Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1885)
- Date
- 1885-03-31
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
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222 kämpften, den Sieg davontrugen. Jeder verlorenen Schlacht folgte die Niedermetzelung aller Gefangenen. Bar Kochba warf sich mit seinen besten Kriegern nach Bethar. Die Belagerung dieser Feste dauerte länger als ein Jahr. Auch hier mußte zuletzt der Mangel an Nahrungsmitteln und Trinkwaffer den Ausschlag geben, und hierzu gesellte sich verrätherische Lift der Samaritaner. Das geht aus den verschiedenen sagenhaften Erzählungen bestimmt hervor, daß die Römer durch unterirdische Gänge, welche ihnen die Samaritaner verriethen und öffneten, in Bethar eindrangen, unter dessen Trümmern auch Bar Kochba seinen Tod fand. Noch längere Zeit unterhielten zersprengte Haufen einen Guerillakrieg; aber Hadrian konnte dem Senate die Beendigung des Krieges melden und Denkmünzen daraus schlagen lassen. Eine ungeheure Menge Menschen hatte in diesem Kampfe das Leben verloren und so viele Juden, namentlich Weiber und Kinder, wurden auf die Sklavenmärkte gebracht, daß der Preis derselben auf einen geringen herabfiel. Nichtsdestoweniger hatten sich auch viele Juden nach Babylonien und Arabien geflüchtet. Schwere Verfolgungen ttafen unter dem erbitterten Hadrian die Juden in den anderen römischen Provinzen. — Dies war der letzte kriegerische Kampf, den die Juden gegen ihre Unterdrücker fochten; von da an, bis jetzt über 1750 Jahre, hatten sie nur eine passive Widerstandskraft zu bewähren, die sie allerdings allzu häufig in nicht minder heldenmüchigen Prüfungen bethätigen mußten. In der Bettachtung geschichtlicher Ereignisse hat man sich zu hüten, die Erscheinungen in ihrer Vereinzelung zu behandeln, als Erzeugnisse einer zeitweise» Sttömung. Vielmehr müssen sie in ihrem innern Zusammenhang und als Ausfluß einer bestimmten gemeinsamen Geistesrichtung in's Auge gefaßt werden. Dies wollten auch wir in der obigen Zusammenstellung erzielen. Deutschland. Bo»«, 18. März. (Privatmitth.) Das Strafgerichts und zwar zumeist das staatliche, ergeht über immer mehrere der antisemitischen Agitatoren. Sehr natürlich; denn da sich zumeist unsaubere Elemente der antisemitischen Bewegung bemächttgten, konnte es nicht ausbleiben, daß die sonstigen Qualitäten dieser Menschen auch da zum Vorschein kamen, wo man nicht eben eifrig war, die Anttsemiten zur Rechenschaft zu ziehen. So ist bereits eine stattliche Zahl derselben entlarvt worden, und dieses Schicksal bettaf in den jüngsten Tagen auch den Verfasser des berüchtigten „Judenspiegels", der sich als solcher vr. Justus nannte und jetzt in Wien als raffinirter Hochstapler und Betrüger in Untersuchungshaft genommen worden. Wenn wir nicht ganz irren, hat derselbe auch eine Zeit lang, natürlich auch unter anderem Namen, in Bonn sein Unwesen getrieben, wo er aber bei der jüdischen Gemeinde keinen Boden fand. Wir geben im Feuilleton dieser Nr. einen ausführlichen Bericht über seinen Lebenslauf. Berlin, 19. März. (Eingesandt.) Dem Büreau des D. I. G. B., Berlin W., Sigismundstr. 5 sind in Folge der jüngsten Aufforderung sehr viele Namensmeldungen von jüdischen Gemeindebeamten zugegangen. Bereits weist das Berzeichniß über 1500 nach; nach unserer Schätzung fehlen uns aber noch über 1000. Da es sowohl im Interesse der Einzelnen, als des ganzen Standes liegt, daß ein möglichst vollständiges Berzeichniß aller Cultusbeamten der Gemeinden in Deutschland zu Stande komme, so werden diejenigen, die ihre Adresse bisher noch nicht eingesandt haben, dringend ersucht, dies doch bald nachzuholen. Die Säumigen werden es sich foiift selbst zuzuschreiben haben, wenn ihr Name in dem Almanach fehlen wird. Der Secretair des v. I. G. B. Arnold Budwig. Wir können der Aufforderung des Deutsch-Jsr.-Gemeindebundes nur die nachdrückliche Mahnung an die Gemeinde- Borsteher und Cultusbeamten anschließeu, die Beantwortung der gestellten Fragen baldigst einzusenden, um den wohlthätigen Zweck der stattst. Erhebung vollständig erreichen zu können. Soll auch hier Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit störend eintteten? Re da kt.) Berliu, 19. März. (Privatmitth.) Als eine musterhafte Wohlthätigkeitsanstalt hat das Krankenhaus der hies. jüdischen Gemeinde schon lange wohlverdiente Anerkennung gefunden. Dasselbe beschränkt seine segensreiche Thättgkeit nicht ausschließlich auf hiesige Gemeindemitglieder. Fm vergangenen Jahre wurden beispielsweise 78 fremde Glaubensgenossen nicht nur mit 6221 Berpflegungstagen bei einem Kostenaufwand e von 11517 M. ausgenommen, sondern außerdem noch 2193 M. in baaren Unterstützungen für gleiche Zwecke verwendet. Die Anstalt hat sogar eine Bibliothek angelegt, um Siechen und Reconvaleszenten gewünschte Lectüre zu bieten und beschafft hierzu gegenwärtig auch die Allg. Ztg. d. Jud. und andere jüdische Zeitschriften. — Eine Gerichtsverhandlung, welche das allgemeinste Interesse auf sich gezogen, kann hier nicht ganz unerwähnt gelassen werden. Es ist die gegen den Studiosus Oehlke, der den Stud. Holzapfel im Pistolenduell tödtlich verwundet