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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-03-17 · Heft 12 (17.3.1885) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 12 (17.3.1885)
Date
1885-03-17
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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18 2 aus alles Weh des menschlichen Herzens, all' sein Leid und j Trümmern Jerusalems, der nicht dunkle Farben genug finden seinen Schmerz bei dem Verluste seiner Theuren, seiner; kann, um das Elend seines Volkes zu malen, nicht Trauer- Güter, seiner Ehre, in Siechthum und Armuth. Wo fändet töne genug, um das Unglück seiner Nation zu beklagen, der man wohl eine tieser empfundene Schilderung des traurigen! ausruft: Nationalgeschickes als in den Klageliedern Jeremiä? Wo „Ich bin der Mann, der das Elend gesehen unter der Ruthe seines Grimms", er ruft alsbald wieder aus: „Des Ewigen Gnade ist es doch. Daß wir noch nicht vernichtet find. ein erschütternderes Gemälde vom Unglück des Individuums als im Buche Hiob? Wie ergreifend find die Schmerzenstöne, die aus vielen Psalmen erklingen! Wenn aber unsere heiligen Bücher so das Leid des Menschen als wirklich anerkennen, als ihn schwer belastend, tief beugend, wenn z. B., _ . t _ , im 90. Psalm bet Wechsel des Geschickes, dem der Mensch > /»de. ft,n Erb-tme«. bei all' seiner Vergänglichkeit unterworfen ist, die Stürme, die sein Leben durchwehen, mit düstern Farben geschildert werden: so folgt alsbald der ideale Geist und erfüllt den leidenden Menschen mit Trost, mit der Aufforderung zu Kraft und Ausdauer, mit der Zuverficht auf Rettung und . . . ., . ,. Heil. Zunächst weiß die h. Schrift nichts von einem un- ** . e' *c l^n . Etlichen Saturn; alles Geschick des Mensche», das Gutei?"' >'i s. daß mau schweigend harre Neu ist's jeden Morgen, Deine Treue groß! In dem Ewigen ist mein Theil, spricht meine Seele. Darum hoff' ich Dein. Gütig ist der Ewige Jedem, der auf ihn vertraut. wie das Böse, geht von einem allweisen, allgütigen und gerechten Gotte aus, der in Allem, was er über uns verhängt, einen bestimmten Zweck verfolgt, den der Ausgleichung in der sittlichen Wellordnung und der Befferung des schuldigen Menschen. Alsdann weist sie den Unglücklichen zur Einkehr in sich selbst an, die Ursache seines Mißgeschickes in sich selbst, in seiner Schuldhaftigkeit zu suchen, und sich aus ihr zu befreien. Jede Schuld kann gesühnt werden und die reuige Umkehr führt zum „Leben", zur Gerechtigkeit, zu Aufrichtung und Glück zurück. Denn Gott ist allbarmherzig und vergiebt die Schuld des Menschen gern. Aber auch der Gerechte leidet zu seiner Prüfung, und seine Rettung ist gewiß, wenn er in Zuversicht sich an seinen Gott wendet. Die rettende Kraft Gottes wattet über den Völkern und den Individuen, über den Schwachen und Gebeugten, richtet sich gegen die Gewaltthätigen und Ränkeschmiede und läßt sie vor dem gerechten Dulder vergehen und schwinden. So ist in der h. Schrist von Anfang bis zu Ende ein unsichtbares, aber festes Band zwischen dem Menschen und Gott geknüpft, und wie das Thun und Lassen des Menschen die innere j Herzigkeit Gottes, aus die Rettung, auf die Wiederherstellung Auf des Ewigen Hülfe. Gut ist es dem Manne, Joch zu tragen in der Jugend, Einsam und klagelos zu fitzen. Da Er es ihm auferlegt. Denn nicht auf immer verwirft der Herr. Liebevoll erbarmt er sich, so er betrübt hat. Läßt nicht gern die Menschensöhne plagen und betrüben." Und dann ruft er aus: „Nun, was klagt der Mensch, so er noch lebet Jeglicher bei seinen Sünden? O, laßt uns unsren Wandel prüfen und durchforschen Und zum Ewigen uns kehren! O, laßt uns unser Herz empor Mit unsren Händen heben zu Gott im Himmel!" So verbindet der Prophet mit den schmerzlichsten Gefühlen über seines Volkes liefen Sturz das Bewußtsein der Schuldhaftigkeit deffelben. durch die es sein Geschick heraufbeschworen, und wiederum die unerschütterliche Zuversicht auf die Barm- Beziehung zu Gott und Gottes Willen hat. so auch Alles, was ihn betrifft, sein Glück und sein Mißgeschick, seine Freude und sein Leid. Hier ist nichts Unveränderliches, nichts Unerbittliches, Nichts dunkel und düster. Ueberall leuchtet über den Wolken die Sonne; hinter jedem Sturme kommt der Friede; für jeden Bruch, für jede Wunde ein Balsam, eine Heilung. — Wir brauchen für den, welcher die h. Schrift kennt, keine Belege anzuführen, daß die eben gezeichnete Lehre voll und wahr aus ihr geschöpft ist, daß die Anschauung, die sie uns vvrführt und einzuflößen sucht, die Wirklichkeit mit dem höchsten idealen Geiste durchtränkt. Dennoch wollen wir einige einzelne Züge ansühren. Jeremias auf den nach reuiger Umkehr. Mitten aus der Klage heraus find die oben citirten Verse wahrhaft groß und erhaben, wie aus dunklem Nachthimmel ein Gestirn seine Strahlen wirft und den Pfad beleuchtet, der sicher zum Ziele führt. Das ist die religiöse Ueberzeugung. So beginnt denn auch der zweite Jesajas seine große Rede: „Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems und rufet ihm zu, daß vollendet sein Dienst, daß bezahlt seine Schuld, daß von des Ewigen Hand es empfangen für all' seine Sünden Doppeltes." (40, 1.) — Und in gleicher Weise über das Geschick des Einzelnen. So der Psalmist (116, 3): „Mich umschlangen die Bande des Todes, die Aengste der Unterwelt trafen mich

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