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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-31 · Heft 14 (31.3.1885) · p. Seite 229

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 14 (31.3.1885)
Date
1885-03-31
Page
Seite 229 (sequence 13)
Language
German
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229 Keuilleton. Der ats Hvch^kpler entlarvte Dl'. JustllS. Kaum war der vr. Brimanus, der nach seiner Versicherung Aus dem »Berliner Tageblatt" vom 16. März. |0ou bet (ilt Wahrheit gar nicht existirenden) Universität zu! Gallipoli in Kleinasien graduirt wurde, aus Wien abgefahren, Wien, 14. März.!als sich auch schon zahlreiche Anzeigen bei den Behörden Bor einigen Monaten begann eine plötzlich in Wien i einstellten, die keinen Zweifel mehr darüber aufkommen ließen. aufgetauchte Persönlichkeit die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zu lenken. Es war ein Mann, der gewinnende Manieren mit großem Wissen und augenscheinlich auch mit bedeutendem Vermögen verband. Er nannte sich vr. Augustus Brimanus, und gab an, aus Kleinasien zu stammen. Seine Verbindungen schienen in sehr hohe Gesellschaftskreise hin aufzureichen, er selbst erzählte in glaubwürdiger Weise von seinem intimen Verkehr mit hochgestellten Personen und daß der Herr Doktor eigentlich ein arger Schwindler sei. Die Polizei bemühte sich deshalb, seine Spuren ausfindig zu machen, und dies gelang auch: am letzten Mittwoch wurde vr. Augustus Brimanus, wie bereits telegraphisch gemeldet, in Graz verhaftet. Nun werden aber noch weitere Details über den Herrn bekannt, und es gewinnt den Anschein, als werde derselbe noch viel von sich reden machen. Der Herr Doktor von namentlich mit Kirchenfürsten, und in der That schien er! Gallipoli ist nämlich augenscheinlich kein Dutzendschwindler, sich deren Freundschaft und Protektion zu erfreuen. Seine sondern origineller in seinen Thaten, als in seinen projektirten Beschäftigung bestand darin, daß er die Vorbereitungen zur gelehrten Werken. Er dürfte auch in weiteren Kreisen Deutsch- Herausgabe eines epochemachenden gelehrten Werkes traf, er lands bekannt sein und dort einiges Interesse erregen. Nach hatte die bezüglichen Vereinbarungen bereits mit einem Berder Meldung des Neuen Wiener Tageblatts wäre der jetzt leger getroffen, er beschäftigte mehrere Stenographen und wegen Heirathschwindels und anderer Bettügereien verhaftete Schreiber, die er sich aus den Reihen der armen Studenten Hochstapler identisch mit jenem vr. Justus, dessen berüchtigte wählte, und hatte auch schon den ersten Druckbogen seines Broschüre „Der( Judenspiegel" in der antisemitischen Bewegung Werkes dem Verleger übergeben, vr. Brimanus war eine der letzten Jahre eine große Rolle spielte, beneidete und vielumworbene Persönlichkeit, und das mit Aus behördlichen Quellen verlauten jetzt weitere Einzelgutem Grund. Er war, wie er selbst berichtete, der Sohn heilen über den Herrn, die werth erscheinen, wiedergegeben eines vielfachen Millionärs und der Neffe eines Nabobs, zn werden, vr. Augustus Brimanus ist darnach weder aus Freund einflußreicher Männer, Dozent der Hochschulen von Kleinasien, noch aus Griechenland, wie er früher angegeben, Prag und Innsbruck, außerdem Verlobter einer reichen und sondern in Costinesti in Rumänien als Sohn jüdischer Eltern angesehenen Dame, nebenbei großer Gelehtter, ruhmbedeckter geboren. Bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahre hieß er Autor rc. Plötzlich aber veränderte sich die Lage unseres Abraham Briemann. Jetzt, da er mit mehreren Bräuten großen Mannes vollständig. Der Verleger, der den zweiten verlobt war, wird es interessant sein, zu hören, daß vr. Augustus Druckbogen zu dem Werke des vr. Brimanus erhielt, machte Brimanus Frau und Kinder in dem kleinen ostgalizischen die Entdeckung, daß das Manuskript keine Originalarbeit Städtchen Buczacz sitzen hat. Eines Tages verschwand er, enthalte, sondern aus einem, vom Anfang des vorigen Jahrohne Abschied von seiner Familie zu nehmen, aus Buczacz Hunderts stammenden, wenig gekannten Buche, dessen Autor und ging nach Berlin, wo er den Rabbinatsknrsus an dem Raab hieß, Wort für Wort abgeschrieben sei. Der Verleger . von vr. Hildesheim geleiteten Seminar absolvirte. In Berlin schickte die Manuskripte sofort zurück und brach die Verbinschloß er sich der othodoxesten Richtung an; alle seine Bemüdüng gänzlich mit dem vr. Brimanus ab. Das war der Hungen, einen Rabbinatssitz zu erlangen, blieben jedoch vcrerste Anstoß, von da ab ging es mit dem Gelehrten stark geblich. Bon Berlin wandte er sich zunächst nach Amsterdam bergab. Er konnte seine Stenographen und Schreiber nicht und dem Haag, wo jedoch eben derselbe orthodoxe Geist, den bezahlen, man begann allerlei zu munkeln, es tauchten verer zur Schau trug, ihm die Wege zu einem Rabbinatssitz schiedene Gläubiger auf und eines schönen Tages meldeten versperrte. (?) Da schließlich alle seine Hoffnungen in Nichts sich zwei Bräute des vr. Brimanus auf einmal. Dieser zerrannen, ging er wieder nach Berlin zurück, versuchte sich aber verkaufte rasch seine Einrichtung und seine Bücher, die Pastor Delacroix zu nähern und wurde schließlich von Herrn insgesammt entliehen waren, packte bei Nacht schlafender Zeit Pastor Delacroix zum Protestantismus bekehrt, den unentbehrlichen Rest seiner Habseligkeiten zusammen und Doch auch der Protestantismus trug keine Früchte, verschwand aus Wien. Das war in der vergangenen Woche.! vr. Augustus Brimanus, so nannte er sich, seitdem er Pro-

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