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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-17 · Heft 12 (17.3.1885) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 12 (17.3.1885)
Date
1885-03-17
Page
Seite 188 (sequence 8)
Language
German
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188 müßte, und nachdem der geistliche Herr mit einem wahren Fanatismus einige Leitartikel antisemitischer Blätter hersagte, replicirte Emerich Jvanka auf die Ansichten seines Vorredners mit den Worten: Die Männer jener Kirche, mit denen der Vorredner sich brüstete, hätten dessen Meinung sicherlich nicht getheilt, denn sie waren Männer der Liebe, der Brüderlichkeit, der Geschichte, und sie hätten Leute mit solchen Ansichten wie denen des Vorredners höchstens aus ihren Zimmern gewiesen. (Großer Lärm. Ausrufe auf der äußersten Linken. Rufe: Zur Ordnung! Eläll! Hört! Hört!) In der dritten Sitzung war der Held der Debatte Paul Mandel, der in einer streng objectiven Rede, die auch sehr interessante statistische Belege für die Kulturbestrebungen der Juden in Ungarn enthielt, den Anschuldigungen der Antisemiten entgegentrat. Der nächste Redner, Paul Roth, sprach vor Allem der Antisemiteupartei jede Existenzberechtigung ab und vertheidigte sodann die Juden gegen den Borwurf, daß sie keine Schulen errichten. Er weist aus seinem eigenen Wahlbezirke und zwar aus dem Bororte desselben, in welchem vor 1848 keine einzige Judensamilie wohnte, während jetzt mehrere hundert ansässig find, nach, daß die Juden dort eine Schule errichteten, welche dem Gesetze vollkommen entspricht und deren Zöglinge im besten Ungarisch und in patriotischem Geiste von den schönsten Epochen der nationalen Geschichte erzählen können. (Heiterkeit der Antisemiten.) Auch sei es nur erfreulich, daß so viele jüdische Kinder christliche Schulen besuchen, denn wenn es jetzt, wie ein Redner erklärte, 100,000 Neologen und 500,000 Orthodoxe giebt, so sei dies nur mit Freude zu begrüßen, da man vor 3 bis 4 Jahrzehnten von Neologie gar nicht reden konnte und ein Guttheil dieses Resultates sei ein Verdienst der protestantischen Schulen, welche die israelitische Jugend besucht. (Ein Antisemit: die Neologen find noch ärger.) (Heiterkeit.) Und da er davon überzeugt ist, daß der zu ernennende Rabbiner auf der Höhe seiner Zeit stehe und die Organifirung des Judenthums fördern wird, nimmt er die fragliche Bestimmung an. (Zustimmung rechts.) Damit war die Debatte zu Ende. Nachdem nun noch der Referent, Prof. Lang, in einem kurzen Schlußworte nachdrücklichst hervorhob, daß die Vertreter der Nation gerade unter den gegebenen Umständen, da gegensätzliche Strömungen auftauchen, auf jenem Standpunkt verharren müssen, welchen die ungarische Legislative stets eingenommen, auf dem Princip der religiösen Toleranz und der über den Confesfionen stehenden Rechtsgleichheit, erfolgte die Abstimmung und zwar auf Verlangen der Antisemiten unter Namensaufruf. Das Resultat derselben war die Annahme mit einer Majorität von 171 Stimmen: 214 stimmten mit Ja, 43, sämmtliche anwesenden Antisemiten und viele Oppositionelle mit Nein, 195 waren abwesend, unter diesen viele Scheinliberale oder geheime Antisemiten, welche unmittelbar vor der namentlichen Abstimmung den Saal ver-; ließen. Diesen Ausgang hatten die Gegner des „Oberhaus- Rabbiners" nicht erwartet. j t S&<MxAMCp>VXCiC Deutschland. j Bon«, 6. März. (Privatmitth.) Wir erhielten von meh-! reren Orten Berichte über die gottesdienstliche Feier zum | Jubiläum der Alliance isr. uuiv., die theils am Samstag den 28. Februar, theils Sonntag den 1. März, also am Purimfeste, in den Synagogen stattgefunden hat. Besonders großartig war diese Feier in Paris, wo in der Synagoge me de la Victoire sich alle israelitischen Notabilitäten von Paris versammelt hatten. Die Fefipredigt hielt der Großrabbiner Zadok Kahn mit gewohnter Beredtsamkeit, den Segen sprach der Großrabbiner Isidor und erhebende Gesänge wurden ausgeführt. Eine nach französischer Sitte in der Synagoge veranstaltete Sammlung hatte einen bedeutenden Erfolg. — Hervor heben wollen wir noch die Feier in Brüx in Böhmen, weil in diesem Lande die Alliance bis jetzt sehr wenige Mitglieder gefunden. Rabbiner Dr. I. Tauber hielt vor der Vorlesung der Megillah eine begeisternde Rede, welche viele Mitglieder seiner Gemeinde zum Beitritt bewog. Berlin, 3. März. (Eingesandt.) Im Büreau des deutschisraelitischen Gemeindebundes ist man zur Zeit damit beschäftigt, eine Liste der in deutschen Gemeinden fungirenden Prediger, Lehrer und Cantoren aufzusteüen. Bei der Wichttgkeit und dem großen Umfang dieser Arbeit ist es wünschenswerth, wenn die Beamten der genannten Categorien das Unternehmen in der Weise fördern, daß sie ihre Namen nebst Angabe des Ortes und des Amtes durch Postkarte dem Bureau des D.-J.-G.-B. Berlin W. Sigismundstraße 5 mittheilen. Solche Beamten, welche ihre Stellung zum 1. April d. I. verändern, werden gebeten, sowohl den alten, als auch den neuen Amtswohnfitz anzugeben. Berlin, 3. März. ^Privatmitth.) Die hiesige „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate" hat ihre Generalversammlung pro 1885 abgehalten und der Vorstand, an

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