfindcn, und keit, die Gewerbefreiheit und die Fähigkeit, Grundbesitz zu eine Vertretung bei den Sraatsbehörden ist ihm nicht gecrwerben, erhielten, so empfingen sie diese früher ihnen vorwährt. Also neunzehn Jahre nach dem ersten Votum des enthalten Rechte nicht aus den Händen der Magyaren, sonungarischen Parlaments kam endlich das Gesetz zu Stande, dern von der Wiener Regierung. Erst im Jahre 1860 kam und die Inden haben es seitdem nicht unterlassen, sich deswieder Bewegung in die Ungarn, und die Juden betheiligten selben werth zu zeigen. Auf allen Gebieten des öffentlichen sich abermals daran, indem sie sich sogar in fanatischer Weise Lebens, wie auch im Parlamentarischen, in Wissenschaft, für die Magyarisirung aussprachen, die deutschen Lehrer ihrer Kunst, Industrie und Gewerbe haben sich viele Juden aus- Schulen zum Theil absetzten und sogar die Rede ging, man gezeichnet und Verdienste erworben. Daß jedoch hiermit das wolle in Pest den deutschen Rabbiner Dr. Meisel zur Nieder- Vorurtheil des Volkes gegen die Juden und in den gebillegung seines Amtes bewegen, was jedoch nicht geschah. Am deten Kreisen insbesondere eine feindselige Mißgunst nicht 10. December dieses Jahres feierte man in Pest ein Berbrüverschwunden ist, vielmehr nach einer kurzen Periode des derungsfest zwischen Christen und Juden. Andrerseits suchte Enthusiasmus sich wieder ansammelte, haben die jüngsten Borman von magyarischer Seite die Gleichstellung zu hintergänge genugsam erwiesen. In keinem anderen Staate — treiben, indem man die Furcht verbreitete, daß, wenn diese Rumänien natürlich ausgenommen—hat sich im Parlamente ausgesprochen würde, im Volke eine aufständische Bewegung statteine antisemitische Fraction, wenn auch nur von ca. 2 > Mitglie-