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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-04-07 · Heft 15 (7.4.1885) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 15 (7.4.1885)
Date
1885-04-07
Page
Seite 243 (sequence 11)
Language
German
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243 wie wegen skandalöser, zur Grundlage seines Broderwerbs j durch das Krakauer Landesgericht am 10. October wegen dienender Ausübung von Umtrieben, welche die friedliche! Verbrechens des Meuchelmordes gefällten Urtheils, auf Grund Ruhe der Bewohner der Stadt stören, aus dem Comitate! dessen sämmtliche Beschuldigte zur Todesstrafe verurtheilt ein für allemal ausgewiesen. wurden, erfolgte auf Antrag der Generalprokuratur, welche Pest, 20. März. (Privatmitth.) Für die Vertretung der durch Hofrath Simonovics vertreten war. Referent der Strafisraelitischen Religionsgenosienschast im Oberhause, welchen Punkt die Dreier - Commission in ihrer Majorität einfach gestrichen hat, wird der Ministerpräsident, wie er dies schon vorher angekündigt, auch im Plenum der Magnatentafel einstehen und wenn dort die Majorität sich den Anschauungen der Majorität der Dreier-Commission anschließt, dann wird die Angelegenheit im Abgeordnetenhause nochmals zur Sprache kommen; sie hat also jedenfalls noch mehrfache Stadien bis zur endlichen Entscheidung durchzumachen. Der Bericht der Dreier-Commission motivirt die Streichung des auf den israelitischen Vertreter bezüglichen Punktes mit den Worten: „Nachdem die Israeliten nicht so wie die übrigen Confesfionen im ganzen Lande anerkannte Vorsteher haben, welche berechtigt wären, ihre Confession in der Magnatentafel zu vertreten, konnte in Ansehung ihres Vertreters in der vorgeschlagenen Weise nicht vorgesorgt werden." Wir müssen gestehen, schreibt „P. Lloyd", daß uns die Logik dieses Satzes ganz unverständlich ist. Es ist wahr, daß die israelitische Religionsgenossenschaft solch eine „für das ganze Land wirksame Borstehung" nicht besitzt; allein eben deshalb hat ja der Regierungsentwurf die Bestimmung enthalten, daß der geistliche oder weltliche Repräsentant der israelitischen Religionsgenossenschast auf Vorschlag des Ministeriums durch die Krone ernannt werden soll. Aus der Thatsache, daß eine „im ganzen Lande anerkannte israelitische Borstehung" nicht existirt, folgt also gerade, daß für diese Vertretung der im Regierungsentwurfe proponirte Modus, nämlich die Ernennung durch die Krone, zu acceptiren, nicht aber, daß derselbe, wie der Bericht der Dreier-Commission daraus folgert, abzulehnen sei. In der Voraussetzung, daß ein Neologe zum sache war Hofrath Dr. Ritter v. Peplowski. Dem hiesigen Landgerichte wurde die Wiederaufnahme des Strafverfahrens zu Gunsten sämmtlicher Beschuldigten aufgetragen. Der Oberste Gerichtshof weist in seiner scharfen Motivirung auf die zahlreichen Widersprüche in den Aussagen der als Sachverständige einvernommenen Aerzte, anfänglich des vr. Bilinski und des Chirurgen Maidel, dann der Gerichtsärzte in Rzeszow, Krakau, und zuletzt der medicinischen Fakultät in Krakau, hin. Der Oberste Gerichtshof gelangte in seiner fünf Bogen starken Motivirung zur Schlußfolgerung, daß der objective Thatbestand nicht erwiesen ist. Aus dem anfänglich abgelegten, später widerrufenen Geständniß des Marcell Stochlinski erachtet der Oberste Gerichtshof als in subjectiver Hinsicht nichts bewiesen, zumal Stochlinski sich selber in vielen Punkten widerspricht. Die Wiederaufnahme wurde dem Untersuchungsrichter Landesgerichtsrath Szurek zugewiesen. Im Ganzen dauert die Untersuchung nunmehr vier Jahre. Brünn, 26. März. (Privatmitth.) Eine in dem leitenden Artikel von Nr. 13 angeführte Thatsache bedarf der Berichtigung. Frhr. v. Winterstein war nie Minister. Allerdings war ihm das Portefeuille des Handelsministeriums angetragen worden (wie alle Zeitungen damals berichteten, Redakt.), er soll es aber mit Hinblick auf das Bedenkliche seiner Situation als Jude abgelehnt haben. Wie warm er es selbst mit dem Judenthum gemeint, mag daraus entnommen werden, daß sein Adoptivsohn, ein Ministerialbeamter, Christ ist. Nebrigens war in Oesterreich nie ein Jude Minister; die höchste Stufe auf der Leiter der Beamtenhierarchie dürfte v. Doczi (ehemals Dukes), der Verfasser des bekannten Lustspiels „Der Kuß" innehaben, welcher Ministe- Oberhausmitgliede ernannt werden könnte, geben sich die>rialrath im Ministerium des Aeußern ist. Uebrigens soll Orthodoxen des Landes alle Mühe, die diesbezüglichen Pa-> auch er sein Kind der Taufe zugeführt haben. Aehnliches ragraphen zum Falle zu bringen.; Pest, 27. März. Das Oberhaus hat mit seiner Mehr-! heit den Eintritt eines Vertreters der Judenschaft in das neue Oberhaus verworfen. Dafür stimmten die Minister, die Obergespäne und die protestantischen Magnaten, auch Graf Julius Andrassy; dagegen der gesammte Episcopat. Dieser hat jedoch ebenfalls eine Niederlage erlitten, indem das Verbleiben der Weihbischöfe und der protestantischen Würdenträger abgelehnt wurde. An heftigen Ausfällen gegen die Juden hat es nicht gefehlt. Weiteres in nächster Nummer. ftratau, 25. März, lieber den kassirten Proceß Ritter wird von hier geschrieben: Die bereits gemeldete Kassirung des gegen Moses Ritter, Baile Ritter und Marcell Stochlinski ist in letzter Zeit wiederholt vorgekommen und trotzdem konnte der Abgeordnete Pater Greuter ganz unwidersprochen im Reichsrathe die Behauptung Vorträgen, daß die christlichen Jünglinge in ihrer Carri^re zurückgedrängt werden, um für die Juden den Platz frei zu bekommen — und dem hat Niemand von den jüdischen Abgeordneten widersprochen. Eine neue Illustration für die von Ihnen oft widersprochene Thatsache, daß die vornehmen Juden für ihre Glaubensgenossen eher ein Unglück zu nennen sind. Frankreich. Paris, l i>. März. Wie wir schon berichtet haben, hat der Senat die von der Deputirtenkammer votirten Abstriche is*

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