Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1885)
- Date
- 1885-05-12
- Page
- Seite 324 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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324 blieb 5 6 7). Jene obengedachte Erfahrung wurde nun dahin erklärt, daß die Gottheit sich zu ihren Influenzen der bekannten, der Einbildungskraft gewöhnlichen Bilder, als Mittel bediene, um schnellere Auffassung und beffere Verständlichkeit zu bewirken; denn es werde ja auch beim Prophetism auf die Individualität des Propheten Rücksicht genommen. Diesem Umstande wurde es auch zugeschrieben, daß ein göttlicher Traum nie ganz in Erfüllung ginge; denn wäre die Phantasie erst einmal in Thätigkeit gesetzt, so könnte auch der gegebene Stoff nicht mehr rein in der Darstellung bleiben, sondern mit eigenem Schmuck und zufälliger Affociation durchwebt erscheinen e). Um Weitläufigkeit zu vermeiden, werde ich nun, statt alle daselbst in Menge aufgezählte specielle Auslegungen anzuführen, von jeder Art, der, hier nach den verschiedenen von ihnen abstrahirten Erklärungsgründen eingetheilten und geordneten Auslegungen, einige Beispiele herausheben. a) Analogie der Sache. Hierher gehören alle concrete Bilder für gedachte Berhältniffe. Eine Höhe z. B. im Traume ersteigen, war Zeichen einer Standeserhöhung, sie hinuntersteigen, das einer Erniedrigung; Olbäume, ein Bild der Fruchtbarkeit an Nachkommen >); Olivenöl deutete ihnen aus klares Wissen als Stoff zum Lichte der Einsicht. (Auch hielten die Alten das Olivenöl für ein Mittel zur Stärkung des Gedächtnisses). Alle Getränke, heißt es ferner, sind von guter Vorbedeutung (als Zeichen des Ueberflusies), außer Wein, indem er oft nur als betäubendes Mittel gegen Kummer und Sorgen gebraucht wurde, also — der Lage des Träumenden nach — ein böses Omen war; u. dergl. m. d) Analogie vermittelst Wortbenennung. Wer eine Leichenrede im Traume sieht, heißt es dort, dem bedeutet es, daß der Schutz des Himmels ihn aus einer Gefahr befreie; weil das hebräische “scn sich in cn (schützen) und (erlösen) wie ein Syncop zerlegen läßt. Ferner: Alle Farben sind von guter Bedeutung, außer der himmelblauen; weil das hebr. -?zr<, mit veränderter Punctation 5) Wie wenig die Rabbinen dies verhehlen wollten, Zeigen imnr andern folgende Stellen: ßerach. f. 55. o'~"2 •rs^r.T z'b~ n djt z'bzrrrz vn rrc'.iv: '~r:ü -rrr.vi -rs r: 'b ~T€tr rc: 2^3 ^\\; seiner f. 56. wo von dem Tromnveuler Barhadia erzählt wird, daß er dem bezahlenden Abbai seinen Traum gut, ebendenselben Traum ab: r dem für die Auslegung nicht zahlenden Rabbi übel ausgelegt. 6) Ties war nämlich die Meinung des gelehrten R. Simon Sohn Iochai, der dies nach einem Vorgefundenen Gleichnisse in der Schrift solgendergestalt onsdrückte: >>^>2 ~2^> ~5FD'N wk* OZ’Z □'✓B2 “ZTi “tPS'N w "piEn Der Kern kann ohne Hülle nicht erscheinen. Gemeinerem Haufen gehörte die Meinung an, daß wahre Träume von guten Engeln, räuichrutc von bösen Dämonen wären. S. ibiä. f. 55. a. Z. 2. v. nuten. 7) Bekanntlich wächst der Oelbanm wiedlr cns feinem Stocke hervor und erreicht so dvrch seine Sprößlioge ein ungeheures Aller. „Ende,, bedeutet. So deutet ein Rohr auf ein Erwerben (Weisheit u. s. w.); indem hebräisch -;p auch erwerben heißt, und in den Sprüchen von der Weisheit gebraucht wird; ein Palmzweig (zb'b) zeigt auf ein, dem Himmel ungetheilt zugewandtes Herz (2^ *r) u. s. w. 0) Seelen-Correspondenz. Berühmte Männer, die jemanden im Traum erscheinen, geben hierdurch die Verwandtschaft ihres Geistes zu erkennen, und der Träumende hat ähnliche Auszeichnung, ja ähnliche Schicksale zu erwarten. So läßt die Erscheinung des Rab. Juda Hanasi, genannt Rabbi, Weisheit (Gelehrsamkeit im Gesetz), des R. Elieser S. d. Asaria, Reichthum, des Ben Asai, Frömmigkeit, und des Ben Soma, Wissenschaft (cabbalistische) erwarten; so wie die des Elisa, genannt -ns, ewige Berdammniß, und des R. Jsmael S. d. Elisa (Oberpriester), zeitliches Unglück 8) u. dergl. Auch wurde noch durch An- , Wendung einer Stelle aus der H. S., worin des, den Gegenstand des Traumes bezeichnenden Wortes in vortheilhaftem oder nachtheiligem Sinne erwähnt wird, ausgelegt. Waren zwei sich in dieser Beziehung entgegengesetzte Stellen darin befindlich, so hing die Entscheidung lediglich vom Einfall oder Willen des Auslegers ab. Nach allem diesen stellten sie den Satz auf — sei es nun, um das ans einer zu festen Anhänglichkeit an ihren Ansprüchen leicht entstehen könnende oder vielleicht wirklich enstandene Unglück durch einen solchermaßen das Gemüth beherrschenden Traum zu vermeiden, oder sei es, damit ihre Theorie nicht von einer widersprechenden Erfahrung gefährdet werde (wiewohl von einigen bereits die zu erwartende Erfüllung auf einen Zeitraum von 22 Jahren 9) hinaus gerückt wurde) —, daß erst die wirklich erfolgte Deutung dem Traume Kraft und Realität gebe. Dies drückten sie in folgenden Sätzen aus:;—pc 5no1.- ^2 „Einnoch ungedeuteter Traum gleicht einem ungelesenen Briese" (der für den Empfänger ohne Wirkung ist), und: ~eh ~~n yzb-r: r-2*“;—; : 2 „Alle Träume richten sich nach dem Munde" (des Auslegers); so, daß ihrer Lehre nach selbst die verschiedenartigsten Auslegungen eines Traumes aus dem Munde mehrerer (Schriftgelehrten versteht sich) von Gewicht wären. Fürchtete sich nun jemand vor einem Übeln, so brauchte er sich nur ihn nicht auslegen, oder auch allenfalls gutheißen") zu lasten. 8) Einige Rabbinen wollten sogar eine solche Traumerscheinung eines großen Mannes durch anhaltendes Fasten nnd Ri: tung der Vorstellungskraft auf diesen Gegenstand erzwingen, was jedoch nicht immer den gewünschten Erfolg haue. S. Jerus. Tal. Chilaim f. 23. col. 2. 9) So viel Jahre nämlich als zwischen dem Traum Joseph's und seiner Erfüllung verflosten waren. 10) Gutheißung n^n nzion war eine zu eben diesem Behufe erfunden« Forrnel, die in einem von dreien Leuten ausgesprochenen Wunsche, daß der Traum sich zum Guten wenden möge, bestand. — Sehr deutlich spricht sich die Meinung der Rabb.in ihren Handlungen