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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-31 · Heft 14 (31.3.1885) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 14 (31.3.1885)
Date
1885-03-31
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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bereit erklärt und hierzu die staatliche Genehmigung nachgesucht. Oesterreich-Ungarn. Wie«, 13. März. Die hiesige Polizeibehörde geht nun daran, die antisemitische Agitation mit allen gesetzlichen Mitteln zu unterdrücken. Ein Ausruf, welcher anläßlich der bevorstehenden Gemeiuderathswahlen von der Parteileitung ausgegeben wurde und von einem der bekanntesten Führer gefertigt ist, wurde seines aufreizenden Inhaltes halber mit Beschlag belegt und der Staatsanwaltschaft zur Amtshandlung übergeben. Es war darin unter anderem die Wahlberechtigung der jüdischen Bevölkerung konstatirt und auf den Einfluß aufmerksam gemacht, welchen dieser große Perzentsatz jüdischer Wähler ausübe. Wie«, 13. März. Die Maßregeln gegen die antisemitische Bewegung werden von den behördlichen Organen mit aller Strenge gehandhabt. Dies zeigte sich deutlich in einer heute Abend gehaltenen Versammlung des hiesigen antisemitischen Reform-Vereins, zu welcher große Placate an allen Straßenecken eiuluden. Es hatten sich auch in der That über tausend Personen im Dreher'schen Saale auf der Landstraße eingefunden. Bis 10 Uhr Abends verlief das Meeting in vollster Ruhe, ja man vermißte sogar in den Reden der bekannten Agttatoren die beliebten antisemittschen Phrasen. Doch plötzlich änderte sich die Situation. Man hatte in einer Ecke des Lokals einen Juden erblickt und allsogleich erhob sich ein wüster Lärm: »Ein Jude! ein Jude! Hinauswerfen!" Bald hatte sich um den vermeintlichen Juden ein dichter Knäuel gebildet, Hunderte von Fäusten stürmten auf denselben ein und schafften ihn in unsanfter Weise aus dem Lokale. Gleich bei den ersten Anzeichen eines Tumultes hatte der Regierungsvertreter Polizeirath Bock, der in Begleitung des Kommissärs Lebzetler erschienen war, sich erhoben und erklärte mit lauter Stimme unter ungeheurem Lärm, daß er die Versammlung auflöse und die Räumung des Lokals verfüge. Diesen Worten folgte eine Szene, wie sie der an stürmischen Versammlungen so reiche Dreherssche Saal noch nicht gesehen. Tausend Sttmmen schrieen durcheinander, tausend Füße stampften und polterten. Dabei flogen Biergläser gegen den Präsidententisch, woselbst die polizeilichen Funkttonäre saßen. Nachdem die Antisemiten keine Miene machten, den Saal zu räumen, ttat die in Bereitschaft gehaltene Sicherheitswache in Aktion und leerte binnen einer Viertelstunde das Lokal. Wie«, 16. März. Eine Corresp. der »V. Ztg." von hiew besprach die am 16. d. stattfindenden Ergänzuugswahlen aus dem dritten Wahlkörper für den Gemeinderath, und schildert die 20 verschiedenen Gruppirungen, die in Wien existiren. Als die vierte derselben bezeichnet der Corr. »die Antisemiten, eine starke Gruppe, welche ihren Stützpunkt im österreichischen Reformverein hat. Der Obmann dieses Vereins vr. Pattai hat sogar ein Manifest »an die Wähler erlassen, in welchem er keinen einzigen der aufgestellten Candidaten accepirt, alle Compromiffe perhorrescirt und gegen die Juden sowie gegen die liberale Partei in beispiellos roher Weise loszieht, indem er den Wählern vorrechnet, um wie viel Prozent die Bevölkerung, der Häuser- und Realitätenbefitz der Juden seit Beginn dieses Jahrhunderts zugenvmmen haben. »Denken Sie an sich, an Ihre Kinder und an die Ehre des Vaterlandes und wählen Sie keinen Juden!" schließt Pattai. Aber die politische Behörde scheint dem Treiben der Anttsemiten endlich energisch entgegentreten zu wollen, denn der Aufruf verfiel der Confiskation und eine Antisemitenversammlung. die sich mit der Besprechung der Wahlen beschäftigen sollte, wurde aufgelöst, sobald die ersten Kraftausdrücke gefallen waren." Wie«, 16. März. Der Kaffationshof hat das Urtheil des Schwurgerichtes in Krakau, durch welches Moses Ritter und dessen Gattin des Mordes schuldig erkannt und zum Tode verurtheilt wurden, in nicht öffentlicher Sitzung casfirt und dem Landesgerichte in Krakau die Vornahme einer neuerlichen Untersuchung aufgetragen. Die Entscheidung des Kassatioushofes erfolgte im Sinne des §. 362 der Strafprozeß-Ordnung. Demnach dürfte dieser Prozeß, wenn die Staatsanwaltschaft in Krakau von der Verfolgung nicht znrücktritt, zum dritten Male vor die Jury kommen. Wie«, 17. März. Aron Briemann, der berüchtigte kleinafiatische (?) Doctor, wurde gestern Nachts von Graz nach Wien escortirt. Gegen den Abenteurer wird die Verhandlung vor dem Wiener Criminalgerichte stattfinden und dürfte sich dieselbe mit Rückficht auf Briemann's Heldeuthaten sehr interessant gestalten. Eine ganze Reihe von Anzeigen liegt gegen Briemann vor; derselbe wird sich wegen Betruges, Herauslockung, Diebüahl, Bigamie und Falschmeldung zu verantworten haben. Ueber die vielfachen Verbrechen liegen eigene Geständnisse des Verhafteten vor. Derselbe war nämlich schon vor geraumer Zeit nahe daran, dem Strafgerichtete überantwortet zu werden, die beschädigten Personen standen jedoch damals von der Anzeige ab mit der Bedingung, daß Briemann seine Verbrechen documentarisch bestäüge. Diese Papiere befinden sich in den Händen von Privatpersonen. Die gefährlichsten und gemeinschädlichsten Eigenschaften und Handlungen Briemann's, die Verwerthung seines talmudischen Wissens zur Verhetzung und zu sträflicher Fälschung ganzer Abschnitte althebräischer Werke, dürfte kaum Gegenstand der Anklage sein. Gleichwohl war die Entlarvung dieses Betrügers in dieser Beziehung von großer Bedeutung. Was Briemann in seiner Lügenhaftigkeit und in seinem Bestreben, hochgeachtete Persönlich'

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