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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-31 · Heft 14 (31.3.1885) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 14 (31.3.1885)
Date
1885-03-31
Page
Seite 230 (sequence 14)
Language
German
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230 testant war, suchte nun sein Mißgeschick zu korrigiren, indem i erwiesen habe; er sei bei den hochwürdigsten Kirchenfürsten er fich wieder einmal unter seinem alten Namen Herrn Vr. Hildesheim vorstellte und ihm unter der Vorspiegelung, daß er Aussicht auf ein Rabbinat dort und dort habe, ein ziemlich hohes Darlehn entlockte- Darauf fuhr er von Berlin nach Paderborn und trat dort zum Katholizismus über. Dieser Schritt war nicht die Eingebung eines Augenblicks. vr. Brimanus hatte schon seit längerer Zeit Verbindung mit mächtigen agitatorischen und propagandistischen Faktoren gesucht und die Aufmerksamkeit derselben durch seine glanzende Befähigung und durch den bedeutenden Fonds an — Brauchbarkeit, den er besaß, auf fich gelenkt. Er wurde oft zu Gaste gewesen und es ständen für ihn jederzeit Appartements in der Salzburger Residenz bereit. Was Wien betrifft, so rühmte er sich besonders, den Rektor der Universität Zschokke zu seinen Freunden zählen zu dürfen; ja er erzählte vor seinen Abschreibern wiederholt, daß er mit einer Nichte des Rektors vermählt sei. — Indessen hatte er, wie gesagt, eine Frau nur in Buczacz; in Wien hatte er, nach der Angabe des „Neuen Wiener Tagblatt", nur zwei Bräute, deren eine in der Windmühlgaffe wohnte, während die andere in der Frankenberggaffe wohnhaft ist. Nun dürfte der gelehrte Hochstapler dem Wiener Landesgericht nun gestützt und gefördert, da man im Kampfe einen solchen eingeliefert werden, wenn nicht vorher das Grazer Strafge- Arm brauchte. Nach mehreren anonym erschienenen Flugschriften, die an agitatorischer Kraft und leidenschaftlicher Sprache die schwerfälligen und plumpen Machwerke anderer Agitatoren weit überflügelten, schrieb er endlich unter dem Pseudonym „vr. Justus" 1883 den „Judenspiegel", eine Tendenzschrist, die mehrere Auflagen erlebte, in Deutschland und Oesterreich große Verbreitung fand (man weiß durch welche Mittel!) und, wie erinnerlich auch im Tisza - Eszlarer Prozeße eine wichtige Rolle spielte. Dieses Buch führte auch zu einem intereffanten Prozeß. Die königlich preußische Staatsanwalt richt noch besonders mit ihm etwas auszumachen hat. Vermischtes. Der letzte Rest der Judengaffe in Frankfurt a. M. Im weiteren Verfolge berichtet man über die Erhaltung des Rothschild'schen Hauses aus Frankfurt vom 15. Marz, schast in Münster erhob nämlich gegen eine dortige Zeitung, Wegen der Erhaltung des v. Rothschild'schen Stammhauses welche einen Auszug aus dem „Judenspiegel" veröffentlicht i*1 ^er Judengaffe schwebten seit längerer Zeit zwischen den hatte, die Anklage wegen Schmähung gegen staatlich anerstädtischen Behörden und der Anselm Salomon v. Rothschild'schen kannte Religionsgenoffenschasten. Es ist hier nicht der Ort,. Stiftung Verhandlungen, die nunmehr zum Abschluß gediehen! sind. Die v. Rothschild'sche Stiftung hat danach die Grunddie folgenschweren Schicksale dieser Broschüre eingehend zu schildern, denn uns beschäftigt nur der Lebensgang des Berfaffers; jedoch sei an dieser Stelle die Thatsache angemertt, daß in der deutschen Gelehrtenwelt offen die Beschuldigung erhoben wurde, vr. Augustus Brimanus habe einmal bei fläche der Häuser 147. u. 148., sowie eines Streifens rechts und links im Gesammtumfange von 2364 Quadratwerkfuß zum Preise von 35 460 Mk. unter Uebernahme aller Kosten zu erwerben. Ferner die Freilegung der von den Häusern einer fich darbietenden Gelegenheit ein Gutachten über das 92t* 146. und 149 eingenommenen Flächen zum Preise Werk des vr. Justus — also über sein eigenes Werk, abgegeben. Nach längerer Abwesenheit tauchte er 1884 wieder auf österreichischem Boden auf, und zwar zuerst im Norden der Monarchie. 'Ein dort lebender, in der Tendenz ihm nahestehender Schriftsteller (muthmaßlich Professor Rohling, der Jefuitenpater, der fich in seinen Hetzschriften auf den „Judenspiegel" berief) hatte ihn für 1800 fl. zur Mithilfe bei den Vorbereitungen zu einer „wissenschaftlich - prozessualischen" Affaire engagirt. Seine nächsten Etappen waren hernach Innsbruck, Salzburg, Graz, Wien. In all' diesen Städten suchte er inttme Fühlung mit den Kreisen der hohen Geistlichkeit zu gewinnen. Er rühmte fich vor Bekannten und bilden, selbst vor Fremden, daß er beispielsweise die Gunst des Fürst-Primas von Ungarn, Kardinals Simor, besitze. Ganz besonders gern sprach er von der Huld, die ihm der Fürst- Erzbischof von Salzburg, vr. Eder zu wiederholten Malen; von 1060 Mk. zu besorgen. Das v. Rothschild'sche Haus (Nr. 148.) hat mit dem Nachbarhause Nr. 147 einen gemeinschaftlichen Giebel, und da fich diese Häuser zu einem einheitlichen Bau ergänzen, sind sie beide zu erhalten. Damit der Bau in die neue Straßenlinie zu liegen kommt, muß er um fünf Viertel Meter zurückverlegt werden. Die in einem spitzen Giebel auslaufende Fayade wird natürlich in der ursprünglichen Form wiederhergestellt werden, also wieder Schieferbekleidung erhalten und das alte Holzfachwerk sichtbar hervortreten lassen. Der interessante alterthümliche Bau wird zu seiner künftigen Umgebung, da hier eine neue Prachtstraße entstehen wird, einen merkwürdigen Contrast

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