Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1885)
- Date
- 1885-03-17
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Kaufmanns- und Handwerkerstande, dem Lehrfache und höheren Studium gewidmet. Den Erfolgen entsprechend, war das Vermögen des Instituts im Zunehmen begriffen und zwar sowohl durch gesteigerte Ausnahme von Mitgliedern, als auch durch Zuwendungen von Legaten. Ein Theil dieser Hilfsquellen floß von auswärts, und in Erwägung dieses Umstandes wurde 1845 beschloffen, auch auswärtige, inländische Knaben zur Aufnahme in die Anstalt zuzulaffen, in welche bisher nur hiesige Waisenknaben untergebracht waren. Die Bestimmung, daß hiesige Bewerber bevorzugt sein sollen, wurde 1868 aufgehoben, und so besteht die Anstalt seitdem als Central-Waisenanstalt für jüdische Knaben in Bayern. Seit 1840 wurden, die Strömung der Zeit berücksichtigend, entsprechende Lehrkräfte gewonnen, welche bei religiöser Erziehung der Waisen, bei gründlichem Unterricht im Pentateuch, in Mischna und Talmud, dem Unterricht in den profanen Lehrgegenständen mit Erfolg Rechnung trugen. Als Director des Instituts fungirt seit August 1866 Herr vr. Königsyöfer, vorher bekleidete Herr Bamberger diese Stelle 26 Jahre. Der oben erwähnte Neubau, in der Julien-Straße gelegen, wurde vom früheren Baurath Friedreich ausgeführt, zählt zu den schönsten Gebäuden der Stadt und wurde am 11. September 1868 in einfacher Weise durch vr. Königshöfer eingeweiht. Ein hübsch angelegter Garten dient den Zöglingen als angenehmer Aufenthalt, ein ziemlich geräumiger Hof als Tummelplatz. Seit Januar 1882 erhielt das Institut eine ungeahnte Vermehrung seiner Fonds. Der verstorbene Herr Leopold rigen Schicksale entriffen und einer beffern Zukunft entgegengeführt worden, viele Thränen wurden durch die Fürsorge der Verwaltung getrocknet, manchem schwergebeugten Herzen wurde Erleichterung zu Theil. Viele Berlaffene harren aber noch an der Pforte des Hauses, und wie schmerzlich es ist, Bittgesuche armer Wittwen, eingereicht für ihre Waisen, Bittgesuche, gestellt für zuweilen doppelt verwaiste Kinder, abschlägig bescheiden zu müssen, bedarf keiner weiteren Schilderung. Desto dringender benöthigt die Anstalt der thatkräftigen Mitwirkung und Unterstützung aller wahren Menschenfreunde, wenn sie auch ferner zum Wohle Vieler wirken und den erhöhten Ansprüchen der Gegenwart genügen soll. Wenn irgendwo, so hat man hier das vollste Anrecht, an den Wohlthätigkeitssinn der Glaubensgenossen zu appelliren. Je mehr Mittel der Anstalt zu Gebote stehen, desto mehr kann sie den Kreis der Wirksamkeit ausdehnen. Wir wollen diesen Bericht nicht schließen, ohne auch der löbl. Administration der Anstalt zu gedenken. Mit Freude und Aufopferung sorgte sie für daS Wohl der Anstalt. Erfüllt von der Weihe ihrer Aufgabe bethätigte sie einen regen Sinn für das Wohlthätige und Nützliche und berücksichtigte die Anforderungen der Jetztzeit. Sie wetteiferte in der Durchführung der den Neubau betreffenden Arbeiten, der die Zwecke der Anstalt fördernden Mittel. Es sei daher in diesen, Blättern, in welchen alles Rühmliche gewürdigt wird, den Bemühungen aller Betheiligten Achtung gezollt und Anerkennung ausgedrückt. Sigmund Heu mann. Aus Württemberg, 6. März. (Privatmitth.) Am heutigen Wiesengrund von Würzburg setzte es zum Universalerben! Geburtsfeste unseres geliebten Landesvaters fand in allen seines nach Abzug mehrerer Beträge sich auf über Dt. 100,000! Synagogen des Landes Festgottesdienst und Predigt statt über den von der K Jsr. Oberkirchenbehörde vorgeschriebenen Text Pf. 68, 20. Wir erfreuen uns besonders auf dem Lande noch eines ungestörten religiösen Friedens; in den größeren Städten Stuttgart, Ulm und Heilbronn ist die gesellschaftliche Stellung unserer Glaubensgenossen durch antisemitische Gesinnungen vieler Bürger wesentlich gettübt worden. Nach der Statistik des Unterrichtswesen in Württemberg belaufenden Vermögens ein und ein Gönner der Anstalt, welcher durch Sttftung von Freiplätzen und sonstige Geschenke der Anstalt sein reges Interesse stets zuwandte, schentte derselben am 10. Januar 1884 ein Kapital von M. 100,000 zum Zwecke der Errichtung einer Abtheilung für weibliche israelitische bayerische Waisen. Nun wurde der Garten verbaut, um für circa M. 50,000 das neue Gebäude für weibliche Waisen aufzuführen, und so bietet das in einer Front i beträgt die Zahl der jüdischen Lehrerstellen in Württemberg gelegene Doppelgebäude, in welchem auch eine geräumige > unter Aufsicht der evangelischen Oberschulbehörde 17, unter Haussynagoge sich befindet, einen herrlichen Anblick. der katholischen Oberschulbehörde 12: die weiteren 20 israe- Das neue Gebäude wurde am 20. Februar 1885 einj litischen Lehrer sind Religionslehrer (Vorsänger) und stehen geweiht; gegenwärtig befinden sich 48 männliche Waisenkinder unter der Aufsicht der israelitischen Oberkirchenbehörde. — in der Anstalt und die zum Jnslebentreten der Anstalt für! Regierungsassessor vr. Schmal bei der K. israelittschen Oberweibliche Waisen nöthigen Schritte find von der Administrakirchenbehörde wurde der Rang und Titel eines Regierungs tion bereits angebahnt. rathes ertheilt. So möge nun dieses Waisenhaus, das nunmehr 122! Frankfurt ä. M., 5. März. (Franks. Ztg.) Eine An- Jahre besteht und segensreich wirkt, die einzige derarttge zahl hier wohnhafter israelittscher Ausländer (Oesterreicher, Anstalt in Bayern, die älteste in Deutschland ist, auch ferner; Russen rc.), welche schon eine Reihe von Jahren das Hanfireine Stätte jüdischer Liebe und Barmherzigkeit sein. Biele; gewerbe dahier betrieben, wurde in voriger Woche aus die Kinder sind durch die Aufnahme in die Anstalt ihrem ttau-1 Polizeireviere beschieden, woselbst jenen Leuten eröffnet wurde,