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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-04-28 · Heft 18 (28.4.1885) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 18 (28.4.1885)
Date
1885-04-28
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
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283 werden von einem nicht unbilligen Benrtheiler alle üblichen Beamtenfrevel zur Last gelegt." Und doch soll ein paar! Seiten weiter der Krieg kein Krieg der Unterdrückten gegen die Unterdrücker gewesen sein. So bewegt sich Mommsen immerfort in Widersprüchen, welche ihm von der einen Seite durch sein römisches Borurtheil gegen die Juden wie gegen alle anderen Völker, von der anderen Seite durchseine geschichtschreiberische Gewissenhaftigkeit vor den Thatsachen bereitet werden. Um zu charakterisiren, wie Mommsen unter dem Einfluß, dieser Strömungen die Dinge darstellt, setzen wir noch den Anfang seiner Erzählung des Krieges her: „Die Bewegung, durch welche die Aufläufe zum Krieg wurden, ging von Caesarea aus. In dieser ursprünglich griechischen, dann von Herodes nach dem Muster der Alexanderrolonien umgeschaffenen und zur ersten Hafenstadt Palästinas entwickelten Stadtgemeinde wohnten Griechen und Juden, ohne Unterschied der Nation und der Confeffion bürgerlich gleich berechtigt, die letzteren an Zahl und Besitz überlegen. Aber die Hellenen daselbst, nach dem Muster der Alexandriner! und ohne Zweifel unter dem unmittelbaren Eindruck der Borgänge des I. 38, bestritten rm Wege der Beschwerde bei der obersten Stelle den jüdischen Gemeindegenoffen das Bürger-! recht. Der Minister Neros Burrus (y 62) gab ihnen Recht. I Es war arg in einer auf jüdischem Boden und von einer jüdischen Regierung geschaffenen Stadt das Bürgerrecht zum Privilegium der Hellenen zu machen; aber es darf nicht vergeffen werden, wie sich die Juden gegen die Römer eben damals verhielten und wie nahe sie es den Römern legten, die römische Hauptstadt und das römische Hauptquartier der Provinz in eine rein hellenische Stadtgemeinde umzuwandeln. Die Entscheidung führte, wie begreiflich, zu heftigen Straßentumulten, wobei hellenischer Hohn und jüdischer Uebermuth namentlich in dem Kampf um den Zugang zur Synagoge sich ungefähr die Wage gehalten zu haben scheinen; die römischen Behörden griffen ein, selbstverständlich zuungunsten der Juden. Diese verließen die Stadt, wurden aber von dem Statthalter genöthigt, zurückzukehren und dann in einem Straßenauflauf sämmtlich erschlagen. (6. Aug. 66.) Dies hatte die Regierung allerdings nicht befohlen und sicher auch nicht gewollt; es waren Mächte entfesselt, denen sie selbst nicht mehr zu gebieten vermochte." Man merke wohl: wenn die Juden in ihrem eigenen Lande ihr Bürgerrecht vertheidigten und den von ihren Feinden ihnen verwehrten Zugang zu ihren Synagogen erzwingen wollten, so ist dies in den Augen Mommsen's „jüdischer Uebermuth"! Und doch muß er zugeben, daß die Juden auf's Aeußerste gereizt und auf das Tyrannischeste behandelt wurden, indem man sie aus der Stadt jagte, dann wieder gewaltsam zurückholte und erschlug! Mommsen hat dafür nur den Ausdruck: „Es war arg, daß u. s. f." Wir fragen: könnte ein entschiedener Antisemit sich anders ausdrücken? Und doch muß Mommsen auf der folgenden Seite zugeben: „Es ist kein Zweifel, daß die damaligen Statthalter in Nichtswürdigkeit und Bedrückung das übliches!) Maaß überschritten" — aber der Krieg soll nun einmal „kein Krieg der Unterdrückten gegen die Unterdrücker" gewesen sein, sondern Alles von den „Räuberpatrioten" ausgegangen fein! Wir übergehen die Schilderung des Krieges selbst. Tie unmittelbaren Wirkungen schildert Mommsen folgendermaßen: „Dem Werk des Schwertes folgte die politische Wendung. Die von den früheren hellenistischen Staaten eingehaltene und von den Römern übernommene in der That über die bloße Toleranz gegen fremde Art und fremden Glauben weit hinaus gehende Politik die Judenschaft insgemein als nationale und religiöse Sammtgemeinschaft anzuerkennen war unmöglich geworden. Zu deutlich waren in der jüdischen Jnsurreetion die Gefahren zu Tage getreten, welche diese nationalreligiöse einerseits streng concentrirte, andererseits über den ganzen Osten sich verbreitende und selbst in den Westen verzweigte Vergesellschaftung in sich trug. Der centrale Cultus wurde demzufolge ein für allemal beseitigt. Dieser Entschluß der Regierung steht zweifellos fest und hat nichts gemein mit der nicht mit Sicherheit zu beantwortenden Frage, ob die Zerstörung des Tempels absichtlich oder zufällig erfolgt ist; wenn auf der einen Seite die Unterdrückung des Cultus nur die Schließung des Tempels erforderte und das prächtige Bauwerk verschont werden konnte, so hätte andererseits, wäre der Tempel zufällig zu Grunde gegangen, der Cultus auch in einem wieder erbauten fortgeführt werden können. Freilich wird es immer wahrscheinlich bleiben, daß hier nicht der Zufall des Krieges gewaltet hat, sondern für die veränderte Politik der römischen Regierung gegenüber dem Judenthume die Flammen des Tempels das Programm waren. Deutlicher noch als in den Vorgängen in Jerusalem zeichnet sich dieselbe in der gleichzeitig auf Anordnung Bespasians erfolgten Schließung des Centralheiligthums der egyptischen Judenfchaft, des OniastempelS unweit Memphis im heliopolitanischen District, welcher seit Jahrhunderten neben dem von Jerusalem stand etwa wie neben dem alten Testament die Uebersetzung durch die alexandrinischen Siebzig; auch er wurde seiner Weihgeschenke entkleidet und die Gottesverehrung in demselben untersagt." „In weiterer Ausführung der neuen Ordnung der Tinge verschwanden das Hohepriesterthum und das Synhedrion von Jerusalem und verlor damit die Judcnschaft des Reiches ihr äußerliches Oberhaupt und ihre bis dahin in religiösen Fragen allgemein competente Oberbehörde. Die bisher wenigstens tolerirte Jahressteuer eines jeden Juden ohne Unterschied des Wohnorts an den Tempel siel allerdings nicht weg, wurde aber mit bitterer Parodie auf den capitolinischen Jupiter und IS*

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