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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-04-14 · Heft 16 (14.4.1885) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 16 (14.4.1885)
Date
1885-04-14
Page
Seite 259 (sequence 11)
Language
German
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259 San-Antonio in Texas, daß sich dort eine neue Secte geüber sie gegebenen Notizen, wobei er ebensoviel Sachkenntbildet hat, welche, aus geborenen Christen bestehend, die christniß wie kritische Befähigung beweist. Die Auffindung des lichen Dogmen verwirft und den Samstag als Ruhetag feiert, einzelnen ist durch ein geographisches Register erleichtert. — Bon den Satzungen des Judenthums wissen diese Leute! „Zur Geschichte der Juden in Böhmen von G. Wolf (Prag, allerdings nicht viel, find aber sehr bibelfest und in der jü-! Brandeis, 1885)." Der Verfasier, der sich um die Geschichte dischen Geschichte bewandert. — Der Commodore Arnolds > Pavia in Mailand ist von der dortigen, sehr angesehenen j und einflußreichen Handelskammer zu ihrem Präsidenten ge-! wählt worden. —! Bonn, 2. April. (Literarische Notizen.) Babylonien, spielt in der jüdischen Geschichte und Literatur eine hervorragende Rolle. Wie die Schrift seiner schon im Beginn der menschheitlichen Entwickelung gedenkt und seinen Ursprung erzählt, so beziehen sich viele Reden der Propheten aus das zu einem mächtigen Staate erwachsene Babel. Seit dem Falle Afiyriens griff es auch unmittelbar in das Geschick Israels ein, und mit der Zerstörung Jerusalems und der Wegführung des Volkes nach Babel, wurde dieses das zweite Vaterland des jüdischen Stammes. Hier verblieben große, durch das Land zerstreute Colonien auch nach der Wiederherstellung Jerusalems, und als den Juden der Aufenthalt in Palästina durch die Römer immer unerträglicher ward, verpflanzte sich auch die jüdische Gelehrsamkeit nach Babylonien, schuf hier große Lehrhäuser, sammelte das Volk wieder um die Fahne der Tradition, und bei dem steten Wachsthum der Materialien entstand das große Sammelwerk des babylonischen Talmuds. Die Juden aber leisteten dem Lande in Ackerbau und Verkehr vielfachen Nutzen und bezeugten ihre Dankbarkeit öfter mit den Waffen in der Hand, namentlich zur Vertheidigung gegen die römischen Legionen, weshalb z. B. der Kaiser Trajan seinen Haß gegen die Juden überhaupt wandte. Unter diesen Umständen sollte man voraussetzen, daß das Schristthum der Juden vielfache und werthvolle Aufschlüffe über die Länder, Völker und Geschicke Babyloniens enthalten müßte. Aber der Geist der talmudischen Lehrer war zu sehr von der Beschäftigung mit dem Gesetze, von der halachischen und agadischen Auslegung eingenommen, als daß sic sich viel um Land und Leute und um deren Schicksal und Zustände hätten kümmern sollen. Die gelegentlichen Notizen, die sich hier und da im Talmud und Midrasch finden, sind deshalb nicht befähigt, uns ein Bild von Babylonien und seiner Geschichte zu geben. Was davon vorhanden, hat vor Kurzem Dr. A. Berliner in einer Abhandlung: „Beiträge zur Geographie und Ethnographie Babyloniens im Talmud und Midrasch (Berlin, Driesner)," als Beilage zum Jahresbericht des Rabbinerseminars zu Berlin, gesammelt, sich anlehnend besonders an Neubauers „La. Geographie du Talmud". Nach der Besprechung Babylons im Allgemeinen führt der Verfaffer in alphabetarischer Ordnung die einzelnen in den genannten Werken angeführten Ortschaften auf und prüft die der österreichischen Juden schon so viele Verdienste erworben, hat in der vorliegenden kleinen Schrift, einen Separat-Abdruck aus Brandeis' Jlluftr. Jsr. Volkskalender zwei intereffante Gegenstände aus der Geschichte der Juden in Böhmen behandelt. Kaiser Karl IV. und Herzog Rudolf IV. von Oesterreich haben am 12. December 1360 in Nürnberg einen Vertrag geschloffen, in welchem sie sich verpflichteten, daß keiner der Contrahenten die Juden, die im Besitze des anderen Theiles wohnten, aufnehmen, schirmen oder ihnen Unterstand geben werde. Die betreffende Urkunde wird wortgetreu mitgetheilt. Es ist dies eines der Zeugnisse, daß die Landesfürsten die Juden recht gern in ihren großen oder kleinen Reichen sahen und den Nutzen erkannten, der ihnen durch sie verschafft wurde. Es gilt hier keine Vertreibung, sondern ein Festhalten derselben. Eine Vertreibung aber bildet den Gegenstand des zweiten Abschnittes, nämlich die Vertreibung der Juden aus Böhmen 1501. Aber es war dies doch keine Vertreibung, denn diese wurde, weil sich nachdrückliche Proteste dagegen erhoben, immer wieder aufgeschoben und blieb schließlich unausgeführt. Auch hier fügt der Verfasser die bezüglichen Documente bei. — Je weniger gegenwärtig die jüdische Homiletik in der Literatur eine gedeihliche Pflege findet, desto eher fühlen wir uns verpflichtet, die einzeln erschienenen Predigten an dieser Stelle auszuführen. „Das geistliche Amt — ein Hirtcnamt", Antrittspredigt des Dr. M. Silberstein als Stadt- und Bezirksrabbiner in Wiesbaden (Wiesbaden, Rodrian, 1884.). — „Ein Feststrauß dem Ewigen, über Aboth 2, 15. Fünf Festpredigten, gehalten an den Herbstfciertagen 1884 von Dr. David Leimdörfer (Hamburg, Glogau, 1884)." — „Predigt zur Erinncrungsfeier an das 25 jährige Bestehen der neuen Synagoge zu Trier von Dr. M. S. Zuckermandel, Oberrabbincr. (Trier, Lintz, 1884)." — „Tie Jacobsleiter oder Glaube und Hoffnung, eine Barmizwahrede von Leopold Buxbaum, Rabbiner. (Wien, Selbstverlag, 1883)." — „Humanität im Judenthum, Bortrag von Dr. M. Dessauer, herzoglicher Landesrabbiner in Sachsen-Meiningen. (Leipzig, Friese. 1881)." — Aus Hannover wird uns geschrieben: Ten Cyklus der Borträge, welche im hiesigen Talmud-Thora- Verein diesen Winter gehalten wurden, schloß Mittwoch, den 18. d. M, ein Vortrag des Herrn Dr. S. Kayserling über die „Verfolgung des Talmud". Nach einem kurzen Hinblick aus Wesen und Entstehung des Buches ging Redner auf sein eigentliches zeitgemäßes Thema über und schloß mit den Worten: „Noch immer wird der Talmud angefeindet, auch 16*

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