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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-12 · Heft 20 (12.5.1885) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 20 (12.5.1885)
Date
1885-05-12
Page
Seite 323 (sequence 11)
Language
German
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Jahre 3000 FrcS. verausgabt. In Liffabon bestehen gegen-' wärtig vier Synagogen. — Aus Nordhausen schreibt man! uns, daß die Anerkennung des jüdischen Religionsunterrichtes als obligater Lehrgegenstand im Gymnasium durch die Aufnahme deffelben in die Censuren der Schüler stattgefunden. Bei der vom Rabbiner Dr. Gelbhaus in der Aula abgehal-- tenen Prüfung der Schüler war auch der Director des Gymnasiums anwesend. — Aus Gießen theilt man uns mit, daß der Rabbiner Herr vr. Le vi auf ein Glückwunschschreiben an den Fürsten Bismarck zu besten 70jährigemGeburtstage Aeuil Der Traum im Talmud. Eine der räthselhaftesten Erscheinungen in der Menschenseele ist der Traum. Seiner hat sich der Volksglaube und noch mehr der Volksaberglaube seit ältester Zeit bemächtigt uno ebenso haben frühzeitig die Philosophen ihre Erörterungen über diese bedeutsame Frage angestellt, und selbst Aristoteles hat darüber seine Meinungen in einer besonderen Schrift dargelegt. Jndeß saßt man den Traum weniger von der psychologischen Seite auf, als hinsichtlich der Bedeutung, die er haben könne und habe. Man legte ihn zu sehr einen weistagerischen Werth bei, eine Voraussagung oder doch Andeutung der Zukunft, als daß man sich nicht hierüber gerade eine gewiste Sicherheit verschaffen wollte. Es wird deshalb unsere Leser inieressiren, wenn wir hier einmal zusammenstellen, was die Talmudim und Midraschim gelegentlich über den Traum beibringen. Wir folgen hierin einer Abhandlung von L. Bernhardt im ersten Bande d<r „Zeitschrift für die Wistenschaft des Judenthums^, die 1823 unter der Redaction des vr. Zunz erschienen ist und dem betr. Capitel in der Schrift des vr. Gideon Brecher: „Das Transcendentale im Talmud" (Wien, 1850). Der Erstere versucht es, die Ansichten des Talmud in wistenschaftlicher Methode zu eruiren. Der zweite giebt mehr eine Sammlung der betr. Stellen. In der Abhandlung von Bernhardt heißt es: Werfen wir vorerst einen Blick auf das ihnen materiell, durch Beobachtung gegebene, um die von ihnen anfgestellte Theorie einer Traumdeutekunft, ihrem Wesen und Entstehen nach, bester verständigen zu können. „Dem Menschen werden im Traume", sagt Rab. Samuel der Nachmanide 1), „nur die ihn beschäftigenden Gedanken seines Herzens gezeigt." Hierauf bemerkt Raba: Allerdings, denn man sieht ja niemals 1) Babyl TaL Tract. Berach. £ 55 col. 2: ■£> "Hirnrio xix Tie Stütze dieses Satzes in der Schrift wird »n dem BerS Dan. 8. 2 -p3tPD by “SY'jri r-3« angegeben. ein freundliches Dankschreiben erhalten habe. Ein solches ward auch, wie man uns aus Buchau am Federsee berichtet, den beiden Töchtern des dortigen Rabbiners Weimann zu Theil, die folgendes Telegramm an den Reichskanzler gerichtet: „Zwei Bismarckbegeisterte Mädchen Lina und Jeanettchen Im fernen Federseestädtchen Gratuliren durch's Telegraphdrähtchen Dem größten der Diplomätchen." teton. eine goldene Palme, oder einen Elephanten durch ein Nadelöhr gehen. Merkwürdig ist die darauf folgende Erzählung eines Gesprächs, das zwischen Rab. Josua ben Chananjah, dem Repräsentanten rabbinischen Witzes, und einem Kaiser (Hadrian?) vorgefallen fein soll; denn es zeigt, daß selbst diese Erfahrung damals nicht allgemein bekannt war. -) Aus eben dieser Quelle floß auch die Bemerkung, daß dem Frommen (für sein Seelenheil stets besorglichen) kein angenehmer, und dem Lasterhaften (Wollüstling) kein unangenehmer Traum gezeigt werde. 3) Solchergestalt nun von der einen Seite, vermöge der H. S. an die Göttlichkeit und mithin Bedeutsamkeit der Träume hingewiesen, von der anderen Seite der Erfahrung aber auf natürliche Wirkungen zurückgewiesen, bewegte sich ihre Theorie zwischen diesen Grenzen. Diese beruhte nämlich auf folgenden Grundregeln: Dem Stande, Charakter, Lebensverhältnisse und jedesmaliger Beschäftigung des Träumenden gemäß, wurde eine Analogie zwischen den möglichen oder wahrscheinlichen Veränderungen und Bestimmungen in diesen und dem Traumbilde ausgesucht, und diese Beziehung, mochte sie auch nur in der Benennung, oder auch dann erst nach einer anagrammatischen Versetzung statt finden — auf die Auslegung angewandt4). wobei übrigens der Willkür des Auslegers noch ziemlich fteier Spielraum übrig 2) Die Erzählung lautet folgendermaßen: -.n->p ,-p^ n."“ *>nd nc‘n foits in 'Dum uthän yvrzr ~b -mri \xd~d ~\b mn bx ■’xo^rc s:n Nmxh ncy» ab'iZ) -irrn jonvi jooin:: „Ihr gebet vor, sehr weise zu sein, sagte der Kaiser zu R. Josua, nun so sage mir „roch, was sehe ich wobl (heute Nacht) inr Traume?" — „Du siehst, „erwiderte dieser, wie die Perser Dich dienstbar machen, berauben „und Dich ihr Bieh mit einem goldenen Stabe weiden lasten. Jener „dachte den ganzen Tag daran, und siehe des Abends erfolgte auch die Traumerscheinung." Ein Aehaliches wird von Samuel mit dem Perser-König Sapores erzählt. 3) cnxr,, nta ',\x~d ,« n*o n~sb ibid. — .jn cr6n Tn v~ , 4) Siehe autzer dem oben augeführteu Orte noch derns Tal. Tr. Maaser scheni f. 13. 20*

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