Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1885)
- Date
- 1885-04-14
- Page
- Seite 260 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227555-3227572--42556-3311119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
260 in unseren Tagen. Aber im Vertrauen auf den endlichen 1e xrincips äs 1s foi (Ex. ä 10 Frcs.) heraus. Bis jetzt Sieg des Rechtes und der Wahrheit dürfen wir getrost auf war nur eine lateinische Uebersetzung dieses Werkes von die Zukunft hoffen, die sicher dereinst den Talmud unter die W. H. Vorst (Amst. 1638) erschienen. — Bon der bekannten vornehmsten Bücher der Welt zählen wird." — Der Großj hebräischen Uebersetzung der „Weisheit Salomo" von Wessely rabbiner Mosse zu Avignon giebt eine französische Uebernebst dessen Commentar ',n rrr: ist eine neue Auflage bei setzung von Js. Abarbanel's itni unter dem Titel: > Isaak Goldmann in Warschau erschienen. Iseirilteton. Aus der Provinz, im Februar. Kalueologische Kriefe eines Rabbiners. 6. ^Srtef. schmiegen möchten.!) Ferner habe ich wohl nicht nöthig, aui meine Hochachtung vor dem Ernst hinzuweisen, der an der Arbeit hängt — vor dem Triebe, der an der Arbeit sich erfreut und diese aufsucht. Allein auch die Ruhe ist etwas Erhabenes und den Menschen Charakterifirendes. Sie ist Das Leben des Badepublikums erscheint losgelöst von j ein Göttliches nach dem geheiligten Schriftworte -) und den Mühsalen dieser Welt, und wäre es nicht, daß man wird, im Widerschein der Gottheit geübt, von welcher sie immer an den eigentlichen Zweck des Kurgebrauchs, an die> zuerst gepflegt wurde, wie eine beseligende Feier empfun- Erhaltung des Lcbensöls, denken müßte, so käme dem Bade-I den. Den Anschauungen des klassischen Alterthums, der Publikum kaum einmal der Gedanke an die strafende Gottes-! Griechen und Römer, entsprach es, daß Ruhe, Muße, der stimme über den Urvater der Menschen. Denn frei von > Grundzug des Lebens war; Arbeit jedoch den Moment be- Arbeit durchstreift der Kurgast Wald und Wiese, Berg und Thal, einen Tag wie den andern; keine Stunde ruft ihn zu Werk und Thätigkeit, die ihn aufregen und in Spannung erhalten, und ohne sich darum zu mühen und zu sorgen, wird er nach Herzenslust an stets gedeckten Tischen genährt. Kurz, das Badepublikum empfindet nichts von den Harten des Lebens, sondern wandelt im Paradies und genießt noch den Vorzug vor seinem Urahn, daß es in Umgang und zeichnete, der die Muße unterbrach und aufhob.") Die Gegenwart hingegen bekennt sich zu der Anschauung, welche das Judenthum seit Anbeginn vertritt, indem sie Arbeit zur Grundlage des Lebens macht, unter Muße aber ein erquickendes und seelenvolles Ausruhen von der Arbeit versteht. Eine ganze Reihe Bezeichnungen hat die hebräische Sprache für Arbeit wie für Muße, mehr vielleicht als für irgend eine andere Vorstellung, und erweist dadurch, daß beide innerlich Verkehr nicht beschränkt ist, sondern der Kurgast nur in das > zu einander gehören und sich ergänzen, beide religiöse und volle Menschengewühl zu greifen braucht, um sich Gesellschaft,! sittliche Momente zugleich im Menschenleben sind, endlich Männer und Frauen, so viel er will, zu verschaffen. Man i daß in der Pflege der Ruhe nicht minder, als in der Arbeit sollte nun meinen, daß sich Niemand nach dem Ende der! ein charakteristisches Merkzeichen des Menschen erkennbar ist. Kurzeit sehnt, wenn ihn nicht gerade die Liebe zu den Sei-; Bon diesem ganzen Gesichtspunkte aus habe ich die Unruhe neu, die er daheim zurückgelaffen, dahin zieht. Aber mit I der Kurgäste, ihre beständige Unzufriedenheit mit dem aufgenichten! Ich kann Sie versichern, verehrter Freund, daß > zwungenen Müßiggang, wie sie es auffaßten, nicht zu ihrem ein großer Theil der Kurgäste das Gegentheil wünscht und | Bortheil mit ihrem ganzen Sein und Wesen in Zusammenhang thatsächlich die Kurzeit, die in der Regel auf vier Wochen! gebracht. Verzeihen Sie, daß ich Großes und Kleines zusammenberechnet ist, abkürzt. Mich selbst dürfen Sic dabei nicht in stelle; allein ich meine, daß,ähnlich wiebei derFeier des Sabbaths, Verdacht haben: ich halte aus. Gewissenhaft, wie ich einmal so auch wer nach einem arbeitsvollen Jahre die Ruhe des bin, „setze ich — ohne Noth — nicht hinzu und thue nicht Kuraufenthaltes nicht mit Würde — otium cum dignitate — davon" von dem, was die Balneologie vorschreibt. Werden! genießen kann, an Leib und Seele unftei ist. Doch muß ich Sie mir glauben, daß ich nach dieser Seite hin das Bade-! dieser Species von Kurgästen bei ihrem eigenihümlichen Publikum beobachtet habe und daß die Art, wie die Kurgäste; Zwitterzustande zwischen Ruhe und Unruhe nachrühmen, daß der Arbeit entsagten und das „süße Nichtsthun" ertrugen,! sie in ihrer Weise bemüht sind, sich Stoff zur Kurzweil aufmir häusig zum Maßstab meiner Beurtheilung derselben; zusuchen. Und welchen, meinen Sie, fassen diese iu's Auge diente? Selbstredend spreche ich nicht von Solchen, welche und lassen ihn nicht los? Den Rabbiner. Denn dieser ist die Noth des Lebens in den Dienst des Tages zurückruft,!- auch nicht von deren Widerspiel, die mit den goldenen Ketten' n\ u s ihres Leichtsinns sich unzertrennlich an den mühelosen Genuß I 3) Neg-otium; a-o/oXia.