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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-24 · Heft 13 (24.3.1885) · p. Seite 213

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 13 (24.3.1885)
Date
1885-03-24
Page
Seite 213 (sequence 13)
Language
German
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213 in das Land Eden streßen, Und hernach erklärt er die Raschim' mit geologischen Bezeichnungen um sich und zeigt doch wenig als Quellen. Aber der Text sagt zu deutlich: der Strom geologisches Wiffen, wie er z. B. Quarz mit Hornblende geht heraus (ssr) aus Eden, den Garten zu feuchten, und! identificirt, zwei völlig verschiedene Mineralien (S. 164), von dort (zem), also dem Garten, theilt er sich und wird-öfter für ganz besonders bezeichnende geologische Merkmale zu vier Der Name des Einen ist u. s. w." Und! ausgiebt, die sehr häusig und in allen Ländern anzufinden so geht es bei dem Berf. weiter: Cusch ist nicht Cusch, der sind. Das flößt nicht viel Vertrauen ein. Phrat nicht der Euphrat u. dgl. Uebrigens wirft der Vers, i eur Geschichte -es Städtchens Sczydow. (Aus der Erzählung „Meier Ezofowicz" von E. P. OrzcSz ko, aus dem Polnischen übers, von L. B rixcn.) (Schluß.) Darauf erhob er sich, richtete den thränenumflorten Blick auf sein Weib und sprach: Wir wollen das Testament des Seniors wieder aufbewahren, denn für jetzt ist es überflüssig geworden. Komm' Frejda, wir werden es sehr tief verwahren, vielleicht wird es einer unserer Urenkel einstmals suchen und finden. Seit diesem Tage alterte Hersch sichtlich. Der Glanz seiner Augen erlosch, sein Rücken krümmte sich. Er saß oft Stunden lang auf der Bank, die ganze Gestalt vor- und rückwärts wiegend, laut seufzend und leise vor sich hin murmelnd: Affybe! Affybe! Asiyba! Dahge! Unglück, Unglück, Wehe! j Um diesen schmerzgebrochenen Mann bewegte sich leise und j sorgsam die schlanke weibliche Gestalt im geblümten Gewände j und dem weißen Kopfputz. Die schwarzen Augen füllten sich; oft mit Thränen, und der Tritt war so leise und vorsichtig,; daß selbst die Perlen, die den Hals schmückten, nicht das! leiseste Anklingen hören ließen, um die tiefen Gedanken des; Mannes nicht zu stören. Manchmal blickte Frejda voll Erstaunen auf ihren Gatten. Sein Schmerz betrübte sie, allein sie hatte kein Berständniß für denselben. Worüber wehllagte er? Sein Reichthum verminderte sich nicht. Die Kinder wuchsen kräftig heran, Alles war wie ehemals, wie vor dem! Tage seines großen Streites mit Rabbi Nochim, und vor Aufj findung jener alten vergilbten Papiere. Die liebevolle und j verständige Frau, die ihre ganze Welt in ihren vier Mauern j erblickte, begriff nicht, daß die Seele des Gatten fortgerifsen I war in den Kreis großer Gedanken, und sich in dieser Welt§ begeisterte. Durch die Gewalt von Mißerfolgen aus derselben! verdrängt, konnte nichts seine Sehnsucht und seinen Schmerz lindern. Sie allerdings wußte nicht, daß es auf Erden Bangen! und Herzeleid geben könne, das weder Eltern noch Kinder, weder j die Gattin, noch das Vermögen, noch das eigene Haus zum | Gegenstände habe, und daß die Menschenseele, die solches Leid■> kennen gelernt, es am schwersten zu überwinden vermag. I eion. Aus der geschwärzten Lehmhütte des Rabbi Nochim vagen ertönten Freudenrufe. Frejd! Frejd! Frejd! rief der alte Rabbi dem Volke entgegen, als er erfuhr, daß Alles verloren sei, daß Diejenigen, die den Juden befehlen wollten, den Bart zu scheren, die Kleider zu kürzen, die Landessprache zu sprechen, die Kinder in die Landesschulen zu schicken, das Feld zu ackern und im Kindesalter keine Ehen zu schließen, das Recht zu befehlen verloren hatten. Frejd! Frejd! Frejd! Frei sind die Bärte und die langen Röcke, frei die Kahala *), der Cherem-) und das Kaschrut^). Befreit von der Berührung mit der Lehre Edoms, die heiligen Bücher Mischna, Gemara und Sohar. Befteit von der Führung des Pfluges die Hand des auserwählten Volkes, bewahrt vor Vernichtung das Volk Israel. Es jubelte der Rabbi und mit ihm die ganze an seine Klugheit und Heiligkeit glaubende Heerde. Er triumphirte, aber er wollte noch mehr triumphiren. Die Ezovowicz vernichten, hieß — den Strom verschütten, der der Zukunft zuströmte und den Kampf aufnahm mit dem, der das Volk in der Versteinerung der Vergangenheit erhalten wollte. Wer weiß, was einst noch geschehen kann! Ob aus dem verfluchten Geschlecht nicht ein Mann erstehen wird, stark genug, um das ganze vielhundertjährige Werk der Todros zu vernichten. Wenn die Ereigniffe einen anderen Lauf genommen hätten, so hätte es Hersch selbst mit seinen mächtigen Freunden, den Edomiten vollbracht. Auf Hersch Ezofowicz ergoffen sich, wie vormals auf jenen Ahnherrn Michael, von allen Seiten Anklagen, Uebelwollen, Widerwärtigkeiten aller Art. Im Bethause wurde ihm laut zugerufen, daß er den Sabbath nicht heilige, daß er mit Christen Freundschaft halte, sich mit ihnen zu Tische setze und „trefe" Fleisch genieße, daß er bei seinen Handelsverträgen das jüdische Gericht umgehe und die Landesgerichte aufsuche, daß er den Anordnungen der jüdischen Gemeinde den Gehorsam verweigere und daß er sie oft sogar zu tadeln 1) Jüdische Rathsversammlung. 2) Jüdischer Bannspruch. 3) Angabe für Besichtigung des geschlachteten Viehes für jüdische Gemeinden.

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