Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1885)
- Date
- 1885-05-12
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
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314 B. 31: „Wendet Euch nicht zu den Beschwörern und Zauberkundigen." B. 34: „Liebe den Fremdling wie Dich selbst, denn Fremdlinge wäret Ihr im Lande Mizrajim." V. 36: „Richtige Waage, richtige Gewichtsteine, richtiges Maaß sollen bei Euch sein." B. 25, 37. 38.: „Dein Geld sollst Du deinem Bruder nicht geben um Zins und deine Speise nicht um Uebermaaß." 23, 22: „Du sollst den Rand deines Feldes nicht ganz aberndten und den Abfall deiner Erndte nicht auflesen, dem Armen und dem Fremdling sollst du sie überlasten." 24, 22: „Ein Recht soll Euch sein, der Fremdling sei wie der Eingeborene." Allen diesen einzelnen Geboten ist der erwähnte Zusatz: „Ich bin der Ewige" angefügt. Noch öfter aber ist derselbe bei den Gesetzen im Allgemeinen und Ganzen getroffen. So 18, 2 zur Einleitung, dann V. 4: „Meine Rechte sollt Ihr üben und meine Satzungen wahren, in ihnen zu wandeln: ich bin der Ewige euer Gott", und ganz gleich B- 5. B. 21 bei dem Verbot, seine Kinder dem Moloch zu opfern, und V. 30 zum Schluß der Keuschheitsgesetze. Im 19. Kapitel B. 30: „Meine Ruhetage beobachtet und mein Heiligthum ehrfürchtet." 37: „So wahret alle meine Satzungen und alle meine Rechte und thuet sie. Ebenso 20, 8. 24. 25, 55. 26, 1. 2. 13. 44. In den Kapiteln 21 und 22 treffen wir den Zusatz noch bei den Bestimmungen über die Heilighaltung der Priester und ihrer Rechte, weil sie dem Dienste des Ewigen geweiht sind. (V. 8. 12. 15. 25. 23. 22, 2. 3. 8. 9. 16. 31. 32. und zum Schluffe B. 33.) Welches ist nun Zweck und Bedeutung dieses Zusatzes? Darüber, daß er eine nachdrückliche Bekräftigung sein soll, kann kein Zweifel sein; aber welcher Gedanke ist in ihm enthüllen, um das Gesetz zu bekräftigen? Daß ins Bewußtsein gerufen werden solle, es sei ein Gebot Gottes, ein göttliches Gesetz, trifft nicht zu, da ja alle diese Gesetze enthaltenden Abschnitte mit den Wotten beginnen: „Der Ewige sprach zu Moses: „Rede zu den Söhnen Israels u. s. w.' Nahe liegt die Meinung, der Zusatz solle die Furcht vor der Strafe zum Gefühl bringen, so daß die Worte „ich bin der Ewige" bedeuten, der die Verletzung des Gebotes bestraft. Nahe liegt dies, weil es bei einigen Geboten in der von uns angeführten Reihe hinzugefügt wiro. 19, 14 heißt cs: „Du sollst dem Tauben nicht fluchen und vor den Blinden keinen Anstoß legen, fürchte dich vor deinem Gotte, ich bin der Ewige", und V. 32: „Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und vor dem Greisen sei ehrerbietig und fürchte dich vor deinem Gotte, ich bin der Ewige," und 25, 17: „Uebervortheilt einander nicht und fürchte dich vor deinem Gotte: denn ich bin der Ewige, Euer Gott." Allein gerade diese Ausnahmen bezeugen, daß der Sinn unserer Worte bei den vielen Geboten, wo von solcher Furcht nicht die Rede ist, dieser nicht sein kann. Die drei Gebote, bei denen di „fürchte dich vor deinem Gotte" hinzugefügt sind, betreffen Handlungen gegen Nebenmenschen, die, wenn sie wirkliche Beschädigungen bewirken, vor das Strafgericht gehören, in dem gewöhnlichen Maße aber von demselben nicht erreicht werden können. Der Fluch gegen Taube, das Legen von Anstößen für den Blinden, die Mißachtung des Alters und die Uebervortheilung eines Schwachköpfigen find vom menschlichen Strafrichter nicht zu züchtigen, und betreffen zugleich Gebrechen, die von Gott verhängt find. Darum soll bei ihnen die Furcht vor dem göttlichen Richter geweckt werden. Der Schutz, den die Furcht vor Menschen nicht gewährt, soll durch die Furcht vor Gott erwirkt werden. Wir müffen deshalb die Bedeutung unseres Zusatzes anderweitig suchen. Aufschluß hierüber giebt uns der Umstand, daß derselbe, wie wir gesehen, sich mit geringer Ausnahme in dem Abschnitte vorsindet, den wir □•enp nennen, und der mit den Worten beginnt (19, 2): „Heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige Euer Gott." Wie es weiterhin heißt (20, 7.): „So heiliget Euch, daß Ihr heilig seied, denn ich bin der Ewige Euer Gott," und am Schluffe B. 26: „So seied mir heilig, denn heilig bin ich der Ewige." Hierzu aber Grund legend hieß es schon 11, 44. 45: „Ich bin der Ewige, Euer Gott: so heiligt Euch, daß Ihr heilig seiet, denn heilig bin ich; Ihr sollet aber Euere Seelen nicht verunreinigen durch alles Gewimmel, das auf der Erde kreucht, denn ich bin der Ewige, der Euch heraufgeführt aus dem Lande Egypten, Euch zum Gott zu sein: So sollt Ihr heilig sein, denn heilig bin ich." So findet sich denn auch, daß dem *:n an manchen Stellen noch hinzugefügt wird oDSsnpD „der Euch heiligt" 3. Mos. 20, 8. 21, 8. 22, 32 oder 22npo 21, 23. 22, 9. 16., eine Formel, die sich nur noch einmal findet Jecheskel 20, 12. ■ Wenn wir die von den Philosophen ausgestellten Moralj systeme prüfen, von Sokrates und Plato, von Aristoteles, Epikur und der Stoa, vom kategorischen Imperativ Kant's bis zur Autonomie Hartmanns: so gewahren wir, daß sie allesammt die Grundlage der Sittenlehre im Menschen selbst suchen, in dem, was in ihm Gutes ist oder was ihm gut thut, und i dies ist es, was stets die Schwäche und Unzulänglichkeit des Systems ausmacht, weshalb die aufeinander folgenden Systeme die vorhergegangenen kritisch aufheben, um dann selbst wieder; diesem Schicksale anheimzufallen. Das Gegentheil findet im! Mosaismus statt. Einerseits ist ihm der Mensch in der; Ebenbildlichkeit Gottes geschaffen, andererseits des Menschen Herz vom Triebe zum Guten wie zum Bösen, von Befangen-! heit und Jrrthum eingenommen und Sinnlichkeit und die; gesellschaftlichen Berhältniste drängen ihn zu Schuld und ' Sünde. Deshalb erkennt der Mosaismus als die Quelle! aller Tugenden, aller Pflichten, aller Sittlichkeit für den Menschen Gott selbst an. Sticht in dem Menschen selbst