Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-12 · Heft 20 (12.5.1885) · p. Seite 322

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 20 (12.5.1885)
Date
1885-05-12
Page
Seite 322 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227576--42622-3311195
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

u. s. w. versehen, ihnen die Möglichkeit verschaffen, daß sie ein Stückchen Erde pachten können, das sie für eigenen Gebrauch, für Wintervorräche bearbeiten und anbauen können. Man könnte fie vielleicht verpflichten, die vorgeschossenen Summen in Raten zurückzuzahlen. Rumänien besitzt ferner fast gar keine Industrie, es bezieht die meisten, selbst die alltäglichsten Dinge vom Auslande. Die städtischen Juden eignen sich zu industriellen Arbeiten; man müßte eine praktische Industrieschule gründen, wo alle industriellen Erzeugnisse gelehrt und gearbeitet werden, deren Rohproducte im Lande zu finden find und die als Hausindustrie betrieben werden könnten. Rumänien würde — ist zu glauben — ein solches Unternehmen moralisch unterstützen, da feit Kurzem die Regierung bestrebt ist, eine Industrie im Lande zu gründen. Den städtischen Juden würde dadurch nicht nur eine neue Existenz gegründet werden, die Rumänien nicht ohne seinen eigenen Schaden stören könnte, sondern selbst die erbittertsten Feinde der Juden müßten vor diesen neuen Beweisen der Nützlichkeit der Juden ihrem Gekläffe Schweigen gebieten. Dies sind in Kurzem die Vorschläge, die unserer Ansicht nach geeignet wären, den unglücklichen rumänischen Juden zu helfen, mehr als momentane materielle Unterstützungen." rüichland. Dorpat, 24. April. (Privatmitth.) Mit Verwunderung las ich in Nr. 14 d. Z., daß hier in der Letzten Zeit „ein Judenkrawall, welcher beträchtlichen Schaden anrichtete und nur durch energisches Einschreiten der Polizei unterdrückt wurde", stattgefunden habe. Da ich seit August v. I. ohne Unterbrechung hier war und während meiner Anwesenheit Hierselbst keinerlei Ausschreitungen gegen Juden vorgefallen sind, so erlaube ich mir, hiermit die Wahrheit wieder herzustellen. Ich muß zugleich aus eine Jncorrectheit in Nr. 12 Hinweisen. Der mit dem Annenorden 2. Classe Lecorirte Bezirksamt in Petersburg heißt nicht Merlis, sondern Malis, und ist das gesperrt gedruckte Wort „Sekar4kein Eigenname — kann folglich nicht Hermann heißen —, sondern es entspricht dem lateinischen medicus, dem deutschen Worte: Arzt. E. B. C. Türkei. Coustautiaoprl, 25. April. (Indep. Beige). In den letzten Tagen war das Dorf Cadikieui, das am südlichen Eingang des Bosporus auf der asiatischen Küste liegt, der Schauplatz einer wahren Emeute der christlichen Bevölkerung gegen die Juden, welche das Viertel von Ael Deirmen, das einen Theil dieses selben Dorfes bildet, bewohnen; ein armenischer Krämer hatte an der Thür seines Ladens ein Kreuz mit Schmatz besudelt gefunden und hatte Grund zu glauben, daß eine israelitische Frau aus dem Viertel dieses Sacrilegium begangen habe. In einem Augenblicke war die ganze griechische und armenische Bevölkerung von Cadikieui auf den Füßen und große Menschenmaffen umstellten das Viertel mit der Drohung, Feuer anzulegen und auf jeden Fall die Austreibung der Juden verlangend, welche in diesem Viertel sehr zahlreich find. Steine wurden gegen die Hauser dieser Unglücklichen geworfen und alle Juden, die aus den Straßen betroffen wurden, bis auf's Blut von der Bevölkerung geschlagen. Die Polizei kam beim ersten Signal dieses Angriffs an Ort und Stelle an; aber die Menge wuchs und ihre Aufregung war so groß, daß die Behörde, welche glaubte, daß die Anwendung von Gewalt Unglücksfälle verursachen könne, selbst der Räuinung des Viertels beiwohnte. Die Juden, welche ihre Habseligkeiten und Lumpen hinwegtrugen, verließen ihre Wohnungen unter dem Schutze der Soldaten und Gensdarmen und flüchteten sich, wohin fie konnten. Alsbald war die Ruhe in Cadikieui wiederhergestellt und seitdem ist an Ort und Stelle eine Untersuchung eingeleitet worden, um einerseits den wirklichen Urheber der Profanation, welche all diesen Lärm verursacht, und andererseits die Aufwiegler dieses Volksaufstandes zu entdecken. Mehrere Arretirungen find schon vorgenommen und durch die Bemühungen der Behörde fangen die vertriebenen Juden an, in das Viertel von Jel Dettmen wieder einzuziehen, wo Posten'von Soldaten eingesetzt find, um fie nöthigenfalls gegen einen neuen Aufstand zu schützen. Bonn, 3. Mai. (Notizen.) Wir bemerken, daß in Nr. 18 unter den Notizen die Herrn Seligmann betreffende aus Paris zu datiren ist, was dort übersehen worden. — In Basel wurde unter 65 Candidaten Herr Arthur Cohn zum Rabbiner gewählt. — In den letzten Tagen sind drei Juden in Frankreich zu Unterpräfecten ernannt worden. — Ein feierliches Leichenbegängniß brachte jüngst zu Amster dam den letzten dortigen jüdischen Veteranen, der noch die! Schlacht bei Waterloo mitgemacht, L. G. Taz, zu Grabe. — I Man berichtet von einem Baron Astinoff, der sich zu Jaffa! durch seine Menschenfreundlichkeit auszeichnet und seine Wohl-! thätigkeit ohne Unterschied des Glaubens ausübt. Er unterhält auf seine Kosten ein Hospital, in welchem die russischen; Juden eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. In dem Parke um das betreffende Gebäude sieht man am Samstag Juden,; am Freitag Mohamedaner, am Sonntag Christen spazieren gehen, da derselbe dem gesammten Publikum geöffnet ist. — Der Gebrauch, daß die Wohlthätigkeitsanstalten jährliche Rechenschaftsberichte veröffentlichen, wird jetzt auch in Lissabon von dem, Vereine „Szomech Nophlim" beobachtet; so für das Jahr 1884. Der von einem Damencomitö verwaltete Verein, der 53 Mitglieder zählt, hat im verflossenen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.