Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1885)
- Date
- 1885-04-07
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
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237 lichen zum Seelischen und des Seelischen zum Leiblichen. Ebenso müssen wir den Anhängern der Physiologie und Psychologie gegenüber die Wichtigkeit der religionsphilosophischen Frage über das Berhältniß der menschlichen Willensfreiheit zur göttlichen Providenz aufrecht erhalten. Die strenggläubige Orthodoxie beschäfttgt sich freilich mit dieser Frage nicht; sie bleibt in dev Theorie bei dem überlieferten Fatalismus, Determinismus und Prädestinationsglauben stehen, und hält sich praktisch bald an diese, bald an jene Schriftstelle, wie sie dem augenblicklichen Bedürfniß entspricht und der einen oder der anderen Seite günstig ist. Aber für die rationelle Theologie, für jeden denkenden Gottgläubigen, der nach der Aufforderung des Mosaismus die „Erkenntniß" liebt und sucht, hat das angegebene Problem und dessen mehr oder weniger zutreffende Lösung um so mehr ein dauerndes Interesse, als jenes eben so sehr die Natur des Menschen wie das Wesen der Gottheit befaßt. Es ist daher natürlich, daß die Meinungen der jüdischen Religionsphilosophen über die obige Frage die Beachtung auf sich gezogen haben. Wir verweisen z. B. auf unsere Besprechung im zweiten Theile Leistungen der Schule unterrichtet werden, so daß die bei dem jüdischen Publikum sehr leicht geweckten verschiedenen Urtheile beseitigt werden. Wir wissen sehr wohl, daß es Viele giebt, welche diese öffentlichen Prüfungen als bloße „Schaustellungen", zu welchen besondere Vorbereitungen stattfinden, verurtheilen. Mag dies immerhin sein, so schreiben wir dennoch diesen Prüfungen mancherlei Nutzen zu. Das Interesse der Zöglinge, ebenso wie das der Eltern, wird geweckt und dies ist für eine jüdische Religionsschule, der keine gesetzliche Vorschrift zur Seite steht, von großem Werthe; und außerdem wird doch immerhin Zeugniß abgelegt von dem, was in der Schule betrieben wird, und endlich wird der Fleiß der Lehrer wie der Zöglinge angespornt. Zu Nutz nnd Frommen der jüdischen Religionsschulen, die sonst aller Aufmerksamkeit entgehen, möchten wir deshalb die Vorstände derselben ermahnen, diese öffentlichen Prüfungen nicht zu vernachlässigen, und wo sie fehlen, sie einzuführen. Die Einladungsschriften haben dann noch den Bortheil, daß der Dirigent sich über viele, der Schule wichtigen Momente vor den Eltern auslassen kann. Wir haben eben einige solcher unserer israeliüschen Religionsschule S. 95 ff., wo wir auch Schulberichte vorliegen. Es geht aus ihnen hervor, wie verdie Aussprüche Saadia's, Maimunis, Albo's, Mendelssohns I schieden noch die Ansichten über Inhalt und Umfang des anführen. Im Jahre 1881 erschien eine recht wackere Abhandlung „die Willensfreiheit und ihr Berhältniß zur göttlichen Präscienz und Providenz bei den jüdischen Philosophen jüdischen Religionsunterrichtes sind. Als nach dem Verschwinden der Chedarim und bei der verhältnißmäßig noch sehr geringen Zahl jüdischer Schulen das Bedürfniß eines des Mittelalters" von Dr. Ludwig Stein (s. Jahrgang 1881 besonderen Religionsunterrichtes an vielen Arten durchdrang S. 661). Bor Kurzem folgte dieser Schrift eine andere! und zu diesem Zwecke Religionsschulen gegründet wurden desselben Inhalts: „Das Problem der Willensfreiheit in derj (»gl. unser „Israelitisches Predigt- und Schulmagazin" 2. älterenjüdischenReligionsphilosophievonvr.L.Knoller.Breslau,! Auflage, Leipzig Baumgärtner S. 327 ff.) erkannte man als Kölmer 1884", welche ihren Gegenstand mit größerer Ausführ-! Lehrziele derselben an: den Unterricht im Hebräischen, so lichkeitbehandelt.DerBerfasser stellt nach einer Einleitung, welche i weit dieser unter den gegebenen Verhältnissen möglich war, den Boden beschreibt, aus dem die jüdische Religionsphilosophiedie biblische und jüdische Geschichte und den systematischen erwachsen, nach einander die Ansichten Saadia's (692 —942),! Religionsunterricht, der stufenweise geordnet, in den Confir- Bachia's, Jehuda Halevi's (1085), Joseph Jbn-Zaddik's j mandenunterricht mündete. Die Wirksamkeit dieser Religionslos—1148), Abraham Jbn-Taud's (1110—118m und i schulen war sehr wvhlthätig und wo sie richtig geleitet wurden, endlich Maimuni's (1135—1204) dar, indem er besonders j fanden sie auch bei der Mehrzahl der Gemeindemitglieder den Gesichtspunkt festhält, die Weiterentwickelung der das' Anerkennung. Jndeß stellten sich auch bald Uebelstände Her- Problem lösenden Gedanken bei diesen jüdischen Denkern zu aus. Ten Zöglingen derselben wurde ein nicht unbeträchtverfolgen. Hierzu ist die Uebung einer gewissen Kritik noth-j licher Thcil ihrer schulfreien Zeit beansprucht und die Schüler wendig, bei der sich der Verfasser der Objectivität befleißigt.! und Schülerinnen der höheren Lehranstalten verloren allzu Aus allem dem geht hervor, daß unsere gegenwärtige Theofrühzeitig oder ganz und gar den Religionsunterricht und logie auf den Schultern dieser Denker steht, und eine Aus-! endlich waren für die kurz bemessene Zeit der Unterrichtsgleichung mit den gegenwärtig geltenden physiologischen und! gegenstände zu viele, um viel leisten zu können, namentlich psychologischen Ansichten noch erwartet werden muß. — i war dies im Hebräischen der Fall. Das Bestreben, dem Einige jüdische Religions-Unterrichtsanstalten laden jetzt jüdischen Religionsunterrichte einen festeren Halt und eine zu ihren „öffentlichen Prüfungen" durch gedruckte Berichte größere Verbreitung zu geben, schlug deshalb die Richtung ein, in welchen auch der Stundenplan mit den angestrebten: ein, zu bewirken, daß er auch an den öffentlichen Schulen Lehrzielen aus dem verflossenen Schuljahre mitgetheilt wird.. regelmäßig ertheilt werde, gleich dem christlichen, wodurch Es ist dies ein sehr löblicher Brauch, da hierdurch das Indann die Religionsschule ersetzt oder nur für die Zöglinge tereffe der Ettern geweckt wird und diese zugleich über die«der Schulen nothwendig würde, welche den Unterricht in