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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-31 · Heft 14 (31.3.1885) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 14 (31.3.1885)
Date
1885-03-31
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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2-8 Avancement von keiner confesfionellen Rücksicht erschwert wird. — Man schreibt uns aus Tübingen vom 11. März: Vergangenen Sonnabend wurde in der hiesigen Synagoge von Herrn Lehrer Thalmann der erste Jugendgottesdienst abgehalten. Die Kinder, welche durch die Theilnahme am Schulunterricht vom Besuche des gewöhnlichen Gottesdienstes abgehalten werden, erhalten dadurch, abgesehen von der Familienerziehung , Gelegenheit zu beten und das belehrende Wort der Predigt zu hören. Ein Knabe recitirte die Gebete und die andern Kinder, Knaben und Mädchen, übten die Responsorien. Herr Thalmann schilderte den Kindern den großen Werth des Gebets und das beseligende Gefühl, das im Herzen durch ein wahrhaftes Gebet entsteht. Bäter und Mütter betheiligten sich am Gottesdienste. (Diese Einrichtung entspricht ganz den Ansichten, die wir jüngst über den Jugendgottesdienst in dies. Bl. geäußert haben, nur daß die Predigt, wenigstens abwechselnd, zu einer Katechese werden möge. Mögen recht viele Lehrer dem Beispiele des Herrn Thalmann folgen! Redakt.) Bonn, 8.März. (LiterarifcheNotizen.) Wir haben vor Kurzem (Rr. 10. S. 150) über eine größere Erzählung referirt, welche in einem entlegenen lithauischen Städtchen spielte und den erwachenden Kampf der Cultur und Intelligenz gegen den finstern und fanatischen Chassidismus zum Gegenstände hatte. Jetzt empfangen wir ein Seitenstück dazu: „Vom Cheder zur Werkstätte. Eine Erzählung aus dem Leben der Juden in Galizien von F. v. St. G. Wien, 1885. Hölder." Es ist allerdings nur eine verhältnißmäßig kleine Erzählung, ohne irgend welchen poetischen Schwung und Hintergrund, aber ganz aus dem Leben gegriffen und einfach und gemächlich erzählt. Wenn, wie gesagt, in jenem Roman die Cultur und das Wiffen sich das Dasein und ein kleines Terrain von dem weit verbreiteten und beherrschenden Chassidismus erobern will: so ist es hier die Arbeit, das Handwerk, die den Feldzug gegen jene abergläubische und wahnwitzige Sekte eröffnet. Der Sprößling einer Melamdim- Familie soll wieder Melamed und vorher „Besser" (Behelfer, Hilfslehrer) werden. Er begegnet, als er vergebens in mehreren Städten eine Stelle sucht, wohlwollenden und einsichtsvollen Menschen, die in ihm das Borurtheil der Melamdim- Familie — auch eine Aristokratie — bekämpfen und ihn bestimmen, bei einem Tischlermeister (Juden), in Krakau und dann in Wien in die Lehre zu gehen. Auf diesem Wege ein tüchtiger Geselle und Meister geworden, gründet er eine Familie, und macht es sich zur besonderen Aufgabe, jüdische Knaben aus dem Cheder zum Handwerk zu bringen. Auch hier, in Galizien, stehen die chasfidischen Borurtheile der bürgerlichen Bildung und dem tüchtigen Gewerbsleben in Arbeit und Handwerk entgegen und beherrschen die Menge zu deren Verderben. Aber ihre Macht ist bereits beschränkt und es bedarf nur, das Borurtheil in der eigenen Brust zu überwinden, um frei in das Leben hineinzuschreiten, ohne darum dem Judenchume und deffen wahrem Gesetze sich zu entfremden. Auf diese Weise endet unsre intereffante Erzählung nicht mit einer Frage, die noch Niemand zu beantworten vermag, sondern mit dem reellen Hinweis, daß auch die Masse sich allmählich vom Chassidismus freimachen und dem gesunden Leben sich zuwenden werde, vorausgesetzt, daß das Cheder immer mehr von der Volksschule verdrängt werde. Ganz besonders wird der Nutzen von Vereinen für die Verbreitung des Handwerks unter den Juden betont. Wenn immer das gute Beispiel alle theoretischen Auseinandersetzungen in seiner Wirkung überholt: so kann die vorliegende Erzählung, wenn sie recht große Verbreitung in der jüdischen Masse Galiziens findet, von großem Nutzen sein. Denn der Berf. versteht es trotz der Einfachheit der Personen die allgemeinen Verhältnisse heranzuziehen und zu besprechen. Bonn, 22. März. (Literarische Notizen.) In Bezug auf unsre Bemerkung in Nr. 12. S. 196. Anmerkung bemerkt uns Herr vr. Salfeld, daß die „Jsr. Annalen" Jahrg. 1839, Nr. 37, über Herxheimer's Bibel, erste Lieferung, bereits referiren, daß also hieraus wie aus H.'s Tagebüchern hervorgeht, weder H.'s Unternehmen auf uns, noch wir auf H.'s Werk Anregung und Einfluß geübt haben. Hiermit sind wir völlig einverstanden. Wir citirten H.'s Pentateuch 1840 nach Fürst Vidi. jud. Bd. L S. 387, wo Bd. Hl. S. 87 für das Erscheinen unsres Bibelwerkes richtig 1839 angegeben ist. Hiermit ist die Sache richtig gestellt. Uebrigens lese man die Vorrede unsrer..Erstlingsarbeit aus dem Jahre 1827, der metrischen Uebersetzung von fünf der „kleinen Propheten", um unsre Tendenz nach dieser Richtung hin zu ersehen, vr. L. Ph.

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