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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-17 · Heft 12 (17.3.1885) · p. Seite 190

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 12 (17.3.1885)
Date
1885-03-17
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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190 in der Verwaltung und Rechtspflege 1,17 Evangelische, 0,73 Katholische und 0,78 Juden, im Heeresdienste und Kriegsflotten» dienst 2,3 bzw. 1,91 bzw. 0,68, in Religionspflege, Erziehung und Unterricht 1,13 bzw. 0,91 bzw. 1,89, in Gesundheits¬ und Krankenpflege 0,33 bzw. 0,38 bzw. 0,78, und in der Schriftstellerei und den ausübenden Künsten 0,43 bzw. 0,27 bzw. 0,51 von je 100 Erwerbsthätigen der drei Hauptconfesfionen. Diese Zahlen lasten mancherlei Schlußfolgerungen zu, sowie Erklärungen der Ursachen. Daß in der Industrie und den Gewerben bereits der fünfte Theil der Juden thätig und etwas über die Hälfte noch im Handel, können wir nur als günstig bezeichnen, da also während der letzten fünfzig Jahre sich schon die Hälfte der Juden dem Handel abgewendet haben, den sie bis dahin ausschließlich betreiben mußten. Daß in Religionspflege, Erziehung und Unterricht der Procentsatz der Juden den der Evangelischen nnd Katholiken übersteigt, erklärt sich aus der Menge der kleinen Gemeinden, wo Cultusbeamte und Lehrer auf eine kleine Zahl Mitglieder resp. Schüler kommt. Daß aber im Kriegsdienste der Procentsatz der Juden ein geringerer als der beiden christlichen Confessionen ist, motivirt sich theils durch den Umstand, daß die Juden im Heere nicht avauciren, so daß sie nach geleisteter Dienstpflicht ausscheiden, theils durch die verhältnißmäßig größere Zahl der Einjährig-Freiwilligen, was wiederum aus der zahlreicheren Frequenz der höheren Lehranstalten Hervorgeht. Berlin, 8. März. (Privatmitth.) Am Freitag (6. März) kam im Reichstage eine eingebrachte Resolution betr. die Wiedereinführung der Doppelwährung zur Verhandlung. Herr von Kardorff trat für sie ein, während vr. Bamberger die Goldwährung vertheidigte. Wie es Enthusiasten oft ergeht, daß sie, weil sie zu viel beweisen wollen, gar nichts beweisen: so führte Herr v. Kardorff alle Nebel, unter denen Landwirthschast, Industrie, Handel nnd tausend andere Dinge leiden, auf die Goldwährung zurück. Bekanntlich hat Herr von Kardorff auch antisemitische Allüren und es kann daher nicht aufsallen, daß er auch den Antisemitismus der Goldwährung in die Schuhe schob. Er sagte: „Namentlich ist auch die antisemitische Bewegung nichts als ein Kampf gegen das Capital. (Widerspruch.) Ich weiß wohl, daß diese Bewegung gleichzeitig auch ein Kämpf ist gegen die politische Gleichberechtigung der Nichtchristeu, daß sie endlich auch ein Raffenkampf ist; die Hauptsache ist ihr aber die Bekämpfung des Capitols. Diese Seite der Antisemitenbewegung ist zugleich auch die gelungenste. Daß dieser Kampf mit den verderblichsten Waffen geführt wird, mit dem Neid und der Habgier der Masten gegen die Besitzenden, ist klar. Will man den Kampf gegen das Capital mit loyalen Waffen führen, dann muß man ihn gerade auf die Währungsfrage hinüberspielen und das Silber remoNetifiren. Damit werden sie die Macht des Capitols gebrochen haben." — Allerdings ist es eine Lieblingsmelodie der Antisemiten, die Juden als im Besitz alles Capitals auszugeben, was doch nur Ignoranten und Fanatiker behaupten können. „Die Uebermacht des Capitals" ist bei diesen Leuten im Grunde nichts Anderes, als daß ihr Credit in die Brüche gegangen und sie nichts geborgt bekommen. Bamberger antwortete auf diesen Punkt nur einfach und kurz: „Mit der Behauptung, daß der Antisemitismus von der Goldwährung gekommen wäre, macht Herr v. Kardorff auf mich keinen Eindruck. Wir würden in diesem Punkte auch nach dem Uebergang zur Silberwährung keine Verschiebung erleben. Ich erwarte die Abnahme des Antisemitismus von dem Fortschreiten der Cultur." — Uebrigens ist gerade in den Kreisen, in welchen gegen die Macht des Capitals am meisten deklamirt wird, in den socialdemokratischen, am wenigsten Antisemitismus vorhanden, wie die jüngsten Wahlen am besten bethätigt haben. Daß übrigens in den bimetallistischen Staaten dieselben Uebel wie in Deutschland vorhanden sind, kümmert Herrn v. Kardorff und Genossen wenig. — Die (offiziöse) „Nord. Allg. Ztg." veröffentlicht einen Aufruf „an die Conservativen in Berlin und im Reiche", in welchem zum Beitritte und zur Unterstützung des „conservativen Wahlvereins" aufgesordert wird. An der Spitze der Unterschriften prangt der Name des Herrn Prof. Dr. Aegidi. Unterschrieben sind ferner die Mitglieder des bisherigen C. C. C. (Conservatives Central-Comitv), zwei Parlamentarier, der Reichstagsabgeordnete Freiherr v. Eckardtstein und der Landtagsabgeordnete Kühne, ferner der Strafanstaltsdirector Frhr. von Falkenstein nnd ein Paar bekannte Kaufleute und Industrielle, sonst aber nur unbekannte Namen. Leipzig, 2. März. Man schreibt von hier der „Bost. Zeitung": Bei der Besetzung der hiesigen Proseffur für Pathologie, welche seit dem Tode des Prof. Cohnheim verwaist war, ist, wie wir s. Z. meldeten, der bisherige außerordentliche Profeffor Weigert übergangen worden, und zwar deshalb , weil er Jude ist. Prof. Weigert hat sich durch diese! Uebcrgehung so verletzt gefühlt, daß er die akademische Thätigkeit zu Ostern d. I. einzustellen gedenkt. Aus Anlaß! seines Scheidens veranstalteten die Kliniker einen Commers, der äußerst zahlreich besucht war und dem auch die hervorragendsten Mitglieder der medicinischen Facultät beiwohnten. : Bei dieser Gelegenheit sprach Geh. Rath Prof. vr. Wagner i sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß die Facultät in Prof. Weigert einen zu den Berühmtheiten zählenden Forj scher verliere; daß es aber so gekommen sei, habe leider ' weder er noch die übrigen Prosefforen der Facultät verhin- | dein können. Noch während des Commerses lief aus Frank-

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