Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1885)
- Date
- 1885-05-05
- Page
- Seite 310 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Garten in Poppelsdorf bei Bonn unter seinen Baumbeständen, und dürfte dieses, abgesehen von den am Genfersee stehenden Cedern, nicht allein das größte, sondern auch zugleich das schönste Exemplar von Oeärus Libani im nördlichen Europa sein. Die (dem Jahrbuch) beigegebene Abbildung, welcher eine nach der Natur angefertigte Zeichnung des Landschaftsmalers Beissel in Bonn zu Grunde gelegt ist, veranschaulicht die majestätische Schönheit dieses Cederbaumes mit seinen weit ausladenden, dem mächtigen Stamm fast rechtwinklig entwachsenden Acsten, die Sommer und Winter mit einem sich immer gleich bleibenden dunklen Grün, unzähliger, in Büscheln > stehender, na^clförmiger Blätter belaubt sind, und jene dem! Cederbaum charakteristischen schirmartigen Dächern gleichsam? ähnelnden Laubmasien der Aeste bilden. Das Blätterdach dieser Coniferenart ist so dicht, daß nur selten der Regen unter seinen Zweigen durchdringt. Der Stamm ist hellgraubraun gefärbt und besitzt ähnlich der Rothtanne eine nur schwache Borkenbildung. Die Aeste und Verästelungen sind bis in die äußersten Spitzen der Zweige hinein durch eine auffallende hellgraue Farbe markirt, und leuchten deshalb aus dem dunklen satten Grün der Nadeln weit hervor, nicht wenig zu dem äußerst malerischen Charakter des Baumes beitragend. Das Alter des hier besprochenen Exemplares, welches der ehemalige Inspektor des botanischen Gartens Herr Sinning aus dem Inräio äes Alantes in Paris als kleine Samenpstanze mitgebracht hat, ist annähernd 55—60 Jahre. Wenige Jahre nach der Einführung an seinen jetzigen Standort ausj gepflanzt, hat es allen Stürmen und Unbilden der seit jener 1 Zeit auch über Rheinlands, durch mildes Klima ausgezeich-1 neten Länderstrich herein gebrochenen strengen Wintern getrotzt,; heute eine weithin sichtbare, mit den nebenstehenden Gehölz-; g'uppirungen malerisch wirkende Zierde des Gartens. ' Die ganze Höhe des Baumes beträgt vom Erdboden ' bis zum äußersten Gipfel IO1 2 1T1* Der Stamm hat sich anderthalb Meter über den Wurzelhals in zwei Hanptklüfte getheilt; eine Erscheinung, welche auch bei vielen der aus dem Libanon stehenden Exemplare auftritt. 50 cm über dem Boden hat der Stamm einen Umfang von 2,84 m, während jeder der beiden Hauptstämme 1,54 — 1,70 m Stammumsang mißt. Die Aeste reichen vom Stamm aus 7—8 m weit, so daß der Durchmesser der Baumkrone 14 —l 5 m beträgt. Alljährlich im Sommer bedecken sich die Zweige mit zahllosen zart rosafarbenen männlichen Blüthensiänden, wodurch der Baum dann ein besonders schönes Aussehen erhält. Ein einziges Mal hat bis jetzt einer der Gipfelzweigc einen weiblichen Zapfen gebracht, der indessen nicht zur Reife gelangte, überhaupt nur unvollkommen ausgebildete Samen enthielt. Cavour und Mortara. In dem soeben erschienenen 4. Bande der Correspondenz Cavours, des großen italienischen Staatsmannes, ist auch ein Brief enthalten, den er an Crsmieux schrieb, als dieser sich wegen des, seinen Eltern in Bologna entrisienen Kindes Mortara an ihn gewannt. Es heißt darin: „Ueberzeugt voll der Berechtigung der Reclamationen des Herren Mortara, habe ich die Ehre, Sie zu versichern, daß die königliche Regierung Alles thun wird, was in ihren Kräften steht, damit dieses Kind, für welches die öffentliche Meinung in Europa sich so lebhaft interessirt hat, seiner Familie zurückgegeben werde." Mehr konnte Cavour nicht thun, denn seine Regierung stand selbst mit der Curie in heftigem Streite. > Leib oder Leopold. Wien, 17. April. Der Manufakturwaarenhändler Leib Berger erschien heute vor dem Bezirksgerichte Leopoldstadt unter der Anklage der Falschmeldung, weil im Meldzettel sein Borname mit „Leopold" und der Borname seiner Tochter „Taube" mit „Antonia" verzeichnet ist. Der Angeklagte gab i aus die Frage des Richters (Dr. Kautetzky), wie er heiße, zur Antwort: „Jetzt weiß ich selbst nicht, wie ich heiße. Ich weiß, daß „Leib" und „Leopold" dasselbe ist." Gegen die i Anklage rechtfertigte er sich dahin, daß nicht er, sondern eines seiner Kinder den inkriminirtea Meldezettel geschrieben habe, i— Richter: Damit ist nicht bewiesen, ob der Zettel nicht über Ihren Auftrag geschrieben wurde. —Der Angeklagte betheuerte, daß er sich um die ganze Sache nicht gekümmert habe. Ihm könne es vollständig gleichgiltig sein, ob man ihn „Leib" oder „Leopold" nenne. Seine Kinder mögen sich eben geschämt haben, die polnisch-jüdischen Vornamen in dem Meldezettel anzuführen und haben statt derselben identisch deutsche Namen angeführt. In Galizien, seinem Heimathlandc, heiße „Leopold" „Leib" und „Antonia" „Taube" und in die Geburt»matrikel werden nur die jüdischen Namen eingetragen. Anders sei cs in Wien. Seine hier geborenen Kinder Ernestine und Gisela würden in Lemberg in die Geburtsmatrikel nur unter dem Namen „Esther" und „Gitel" eingetragen werden. „Das Leopoldstädter Gericht selbst," bemerkte der Angeklagte am Schluffe seiner Rechtfertigung, „nennt meine Tochter in einer Erledigung über mein Gesuch um Großjährigkeit^Erklärung derselben „Antonia", wiewohl es ja aus dem Geburtsscheine, welcher diesem Gesuche beilag, ersehen hat, daß meine Tochter „Taube" heißt. Wenn also das Gericht der Ansicht ist, daß „Taube" und „Antonia" dasselbe ist, warum sollt' ich es nicht sein?" — Der Richter erkannte den Angeklagten für schuldig und verurtheilte ihn zu einer Geldstrafe von 10 fl.