Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1885)
- Date
- 1885-03-17
- Page
- Seite 186 (sequence 6)
- Language
- German
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18« Sitzungen geführt. Das war wieder eine veritable Judendebatte. Die Antisemiten waren außer sich vor Entzücken; fanden sie doch wieder eine paffende Gelegenheit, ihren Gefühlen gegen die Inden Lust zu machen. Zur Abwechselung stellten fie sich auf Seite der Orthodoxen und theilten die Befürchtung derselben, daß ein Neologe ins Oberhaus komme, oder sannen auf eine Organisation des Judenthums, indem sie verlangten, daß die Juden ihre Glaubensartikel zur Begutachtung vorlegen, etwa „dem Gelehrten" ihrer Partei, Karl Neudtwich, der von Ranke in einer Weise sprach, daß der Minister-Präsident die ironische Bemerkung machte, der Herr Professor kenne den großen Historiker wohl nur dem Namen nach. Doch gehen wir auf den Verlauf dieser interessanten Debatte etwas näher ein. Noch entschiedener erhob sich gegen den Antrag der Antisemiten der Minister-Präsident Tißa, der das Haus bittet, den geistlichen oder weltlichen israelitischen Gemeindevorstand nicht zu streichen. Es ist gar kein großes Resultat und kein großer Gewinn für jene Confesfion, aus der jenes eine Mitglied ernannt wird. G«za Onody: Nur für das Land! (Lärmender Widerspruch.) Minister-Präsident Koloman Tißa (fortfahrend): Für das Land wird es dann ein Resultat geben, wenn die antisemitischen Reden aufgehört haben werden. (Zustimmung.) Bis dahin können fie nur schaden, nützen aber niemals. (Lebhafte Zustimmung rechts; Lärm auf den Antisemiten- Den Bortrab bildete, wie schon in früheren Debatten, bänken.) Ich wünsche und verlange, daß jenes Mitglied beder antisemittsche Baron Andreanßky. Er protestirt feierlassen werde, damit es wenigstens gleichsam als ein Wahrlich gegen die „Einschmuggelung der jüdischen Religion" ins! Zeichen dafür dort sei, daß all' jenes in das Mittelalter Oberhaus. Als nicht recipirte Confesfion dürfe das Juden-! zurückführende wilde Gejohle der ungarischen Nation keinen thum dort nicht vertreten sein. Derselben Ansicht wie er! Schrecken einjagt. (Große Bewegung und lärmende Ausrufe seien auch die orthodoxen Rabbiner, die da fürchten, daß! links: Oho! Das ist kein Argument! Lebhafte Zustimmung ein Neologe ausersehen sein wird. Eine kräftige Abfertigung1 rechts.) Die Herren Abgeordneten lärmen hier dazwischen, ertheilte ihm der oppositionelle Franz Pulßky:! ihre Anhänger johlen darauf auf der Straße. Ich glaube, wir find hier weder Protestanten, noch! Göza Onody: Man darf also auf uns sagen, daß wir Katholiken, noch Juden, sondern ungarische Staatsbürger! johlen. (Lärm auf den Antisemitenbänken.) (Lebhafter Beifall) und ich werde stets gegen Jene mein Minister-Präsident Koloman Tißa (fortfahrend): Ich Wort erheben, die die Natton wieder nach Consesfionen, abhabe es nicht gesagt. Uebrigens, wenn es meine Natur wäre» sondern wollen. (Allgemeine Zustimmung.) Der Paragraph 1 solche Ausdrücke zu gebrauchen, wie — einer Ihrer Abgebedeutet die Gleichstellung aller Consesfionen, und ich möchte ordneten Kollegen hat es gezeigt — Sie es thun, hätte ich 600000 Staatsbürger keinesfalls von den Segnungen des auch solche Ausdrücke gebrauchen können; es ist dies aber ungarischen Gesetzes ausschließen. (Zustimmung rechts. Großer nicht meine Gewohnheit. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Lärm bei den Anttsemiten.) Ich glaube, daß Jene, die im Jahre 1849 an unserer Seite standen (Widerspruch bei den Antisemiten), welche Haynau brandschatzte und eine Million zahlen ließ — (Rufe der Antisemiten: man hat fie ihnen zurückgegeben!) Man hat sie das Geld zahlen lassen und hat späterhin ein gemeinnütziges Institut damit gegründet. (Zustimmung rechts. Lärm bei den Antisemiten.) Schreien Sie nur immerhin, die Gerechtigkeit und Freiheit werden immer siegen und der Geist der Gleichheit wird Sie Alle überleben, die Sie jetzt mit dem Antisemitismus kokettiren. (Lebhafter Beifall.) Ich gehöre nicht zu Jenen, die vor dem einen Juden erschrecken, der da ins Oberhaus kommt; die ungarische Nation ist stark genug, um vor diesem Juden nicht erschrecken zu müssen. (Beifall rechts. Heiterkeit bei den Antisemiten.) Zum Ergötzen des Hauses ergriff nach dem Minister- Präsidenten das Wort der ehrwürdige Göndöcs und sprach: Die Regierung dachte bei sich: Ich habe die Juden mit den Christen verheirathen »vollen; es ist ihr nicht gelungen, jetzt werde ich sie mit dem Oberhause verheirathen. (Lebhafte Heiterkeit.) Ich ftage Herrn Pulßky, wie will er den einen jüdischen Rabbi hineinbringen, da es unter den 600 000 Juden wenigstens 500000 Orthodoxe giebt, und kaum 80- bis 100000 Neologen. Dann ist ein Rabbi zu wenig und man muß zwei hineinbringen. (Heiterkeit.) Wenn man neben den griechisch - nichtunirten Bischöfen auch die griechisch-unirten Bischöfe ernennt, so müßte man nach Recht und Billigkeit einen orthodoxen und einen neologen Rabbi hineinbringen. (Franz Pulßky: Ich accepttre auch zwei Rabbiner! Heiterkeit.) Mein Vorredner Szabo (Rufe: Kovacs!) will sagen Lachen Sie nur. Sie werden schon sehen, daß die Idee Kovacs (Lebhafte Heiterkeit) hat die Frage richttg beurtheilt, der Freiheit Sie überleben wird, sammt ihren aus Deutschi indem er die gehörige Proportion betont, land importtrten Bestrebungen, die mit dem ungarischen Pulßky hat Recht, daß wir hier nichts als Abgeordnete Geiste überhaupt im Widerspruch stehen. (Zustimmung > find, allein wir müssen dennoch von der Religion sprechen, rechts.) Ich will das geehrte Haus nicht langweilen. (Hört! Heiter-