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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-05-05 · Heft 19 (5.5.1885) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 19 (5.5.1885)
Date
1885-05-05
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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802 Es ist zu bedauern, daß die Frage der Confeffion in unserem öffentlichen Leben eine über das Gebührliche hinausgehende Rolle spielt. Richten doch die Nationalität und die Claffenintereffen der Scheidewände genug zwischen Menschen und Menschen auf. Ich denke, daß dieser Tendenz, dieser Bewegung gegenüber die Gesetzgebung nur einen correcten Standpunkt einnehmen könne: dort, wo sie die Rechte auf die Confeffionen ausdehnt, zwischen Confeffion und Confeffion keinen Unterschied zu machen. Nach einigen „tröstenden" Worten des Ministerpräsideuten, in welchen er darauf hinwies, daß auch die Protestanten erst nach langem Kampfe ihre jetzige Position erreichten, kam es zur Abstimmung, welche auf Wunsch von 21 offenen und verkappten Antisemiten unter Namensaufruf erfolgte. Die Abstimmung war insofern von Bedeutung, daß sämmtliche Abgeordnete israelitischer Confeffion wie ein Mann! gegen die Streichung des jüdischen Vertreters stimmten, für{ die Streichung desselben stimmten die Antisemiten und die j liberale Partei mit wenigen Ausnahmen. Den jüdischen Ab-.- geordneten schloffen sich 34 von der Opposition an. 272 Ab-! geordnete waren abweser d, d.h. befanden sich nicht im Saale, i sondern in den Couloi!> 139 stimmten für, 4i gegen die Streichung. Nun stellte der antisemitische Baron GabrielAndreansky den formellen Antrag, daß die ernannten Mitglieder des Minister-Präsident Tißa: Ja, sie find beffere Patrioten; Baron Gabriel Andreanßky: Ich bitte mir vom Herrn Minister-Präsidenten aus, daß er hier die Juden beffere Patrioten nenne, als wir sind. (Lebhafte Zustimmung unter den Antisemiten. Rufe rechts: Zur Ordnung!) Präsident: Ich habe nicht gehört, daß dies Jemand gesagt hätte. Baron Gabriel Andreanßky: Doch, er hat es gesagt! Minister-Präsident Koloman Tißa: Ich habe es gesagt» (Lebhafte Zustimmung rechts; großer Lärm unter den Antisemiten.) Baron Gabriel Andreanßky: Nun, dann bleibe ich bei dem, was ich gesagt habe. (Lebhafte Heiterkeit.) Mit diesem Ausspruche hat er jedenfalls das Prinzip der Rechtsgleichheit verletzt. (Heiterkeit rechts; So ist's! unter den Antisemiten.) Gegen diesen antisemitischen Antrag erklärte sich der Minister-Präsident in entschiedenster Weise. „Ich glaube nicht", sagte er, „daß es im Abgeordnetenhause sehr Biele geben könne, welche in dieser Weise jene Bestimmung der 1867 er Gesetze zunichte machen wollten, in welcher entschieden ausgesprochen ist, daß die israelitischen Bewohner des Landes in der Ausübung aller bürgerlichen und politischen Rechte den christlichen Bewohnern gleichgestellt werden. (Unruhe unter den Antisemiten.) Jawohl: gleichgestellt werden! Dies hat die ungarische Gesetzgebung im Jahre 1867 ausgesprochen und ich glaube nicht, daß wir von diesem Oberhauses blos christlicher Confeffion sein dürfen. Er erklärt Standpunkte zurückgehen wollen und daß Jemand in solcher das Borgehen des Minister-Präsidenten, welcher dem Prinzip Weise das im Gesetze schon gesicherte Ernennungsrecht der zu Liebe Juden in's Oberhaus ernennen wolle, für ungesetz- Krone einschränken wollte. Und gerade weil das vorhin erlich, denn nicht die Prinzipien des Ministerpräsidenten, sondern, wähnte Gesetz von israelitischen Bewohnern spricht, glaube die Gesetze des Landes seien maßgebend. Redner reicht in ich, das Gesetz will damit gesagt haben: Einwohner Ungarns, diesem Sinne einen Beschlußantrag ein, bezüglich dessen er also ungarische Einwohner israelitischer Consession. Dies auch bemerkt, daß er alle von der andern Seite kommenden -habe ich unter dem Ausdruck verstanden, daß auch israelitische Gegenargumente, die sich auf Religionsgleichheit beziehen,-Patrioten ernannt werden. einfach zurückweise, dann auch die Worte des Ministers, daß „israelitische Patrioten", was an und für sich ein Nonsens ist... Präsident (unterbrechend): Seit längerer Zeit schon Baron Andreanßky: „Patriot" steht nicht im Gesetze! Minister-Präsident Tißa: Aber ich habe es so gesagt. (Heiterkeit rechts.) Was aber den Patriotismus betrifft, hat höre ich mit Befremden die Ausbrüche des Herrn Abgeordneten, - zwar der Herr Präsident schon seine Bemerkung gemacht und bin welche gegen 600,009 Staatsbürger gerichtet sind: aber endlich , auch ich meinerseits genöthigt, der Ansicht Ausdruck zu geben, ist es mir unmöglich, solche Ausdrücke ohne Bemerkung hin-! daß es nicht korrekt sei, den Patriotismus zahlreicher Begehen zu lassen. Jawohl, sie sind Patrioten, gerade solche! wohner des Landes, oder auch nur eines einzigen, in Zweifel Patrioten als die Herren Abgeordneten . . . (Rufe rechts: zu ziehen. (Zustimmung rechts.) Ich denke, wir find es Beffere Patrioten! Großer Lärm auf den Bänken der; einander schuldig, den Patriotismus nicht nur hier bei uns Antisemiten.) gegenseitig, sondern auch bei Jenen vorauszusetzen, die außer- Baron Gabriel Andreanßky: Ich bitte mir aus, daß, halb dieses Hauses Bürger des Landes find. (Zustimmung wer immer im Lande ein besserer Patriot genannt werde, als - rechts.) ich bin. (Lebhafte Zustinimung unter den Antisemiten; Heiterkeit rechts.) Es mag Einer ein berühmter Mann, ein größerer Mann sein als ich; aber daß Einer ein besserer Patriot sei als ich, das stelle ich in Abrede. (Heiterkeit rechts.) Für den Antrag Andreanßky's erhoben sich unter allgemeiner Heiterkeit bloß die anwesenden Antisemiten. Herr Tißa, der im Voraus wissen mußte, daß die Vertretung der jüdischen Confeffion im Oberhause bei der gegen-

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