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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-04-14 · Heft 16 (14.4.1885) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 16 (14.4.1885)
Date
1885-04-14
Page
Seite 258 (sequence 10)
Language
German
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258 der israelitische Cultusetat um 28 000 Fcs. vermindert worden. Davon sind das Rabbinerseminar, für welches die Stipendien gestrichen worden, und die Rabbiner betroffen, da die Departementalgroßrabbiner ihr Gehalt von 4000 Frcs. auf 3000 herabgesetzt sehen und nach diesem Berhältniß das schmale Einkommen der Gemeinderabbiner vermindert worden. Wie schon wiederholt ausgesprochen worden, muß man von den in den Kammern vorherrschenden Tendenzen die weitere Herabminderung der Cultusetats bis zur völligen Streichung derselben erwarten. Da ist denn die allmälige Herabsetzung der günstigste Weg. Diejenigen, welche sich für den Fortbestand des jüdischen Cultus in den Gemeinden interessiren, müffen gegenwärtig und ebenso auf den späteren Etappen über, daß derjenige, welcher in religiösen Fragen auf Seiten der Bertheidiger stände, aus der Partei ausgeschieden werden würde. Ich erinnere nur an den seligen Joseph Oppenheim in Brüssel, der lange Zeit hindurch von der liberalen Partei in den Provinzialrath gewählt wurde; als er aber als Präsident des israelitischen Consistoriums für den jüdischen Friedhof eintrat, wurde er von der liberalen Partei dementirt und nicht wieder gewählt. Oppenheim ertrug dies mit Ruhe und zog in seiner Gewissenhaftigkeit seine Ueberzeugung dem Beifall der Herren Liberalen vor. Bon solchem Geiste wissen die jetzigen Deputirten und Senatoren nichts, und hüten sich, um derartige Fragen ihre Stellung zu riskiren. — Algier, 17. März. Der Köln. Ztg. schreibt man von dahin streben, daß die von den Kammern gestrichenen Posten j hier: Eine vom Kriegsminister getroffene Anordnung, (über von den Gemeindemitgliedern ersetzt werden, und hierdurch die wir bereits berichtet haben): «hat nicht nur die Bekenner wird sich in den Gemeinden die Art und Weise der Contributionen organisiren, um im Falle der gänzlichen Streichung der Cultusetats die dadurch entstehenden Lücken auszusüllen. Allerdings hat dann die Consistorialverfassung keine Aussicht des Fortbestandes mehr, da unmöglich der Staat sie den Juden aufzwingen kann, wenn er die dazu nöthige Besoldung versagt. Die Consistorialrabbiner können von Rechts wegen, so lange sie leben, aus ihrer Stellung nicht beseitigt werden. Und daß die nichtrabbinischen Herren Consistorialräthe abzudes Islam, sondern auch die europäische Bevölkerung unangenehm berührt, — ich meine die Verfügung des Kriegsministers, daß die eingeborenen Juden ihre Dienstzeit nicht mehr wie ftüher in Südfrankreich. sondern in Algerien selbst durchmachen sollen. Bei dem Widerwillen der Mohamedaner gegen die Juden und der antisemitischen Stimmung der Mehrzahl der Kolonisten befürchtet man nicht mit Unrecht, daß diese Berfügung zu den unangenehmsten Auftritten führen könnte. Die traurigen Scenen, welche voriges Jahr danken hätten, wäre kein großer Verlust. Denn über sieben sich in den Straßen Algiers ereigneten, könnten leicht sich Jahrzehnte besteht die Consistorialverfassung, ohne irgend in den Casernen wiederholen". — Daß diese Maßregel den welche bemerkliche Thätigkeit, ohne einen wesentlichen Einfluß Mohamedanern und zum Theil den Europäern, von denen auf die Entwickelung des Synagogen- und Schulwesens ausge-! bekanntlich viele nicht zu den besten Klassen gehören, unanübt zu haben. Jedenfalls verdient diese Angelegenheit die;genehm ist, glauben wir; denn selbst diese Europäer können Aufmerksamkeit, da ihre ferneren Phasen lehrreich sein werden, j sich noch nicht mit dem Gedanken aussöhnen, daß die einge- Jn dem Arch. isr. wird den jüdischen Deputirten und Sena-! borenen Israeliten gleich berechtigt sein sollen. Von den toren der Borwurf gemacht, daß keiner von ihnen sich erhoben hat, um für den israelitischen Cultus einzutreten. Sie erinnern an die Cerfbeer, Foulv, Goudchaux, Pereira, Javal, Cremieux, die, ohne strenggläubige Juden zu sein, doch niemals anftanden, für ihre Glaubensgenossenschaft und Glaubensgenossen einzutreten. Dafür, meinen sie, war ihr Name auf aller Welt Lippen, während die jetzigen Deputirten und Senatoren jüdischer Religion Niemand kennt. Allerdings würde Jedermann in Verlegenheit gerathen, wenn er diese Herren aufzählen sollte. Jndeß hat die Sache doch eine andere Seite. In der vergangenen Zeit waren zwar die politischen Parteien scharf genug getrennt, aber der antiklerikale und antireligiöse Geist noch nicht so durchgedrungen, daß es einem radikalen Deputirten verübelt worden wäre, wenn er für religiöse Zwecke eingetreten wäre. Cremieux gehörte zur radikalen Opposition und doch nahm es ihm Niemand übel, daß er allzeit für Judenthum und Juden in mannhafter Weise Störungen, welche der Corresp. der K. Z. voraussagt, hat sich bis jetzt noch nichts gezeigt. Jedenfalls ist die Maßregel eine gerechte und es existirt kein Gesetz, mit welchem es in Uebereinstimmung wäre, die jüdischen Soldaten regelmäßig nach Südftankreich zu versetzen, da sie ja nicht ein besonderes Corps bilden. Bonn, 5. April. (Notizen.) Der rühmlichst bekannte Gelehrte James Därmsteter in Paris, bis jetzt Directorial-Adjunkt an der Schule der höheren Studien, ist zum Professor der persischen Sprache und Literatur am College de France ernannt worden. — Man hat schon wiederholt Ursache gehabt, über die Unverschämtheit russischer Bettler zu klagen, die schon öfter vor dem Gebäude des comitd de bienfaisances Unruhen angestiftet haben. Jüngst wollte ein solcher durchaus den Großrabbiner von Paris sprechen, und da der Portier nach der ihm gewordenen Anweisung ihn zurückstritt. Dies ist jetzt anders geworden und die Gegensätze! wies, hat er demselben einen Messerstich versetzt. Glücklicherauf dem religiösen Gebiete stehen so schroff einander gegen-j weise ist die Wunde nicht schwer. — Man berichtet aus

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