Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1885)
- Date
- 1885-03-17
- Page
- Seite 195 (sequence 15)
- Language
- German
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195 hat aber aller Willkür Thür und Thor geöffnet. Die Realschulabiturienten werden in der Berg, und Forstakademie nicht infkribirt, weil sie nicht behördliche Atteste beigebracht hatten, daß ihre Eltern außerhalb der Judengrenze wohnen dürfen. Dieser Vermerk ging den Betreffenden etwa 3 Tage vor dem letzten Termine zu, sodaß ein Beibringen gar nicht mehr möglich war. Also sind auch die im Besitze des Wohnrechtes Besindlichen ausgeschloffen worden. — I führen, daß ihre Eltern hier wohnberechtigt sind. Daß auch ■ getaufte Juden dem Erlaffe des Cultusministers gemäß i chikanirt werden, dürfte wohl nur blinder Eifer der Unterbehörden veranlassen. — Der Kaiser hat dem Bezirksarzte Collegienrathe Lekar (Hermann) Merlis in Petersburg den Annenorden II. Claffe zu verleihen geruht. Es ist ein; hoher Beweis der Achtung und Anerkennung, daß ein Jude, i der sein Judenthum hochhält, solcher Auszeichnung gewürdigt Nach Mittheilungen einiger Blätter und zwar auch des > wird. Seit 15 Jahren wallet er seines Amtes (das dem „Hamelitz" hat der Gouverneur von Tschernigoff jüngst einen; des Kreisphysikus in Preußen entspricht) - und schreibt noch Erlaß an alle Behörden ergehen laffen folgenden Inhalts: Nach 8 1605 Abschnitt 11 des Gesetzbuches, Ausgabe 1857, die Juden betreffend, ist die Aufsicht über den Gottesdienst der Hebräer, die Entscheidung religiöser Fragen, die Ordnung der Beschneidung, Matrikelführung, Trauung und Ehescheidung, Beerdigung u. s. f. nur den Rabbinen übertragen, welche von den Behörden eingesetzt sind, d. h. Kronrabbiner, und außer ihnen hat Niemand das Recht, die bezeichneten Pflichten zu erfüllen — ja ein Ausüben dieser Funktionen durch Unberechtigte ist strafbar! Trotzdem ist es bekannt geworden, daß es in einigen Städten unseres Gouvernements hier und da hebräische Aufsätze. — Die Juden in Rußland und mit ihren die gelehrte Welt, hat durch den am 7. Februar plötzlich im 45. Lebensjahre auf seinem Gute Pratolina bei Florenz erfolgten Ableben des humanen Staatsraths Paul Demidow, Fürst von San- Tonato, einen großen Berlnst erlitten; denn mit ihm ging ein reicher Schatz von Wissen und Humanität verloren, er spendete jährlich für die Armen, für wohlthätige Zwecke u. s. w. ohne Unterschied der Religion, ca. 125000 Rubel, und ein edler Mensch und ein liebenswürdiger Charakter schied von der Erde. Paul Demidow war auch ein Mitglied der Juden giebt, die sich „Rabbiner" nennen, ohne die regierungs-! in Petersburg gegenwärtig tagenden „Judenkommisfion", in der er seitige Erlaubniß zu haben, und alle Pflichten eines solchen! mit Feuereifer die Lage der Juden in Rußland zu verbessern erfüllen. Einer derselben hat sich in Angelegenheiten der! strebte. Der Verstorbene hinterläßt ein in russischer Sprache jüdischen Soldaten gemischt und Vorschläge zur Aenderung! geschriebenes Memoire über die Judenfrage in Oesterreich, ihrer Verpflegung zu machen gewagt. Ein Rabbiner hatte Deutschland, Frankreich u. s. w., welches baldigst veröffenteinem General eine Eingabe überreicht, er möchte es seinen jüdischen Soldaten ermöglichen, koscher zu essen — und diese Bittschrift als „Duchowny Rabbin" (Kronrabbiner) unterschrieben. Der General hat, ärgerlich darob, dieses Schriftstück dem Gouverneur zugestellt. Deshalb wird in Erinnerung gebracht, daß nur die „Kronrabbiner" (Duchowny Rabbin) und ihre Stellvertreter zu derarttgen amtlichen Kundgebungen berechttgt sind. Wenn Andere sich ihr Amt anmaßen, sollen sie dieselben anzeigen, damit sie bestraft werden können. licht werden wird. Moses Feinkind. Bonn, 8. März. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben: Der Präsidentin des Szegediner israelitischen wohlthätigen Frauenvereins, der Frau Johanna Kohn, welche seit der Gründung des Vereins ihm vorsteht und mit ihm zugleich am 26. d. M. das fünfzigjährige Jubiläum feierte, wurde aus diesem Anlässe in Anerkennung ihres um den Verein und überhaupt auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit So unangenehm diese Verfügung augenblicklich ist, könnte sie j entfalteten eifrigen Bemühens das goldene Berdienstkreuz von auf eine heilsame Regelung und Ordnung der Heranbildung I Sr. Majestät dem Könige verliehen. — Man schreibt aus tüchtiger Rabbiner hinwirken, wenn es hieraus wirklich ab- Wevelinghoven (Rheinprvvinz), 1. März. Heute feierte gesehen wäre. — Die Cultusgemeinde zu Petersburg hat den; hier das Fräulein Sara Liffmann ihren hundertsten Geburts- Bau einer neuen großen Synagoge in aller Stille begonnen, tag. Ami. 1785 März wurde diese zu Gierath geboren. 45 Zufolge dem „Hamelitz" fordert das Comitö für Erbauung Jahre hat sie als Dienstmädchen und später als Haushälterin dieser Synagoge durch ein Cirkular die Glaubensgenossen zu i bei Herrn Banquier Fleck in Düsseldorf gewohnt. Jetzt in freiwilligen Beiträgen auf. — Der „Jwri" schreibt aus ihrem Alter hat sie Aufnahme und freundliche Pflege bei ihren Serbien Folgendes: Der Baron Moses von Walvberg hat Bruderskindern, den Geschwistern Liffmann in Wevelinghoven, von der Königin Natalie ihre großen, bei Kischinew (Bessarai gefunden. Der Kgl. Landrath v.Oertzen nebst Gemahlin sowie die bien) gelegenen Güter gekauft, um dort jüdische Ackerbauer Notabeln des Ortes waren erschienen, um dem Fräulein zum anzufiedeln. — In den Mädchen-Gymnasien in Petersburg, Beginn des neuen Säculums zu gratuliren. Bon allen Seiten, die unter dem Protettorate der Kaiserin stehen, sind alle von Verwandten und Bekannten, waren Glückwünsche und Schülerinnen, auch die im Mai ihr Schulexamen machen Geschenke gespendet worden. Die Nachbarschaft hatte ihre sollten, ausgesordert worden, den amtlichen Nachweis zu Häuser mit Fahnen und Kränzen geschmückt. Die Hundert-