Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 17 (21.4.1885)
- Date
- 1885-04-21
- Page
- Seite 277 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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277 Bonn, 12. April. (Notizen.) Ans Prag theilt man Schmäharkikel auf die Juden und den dortigen Deputirten uns mit, daß Professor Rabbiner vr. S. Kaempf am 24. Sep-! Dreyfuß, die sie als Urheber und Träger der Tonkin-Angetember c. sein vierzigjähriges Amtsjnbiläum feiern werde, legenheit schimpfte, veröffentlicht. Herr Dreyfuß beauftragte — Der verehrungswürdige Sir Moses Montefiore hat seine! zwei Freunde, den Deputirten Langlois und den Generalrath Haushälterin und Köchin, eine Frau Schwerin, durch den! Janin, von dem Redakteur Genugthuung zu fordern. Dieser Tod verloren. Sie hinterließ ein Vermögen von 4600 Pfd.' benahm sich so feige, daß die Vertreter des Dreyfuß ihn mit Sterl., von denen sie den größten Theil wohlthätigen jüdiseinem eigenen Journale ohrfeigten. Man ist gespannt, ob die schen Instituten vermachte. - In Rambouillet (Frankreich) Sache noch weitere Folgen haben werde, hatte ein dortiges Blatt 1'Lebo Rambolitain einen sehr argen j Ieurlleton. Aus der Provinz, im April. Dalueologische ßriefe eines Rabbiners. 8. Mrief. „Kein Tag ohne Zeile" war Gesetz in meiner balneologischen Lebensweise und kam zunächst in der täglich sich erneuernden Correspondenz zum Ausdrucke, die mehr oder weniger jedem Curgaste obliegt, dem theure Angehörige und Freunde in der Ferne weilen. Der Verlauf der Reise, die Angabe der Wohnung, die Verordnung des Arztes werden ungesäumt mitgetheilt und dadurch der schriftliche Verkehr mit so vielen Lieben eröffnet, auf deren ebenso schnelle Begrüßung gerechnet wird. Denn was könnte daran in unserer Zeit hindern, in welcher die Menschen „den Wind zu ihrem Eilboten und den flammenden Funken zu ihrem Diener bestellt haben." Um so beunruhigender ist es daher, daß vier auch fünf Tage vergehen, ohne daß ein Brief von den Theuren cingeht, die uns doch fest versprochen haben, recht bald solchen nachzusenden. Es berührt den heutigen Culturmenschen gar zu cigenthümlich, wenn ihm nicht wenigstens einmal des Tages die Post einen Brief zustellt, der ihm seine Lebensstellung irgendwie zum Bewußtsein bringt. Im Badeorte jedoch muß er in den ersten Paar Tagen auf dieses Selbstgefühl durchaus verzichten Die Post geht und kommt, die Briefträger eilen schwcrbeladen von Haus zu Hans oder werden auf öffentlicher Straße von dichten Gruppen umdrängt, vor welchen sie schweißtriefend, oder unter breiten Schirmen von Regen durchnäßt sich ihres Horts entledigen. Nur der noch fremd in dem großen Menschengewühl sich darnach sehnt, ein trautes Wort von den Seinen zu hören, ein liebes Schristzeichen von ihrer Hand zu sehen: geht leer aus und bleibt unberücksichtigt, wie sehr er auch sein Leid der Postverwaltung klagt und sich dem Briefträger empfiehlt. Ta endlich, eines schönen Morgens, steht der neue Kurgast nach Namen, Rang und Titel in der Kurliste verzeichnet und, wie durch einen Zauber aus dem Bann erlöst, empfängt er sofort eine Anzahl Briefe auf einmal, die täglich eingegaugen sind jedoch in den Schränken der Postbureaus aufgestapelt lagen, bis aus der Kurlifte der Ruf zur Beförderung erging. Von da ab fühlt sich der Kurgast wieder als ein Glied der menschlichen Gesellschaft, im Zusammenhang mit den Seinen und all' den Theuren, die hier und dort seiner in Liebe gedenken; und wie jeder Tag ihm von dem Einen oder Anderen Gruß und Kunde bringt, so läßt er selbst keinen Tag vergehen, an welchem er nicht am Schreibtisch trauten Umgang mit ihnen pflegt und ihnen von seinem Denken und Empfinden, von seinem Fürchten und Hoffen berichtet. In Anbetracht des dürftigen und ungewohnten Schreibmaterials, der unbequemen wohnlichen Einrichtungen im Badeorte, ist das mitunter recht mühevoll und mit der Schonung, die das balneologische Leben zur Pflicht macht, wenig verträglich. Gleichwohl gehörte es zu meiner größten Freude im Kurorte, einen Tag wie den anderen zu schreiben, von mir zu berichten, nach Anderen zu fragen und einen Austausch von Gedanken und Gefühlen zu unterhalten, der angenehm durch das Kurleben hindurchklingt und mit demselben etwas von dem Reiz gewohnten Friedens und treuer Innigkeit verbindet, welche das Leben im eigenen Hause, das Empfinden im Kreise der Familie, beglücken. Den Ausfall der Sabbathcorrespondenz deckte ich regelmäßig durch die doppelte am Tage vorher Meinen Sie nicht, verehrter Freund, daß im Widerschein der Erinnerung die geschriebenen Briefe eines gebildeten Kurgastes vielmehr das Ansehen einer geistigen als mechanischen Leistung gewinnen, und daß durch die in dieser Hinsicht bewiesene Treue eine Summe von Erlebnissen, Anschauungen und Uriheilen, von innerstem Denken gebucht wird, das für den Schreiber wie den Leser von Gewinn ist? Bon Briefsammlungen, die aus dem Altcrthum aus uns gekommen und einer wirklichen Villeggiatur, d. h. der stillen Zurückgezogenheit oder dem einer Art Kurgebrauch gewidmeten Aufenthalt ihr Entstehen verdanken, sind mir diejenigen von Cicero und Plinius dem Jüngeren bekannt. Die jüdische Literatur, die überaus reich an Briessammlungen ersten Ranges ist und seit , der Periode der Responsen bis zu dem Briefwechsel zwischen