Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-31 · Heft 14 (31.3.1885) · p. Seite 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 14 (31.3.1885)
Date
1885-03-31
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227555-3227570--42519-3311080
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

225 feiten rn öffentlicher Stellung zu dupiren, zusammenschrieb, wie »Judenspiegel" rc., wurde bereits ausführlich geschildert; doch unbefannt ist bis jetzt, wie es gelang, dem berüchtigten Schwindler die Maske vom Gesicht zu reißen. Es erfolgte dies unter ganz originellen Umständen. Zu seinem Malheur bewarb sich Briemann bei seinem Verweilen in Innsbruck um die Hand eines Mädchens, welches in naher Verwandtschaft zu einem der bekanntesten Führer der socialistischen radicalen Partei in Wien stand. Dieser, von Wien behördlich ausgewiesen, mußte nach seinem Heimathsorte Innsbruck zurückkehren. Als nun Briemann vor etwa zwei Monaten dem Mädchen brieflich erklärte, daß er von seinen Ehegedanken abgekommen sei, fand es der socialistische Cousin an der Zeit, den ihm längst aufgefallenen Umtrieben Briemaun's ein Ziel zu setzen. Er war durch das Mädchen in den Besitz einiger Briefe von Briemann an auswärtige Gelehrte gelangt, und diese ganz interessante Correspondenz lieferte er einem Wiener jüdischen Gelehrten und Abgeordneten aus. Damit war Briemann in seiner gefährlichsten Eigenschaft als Verfasier anrüchiger Schriften enllarvt. Pep, 12. März. (Privatmitt.) Daß sich die jüdischen Jünglinge wieder mehr dem Handwerk und dem Ackerbau zuwenden, zeigt der eben erschienene Ausweis des hiesigen israelitischen Handwerks» und Ackerbau-Vereines. Der Verein zählte mit Schluß des Jahres 1883 insgesammt 133 Zöglinge. Im Laufe des Jahres 1884 wurden 21 zu Gehilfen freigesprochen und 45 neu ausgenommen, es verblieben somit Ende 1884 147 Zöglinge. Von diesem erlernen 134 ein Handwerk und zwarwurden 20 Goldarbeiter,19 Spengler,14Schloffer, je 12 Tischler und Tapezierer, 9 Drechsler, 7 Bildhauer, 5 Buchbinder, je 4 Instrumentenmacher, Maschinisten und Gelbgießer, je 3 Täschner, Sattler und Schildermaler, rc. Sechs widmen sich dem Ackerbau, fünf sind Stipendisten an der k. Gewerbemittelschule, ein Zögling besucht die Winzerschule und einer die Kunstgewerbeschule. Das Vermögen dieses umsichtig geleiteten Vereins beläuft sich auf 3839« fl. 26 kr. Pest, 15. März. (Privatmitth.) lieber § -Ick des Gesetzentwurfes der Oberhaus-Reform, die Mitgliedschaft eines israelitischen Kirchenhauptes, der im Abgeordnetenhause nach mehrtägiger Verhandlung mit großer Majorität angenommen wurde, entspann sich in der gestrigen Sitzung der vereinigten Dreier-Commission des Oberhauses eine langdauernde und sehr bewegte Discusfion. Gegen die Vertretung der israelitischen Religionsgenoffenschaft wurde insbesondere zur Geltung gebracht, daß nach den Zeugniffen der ungarischen Geschichte alle anderen Confesfionen als solche politische Rechte erst dann ausüben konnten, wenn sie durch die Landesgesetze als rezipirte Confesfionen erklärt waren. Die israelitische Glaubensgenvffenschast ermangelt jedoch bis heute noch dieser formellen gesetzlichen Qualifikation. — Nicht minder läßt die jüdische Confession in Ungarn eine ^einheitliche kirchliche Organisation vermißen, so zwar, daß ein »israelitisches Kirchenhaupt" mit lür das ganze Land gütigem Pouvoir und anerkannter Autorität und Jurisdiktion thatsächlich nicht existirt. — Von mehreren Seiten wurde auch bemerkt, daß die israelitische Religionsgenoffenschaft in Sachen des höheren Unterrichts, namentlich betreffs der Hochschulen, an werkthätigem Eifer mit der Opferwilligkeit anderer Confesfionen bislang kaum gleichen Schritt gehalten habe. Bei der Abstimmung wurde der Paragraph von der Majorität des Ausschuffes abgelehnt. Graf Julius Andraffy erklärte sich für den jüdischen Vertreter. Ministerpräsident Tißa gab sich vorläufig mit der Ablehnung zufrieden. Die Othodoxen triumphiren; mit einem gewissen Rechte können sie allerdings behaupten, den „Oberhaus-Rabbiner" zum Falle gebracht zu haben. Baron Becsey, der im Namen der Majoi rität den Antrag auf Streichung des betr. Punktes stellte, I motivirte feinen Antrag auch damit, daß die die Majorität j der Inden des Landes bildenden Orthodoxen durchaus keine; Vertretung im Oberhause wünschen. Brünn, 18. März. (Privatmitth.) Der erste Schritt! ist glücklich gethan! Vor zwei Tagen fand hier die Versammlung der Vertrauensmänner der jüdischen Gemeinden Mährens statt, welcher der (im Wortlaute folgende) Antrag!der Mitglieder des mährisch-jüdischen Landes-Maffa-Fonds-! Curatoriums, Mandt, Tandler und Wohlmuth vorlag, eine i rabbiuische Borbildungsschule (Proseminar) zu gründen. (Für | bic nicht eingeweihten Leser soll die nächste Nummer einen kurzen Abriß der Geschichte dieses Fonds bringen.) Die genannten drei Herren hatten sich als ein vorberathendes Comitö constituirt und als Experte die Herren! Rabbiner vr. Placzek, vr. Oppenheim, Secretär der israelij tischen Gemeinde, und vr. Deutsch, Religionslehrer am Gymnasium beigezogen. Die Ansichten waren getheilt zwischen einer längeren Borberathung und sorgfältigen Statuteu-Ausarbeitung, weil man fürchtete, eine Ueberstürzung könnte schaden und einem sofortigen probeweisen Jnslebenrufen der geplanten Schule Hinderniß bereiten. Mit Recht wurde gegen die erstere Ansicht geltend gemacht, daß eine Verschleppung zu befürchten sei, wenn man die Sache in die Länge ziehe; die kleineren Gemeinden, die aus dem Fonds Unterstützung erhalten, würden sich benachtheiligt sehen, man würde durch die Länge der Zeit der Sache eher Zweifler und Feinde als Enthusiasten und Anhänger schaffen können. Die Berathung führte zu einem Compromiß-Antrag. Zunächst sollte die Versammlung sich im Princip über die Jlothwendigkeit einer solchen Schule aussprechen und dann; eine Summe von 600 fl. bewilligen, welche dem Vereine, j der diese Schule im nächsten Herbst zu gründen beabsichtigt, r>

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.