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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-12 · Heft 20 (12.5.1885) · p. Seite 318

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 20 (12.5.1885)
Date
1885-05-12
Page
Seite 318 (sequence 6)
Language
German
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318 Prag ohne Besatzung, da Herzog Brzetislav seit Kurzem gegen Polen zu Felde zog; und so wurden auch hier die Juden, ungeachtet der wackere Erzbischof Cosmas sich der-! selben energisch annahm und gegen die gewaltsamen Taufen predigte, verfolgt und niedergemetzelt." — Und betrachten wir beide Eigennamen etymologisch, so finden wir, daß beide ursprünglich gleiche Bedeutung hatten. Denn Diet ist im Altdeutschen Volk, und mar ist im Altfriesischen -- mehr, Mehrer, so daß Dietmar Mehrer des Volkes bedeutet, und dieselbe Bedeutung hat auch Volkmar. Wahrscheinlich wurden in der Umgangssprache beide Namen öfters miteinander verwechselt, und so konnte es leicht kommen, daß der Verfasser unseres Manuskripts anstatt Volkmar Dietmar niedergeschrieben hat. — Was ich in derselben Anmerkung von Peter von Amiens sagte, wird in der zweiten Auflage, nachdem ich die Sache gründlicher untersucht, folgende Faflung erhalten: Bemerkenswerth ist es, daß gerade die Schaar der Kreuzfahrer, die sich um Peter von Amiens, den Eremiten, gesammelt und mit welchen er im Frühjahr 1096 in Köln das Osterfest gefeiert hatte, sich keine Ausschreitung gegen die Juden erlaubte, was wohl Peter's Einfluß zugeschrieben werden kann. — Peter's Urheberschaft des Kreuzzuges ist in neuerer Zeit vielfach bestritten worden. Sybel sagt a. a. O.: „Der Erzählung, Peter von Amiens habe zuerst den Papst Urban IJL und die Völker zur Unternehmung des Kreuzzuges aufgerufen, sei nur eine Sage, die der geschichtlichen Wahrheit entbehre. Man habe die Askese verherrlichen und an Peter zeigen wollen, wessen sie gewürdigt werde und welche Thaten zu vollbringen sie im Stande sei. In Wahrheit aber sei es der Papst gewesen, der den Impuls zu dieser großen Bewegung gegeben habe." — H. Hagemeyer sagt in seinem Werke Peter der Eremite (Leipzig 1879) S. 102: „ Nicht Peter, sondern Urban II. hat in Frankreich zuerst den Kreuzzug gepredigt, und darf daher das Auftreten des ersteren nicht vor das Concil von Clermont gesetzt werden." — Bauer, die christliche Kirche des Mittelalters S. 117 sagt: „Erst unter Urban II. kam die Idee (der bedrängten morgenländischen Kirche zu Hilfe zu kommen) zur Ausführung, und zwar nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, durch den Eindruck, welchen der von einer Pilgerreise zurückkehrende Peter, der Einsiedler, mit seiner Botschaft aus dem Morgenlande erweckt, sondern durch den Papst selbst, welcher aber hierin dem allgemeinen Zuge der innerlich erregten Zeit folgte rc." — Grätz, Gesch. der Juden Bd. VI S. 98 hat die gewöhnliche Meinung über Peter beibehalten, ebenso Neander, Gieseler und Hase in ihren kirchengeschichtlichen Werken. — Selbst die Erzählung, daß Peter schon einmal vor dem ersten Kreuzzuge eine Pilgerreise nach dem Morgenlande unternommen, dort die Mißhandlung der Christen seitens der Moslimen angesehen und die Nachricht davon nach dem Abendlande gebracht habe, wird von manchen Historikern mit Stillschweigen übergangen, wie z. B. v.Giesebrecht, Gesch. der deutschen Kaiserzeit Bd. III, davon kein Wort erwähnt. — Kugler, Gesch. der Kreuzzüge (Berlin 1880) S. 19 sagt: Märchenhaft genug ist der große mittelalterliche Krieg des Abendlandes gegen das Morgenland in's Leben gerufen worden. Die Sage hat aber daran kein Genüge gefunden und eine noch weit märchenhaftere Entstehungsgeschichte erdichtet, der bis auf den heuttgen Tag nur allzu oft Glauben geschenkt worden ist. * Die Sage habe nämlich die Geschichte von Peter von Amiens erdichtet, die der Wahrheit durchaus widerstteite. — Auch R. Eilieser b. Nathan in seinen Conteros Tatun (sä. Isllinelc) ist der stark verbreitet gewesenen und gläubig hingenommenen Sage gefolgt, dahingegen scheint Samuel b. Jehuda in einem liturgischen Stucke vor dem Sabbathe zum Wochenfeste die Entstehung der Kreuzzüge ganz richtig nach Clermont verlegt zu haben. — Man würde sich jedoch sehr täuschen, wenn man glauben sollte' weil die Kreuzzüge dort entstanden, so haben auch die Judenverfolgungen daselbst ihren Ausgang genommen. Das war durchaus nicht der Fall. In der berühmten Rede, die Urban II. am 26. November 1095 auf dem großen Concil zu Clermont hielt, und worin er zum Kampfe gegen die Moslims aufforderte, floß kein böses Wort gegen die Juden über seine Lippen. Es kommen vielmehr Stellen darin vor, die geradezu ehrenvoll für Juden und Judenthum zu nennen sind. Genaueres hierüber enthält mein in dieser Zeitung > (Jahrg 1883 S. 243) veröffentlicher Aufsatz unter der Rubrik:! „Die Ursachen der Judenverfolgungen im Mittelalter." M. Mannheimer. %c\X\AA^<^yvi<xc Deutschland. Berlin, 1. Mai. (Privatmitth.) Die auszüglichen Mittheilungen über die Verhandlungen des ungarischen Unter- und Oberhauses sind sehr lehrreich. Ungarn ist das einzige Land, welches in die Versammlung seiner Volksvertreter eine vollständige Fraktion entschiedener Antisemiten, wenn auch nur von 17 Mitgliedern, gesandt hat. Und man kann diesen

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