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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-20 · Heft 139 (20.11.1838) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 139 (20.11.1838)
Date
1838-11-20
Page
Seite 560 (sequence 2)
Language
German
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560 werbe ausschließen? Muß er nicht gezwungen, dem Trödel, dem Schacher 'und Wucher in die Arme fallen? Muß er nicht mit aller weichen Schlauheit und Feinheit seine Existenz, feine ärmliche,.mühe- und sorgenvolle Existenz zu sichern suchen, indem er .Recht nnd Gesetz umgeht? Freilich wird man mir einwenden: der Staat und das Gesetz werden die Zünfte schon zwingen, ihre Entschlüsse zu vernichten, und sich dem hohen Willen des Gesetzes zu unterwerfen, der befiehlt, daß der Jude das Handwerk erlerne, und die rechtmäßigen Gewerbe ergreift; allein ist es nicht eben dieser kleinliche Zunftgeist, der den Juden um alle politische Rechte bringt? der sein klägliches Jammergeschrei erhebt, wenn von Emancipation der Juden die Rede ist? der man vorschützt, wenn Männer von Recht und Gewissen die bürgerliche Gleichstellung dieser unterdrückten Volksklasse fordern, indem man sagt: der Geist der Zeit billigt solche liberale Schritte nicht? London, 26. Oktbr. Die HH. Joseph Montesiore und David Salomons, früher Sheriffs der Londoner City, wurden in diesen Tagen als Friedensrichter für die Grafschaft Sussex beeidigt — der erste Fall, wo Israeliten der „Commission of the Peace" beigegeben worden. Speyer, 27. Oktbr. Das seit der Wiedervereinigung unserer Provinz mit Baiern zu Kaiserslautern errichtete und für alle Conftssionen gemeinschaftlich benutzte Institut wird künftighin nur noch für die protestantischen und israelitischen Religionsbekenner bestimmt sein. (Mg. Augs. Ztg.) Leipzig, 4. November. Am 1. Dzbr. 1637 lebten im sächsischen Königreiche unter 1,652,114 Seelen 848 Israeliten (also 1 auf fast 2000 Seelen — und so schwere Kampfe um einige Rechte dieses Einen auf 2000!?). Politik. Zweite V e r h a n d l n u g e u der Provinzialstände für Nord - Jütland, über die Wählbarkeit der mosaischen Glaubensbekenner zu Standcmitgliedern. (Auö dem Dänischen der Ständezeitung im Auszüge.) (Fortfetzu ng.) Etatsrath Brück-Seidelin theilte ganz die Meinung des letzten Redners, daß es nicht angenehm zu reden - ist, wenn man annehmen müsse, daß die Deputirten mit dem unerschütterlichen festen Entschlüsse kamen, wie sie in dieser Sache stimmen wollen. Indessen wolle er das nicht! glauben, und er erlaube sich in der Hoffnung, daß seine Rede I nicht ganz vergebens sein würde, ein Paar Worte über das vorgelegte Bedenken der Majorität zu sagen. Im Anfang derselben stößt man auf die Amßerung, daß es unter den Bekennern der mosaischen Religion Diele gibt, von denen man kaum annehmen kann, daß sie an Rechtschaffenheit den Christen nachstehen. Der Redner würde gewünscht haben, daß die Majorität die Worte durchaus nicht gebraucht hätte, denn diese stimmen mit der Wahrheit überein, und dieses kaum läßt den Ausfall des Bedenkens ahnen. Ern eben so ungtückbedeutendes Wort ist „dieses fremde Volk." Warum nennt man die Mosaiken fremd? Mosaik, Engländer, Franzose, Schwede, die durch unser Land reisen, nennen wir „fremd," nicht aber die Mosaiken, dessen Vater hier wohnten, der hier geboren wurde und sich hier zur Ruhe legt, selbst Unterthan desselben Königs ist, denselben Gesetzen gehorcht wie wir. Die Majorität behauptet, daß es ein großer Unterschied ist, ob man den Mosaiken allgemeine staatsbürgerliche Rechte zugesteht, oder ihnen Eintritt in den Rath des Volkes gestattet, das steht aber der Redner nicht ein. Sie können elegirte Bürger, bürgerliche Rathmänner sein, und in dieser Stellung könnte die von der Majorität befürchtete Colliston zwischen bürgerlichen und Religions-Pflichten nicht weniger Statt finden. Wenn in dem Bedenken die feste Meinung ausgesprochen wird, daß die Mosaiken nie mit dem Volke verschmelzen, sondern an der Hoffnung und den Glauben festhalten, daß sie wieder einmal einen selbstständigen Staat bilden werden, so erlaubt sich der Redner zu fragen: wer zwang sie, an dieser Hoffnung festzuhalten? — Die Christen thaten es, die auf sie herabfahen; und sollte man sie deshalb verhöhnen, weil sie die Hoffnung festhalten, welche die Zuflucht aller Unglücklichen ist? Nein, laßt uns sie ganz zu uns heran ziehen, damit sie sich so wol fühlen, daß sie nichts Besseres wünschten, als was sie haben. Und warum sollten sie Dänemark nicht als ihr Vaterland ansehen? Wir neunen Dänemark Vaterland, weit unftre Väter hier lebten, wir lieben es, weil unser Leben und unser Gut hier beschützt wird, weil wir hier einen edlen König, Freund und Verwandten haben. Hat der Mosait nicht denselben Grund, Dänemark sein Vaterland zu nennen und es zu lieben? Sollten wir mit der Majorität des Commitee, wenn gefragt wird, ob der Mosaike Sitz in der Versammlung haben soll, auf die Möglichkeit des fernen Tages sehen, da ein jüdisches Reich wieder erstehen wird? Der einzelne Mosait, der seine Stimme dahin richtete, spricht doch nicht die Meinung des Ganzen aus. Wir würden dann, wenn jener Tag käme, ihm Glück wünschen, und

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