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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-17 · Heft 12 (17.3.1885) · p. Seite 196

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 12 (17.3.1885)
Date
1885-03-17
Page
Seite 196 (sequence 16)
Language
German
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loü jährige ist körperlich so rüstig, daß fie ohne Stock und sonstige Stütze treppauf und treppab wandern kann. Und für ihre geistige Frische mag die Angabe genügen, daß sie, als an ihrem heutigen Ehrentage in der Familie ein kleiner Zwist ausgeglichen und die Einigkeit wieder hergestellt wurde, die Aeußerung that: Das Eine freue fie mehr als alles andere, was ihr zum heutigen Tage zu Theil geworden. Möge der würdigen Greisin im zweiten Jahrhundert des Lebens noch niancher frohe Tag in körperlichem und geistigem Wohlsein beschieden sein! — In Worms sind in der Nacht vom Sonntag zum Montag auf dem jüdischen Friedhofe viele Gräber geschändet und Grabsteine zertrümmert worden. — Am 3. März feierte Prof. vr. Franz Delitzsch in Leipzig sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. — Bonn, 22. Febr. (Literarische Notizen.) Wenn wir in jüngster Zeit mehrere Berichte über Vorlesungen, die in verschiedenen Städten gehalten worden, brachten, so geschah dies namentlich aus dem Grunde, um diese höchst wirkungsreichen Borträge aus dem Gebiete der jüdischen Re» ligion, Geschichte und Literatur zu immer weiterer Einbürgerung zu bringen. Jndeß gestattet uns der Raum dieser Zeitung nicht, die sich mehrenden Berichte über alle gehaltenen Vorträge zu geben. Wir erwähnen eines Vortrages des vr. Silberstein in Wiesbaden „Einleitung in die Geschichte Israels, des vr. Steckelm ach er in Mannheim über das jüdische Mäcenat", in welchem der Redner hervorhob, daß, während dem Mäcen recht eigennützige Motive nachgesagt werden, müsien wir bei den jüdischen Mäcenen früherer Zeiten das Gegentheil aussagen. Männer wie Chasdai ibn Schaprut, Samuel ibn Nagrela, die Abrabanels, sämmtlich Minister oder Inhaber sonstiger hoher Staatswürden, machten es sich gleichzeitig zur Lebensaufgabe, nicht nur materiell das zumeist traurige Loos ihrer Glaubensgenosien zu verbessern, sondern vor Allem auf ihre geistigen Bestrebungen fördernd und aufmunternd zu wirken durch fürstliche Protection hervorragender Dichter und Gelehrten, durch Beschaffung von Lehrmitteln, durch Errichtung von Lehrhäusern. Auch edle hochgestellte Frauen, wie Donna Gracia Mendesia, eine spanische Mauranin, die sich später in Konstantinopel wieder offen zum Judenthum bekannte, Benvenida, intimste Freundin der Tochter des neapolitanischen Vicekönigs Don Pedro, der nachmaligen Herzogin von Toskana und Ester Kierra, Favoritin der Gemahlin Murad III. begünstigten die Wissenschaft und ihre Jünger in fürstlicher Weise, abgesehen von der opferfreudigen Unterstützung, die sie auch sonst ihren unglücklichen Glaubensgenossen zu Theil werden lasten. Es ist überhaupt ein Charaktermerkmal des jüdischen Mäcenats, daß es inimer verbunden austritt mit Humanität überhaupt. Der jüdische Mäcen, wie er uns aus der Geschichte entgegentritt, ist zugleich Wohlthäter, Freund der Menschen, der Förderer wistenschaftlichen Ernstes, zugleich ein Mann sittlichen Ernstes, entsprechend dem Grundprincip des Judenthums, welches Vereinigung der Lehre mit dem Leben, des edlen Forschens mit dem edlen Handeln verlangt. — Wie unser Berichterstatter hört, ist im Anschluß an diesen Bortrag ein Verein in Mannheim in der Bildung begriffen, um zu einer Reihe von Vorlesungen auch Männer von außen her zu berufen. — Man schreibt aus Paris: „Vor ungefähr 15 Jahren wurde der bekannte französische Gelehrte Cleruront-Ganneau in Jerusalem auf einen Stein aufmerksam, welcher griechische Schriftzüge trug; er prüfte den Stein näher, befreite ihn von der Erde, in welcher er theilweise verborgen war, und erkannte so, daß es ein Stein von dem durch Hervdes erbauten Tempel war, der als Inschrift die Warnung an die Heiden trug, den eingefriedigten Raum nicht zu betreten bei Gefahr der Todesstrafe. Clermont-Ganneau suchte den Stein zu erwerben, allein die Behörden, auf den Stein aufmerksam gemacht und ihm eine übermäßige Wichtigkeit beimeffend, wußten dem entgegenzutreten, und so wurde der Stein nach Konstantinopel in das kaiserliche Museum überbracht. Bon dort hat Clermont vor Kurzem einen Abguß desselben erhalten, so daß er die Inschrift der Akademie des Jnscriptions vorlegen konnte. Als ein Stein aus dem Bezirke des Tempels verdient er immerhin einige Aufmerksamkeit auch in weiteren Kreisen." (Bekanntlich durste der erste Vorhof des Tempels von Jedermann betreten werden; dieser war dann durch ein Gitter (;t.d), das 10 Fäuste hoch war, von dem Borhof der Israeliten getrennt (Middoth 2, 35. Nicht nach der Mischna, sondern nach Josephus (jüd. Kr. VI, 2, 4.) befanden sich an diesem Gitter Steine (Steelen) mit griechischen und lateinischen Inschriften, welche jedem Nichtjuden den Eintritt in den Vorhof der Israeliten bei Todesstrafe verboten. Ein solcher Stein scheint der aufgefundene zu sein, und somit die Mittheilung des Josephus zu bestätigen. Uebrigens war der Vorhof des Volkes ebenso durch ein Gitter vom Vorhof der Priester getrennt, und durfte vom Volke außer bei einigen Opferakten nicht betreten werden. (Chelim I, 8.) Redakt.) Bonn, 8. März. (Literarische Notizen.) Rabbiner vr. Siegmund Salfeld in Mainz hat ein Lebensbild des seligen vr. Salomon Herxheimer (Frankfurth, Auffahrt, 1885) veröffentlicht, das mit einer austichtigen Pietät und Herzenswärme entworfen und ausgeführt ist. Der strebsame Jüngling, der rastlos wirkende Mann und der edle liebenswürdige Greis werden uns getreu zur Erinnerung wie zu bleibendem Andenken gezeichnet. ') Ein gutes Portrait des 1) Einen Jrrlhum, welch»n Herr vr. Salfeld begeht, müssen wir hier onmerkln. Er stellt es S. 16so dar, als ob wir auf den Mahnruf und Vorgang Hcrxhkiweis 1844 unier großes Bibelwerk und ferner unhre übrigen Blbrlausgaben crscht inea ließen. Gerade dos

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